Das Wort zum Sonntag.

Vor nicht allzu langer Zeit verfasste ein recht kleiner Mann einen Hasskommentar unter einem Post, in dem ich über Ilva und ihre Ausbruchskünste schrieb. Diesen Kommentar habe ich gelöscht, weil mir der Verfasser sonst leid getan hätte. Mein Leben wäre ungeeignet für einen Wolfhund, ich nicht in der Lage mich an Ilva anzupassen (ich muss schon jetzt lachen). Ich solle mich doch nicht wundern, wenn sie nicht artgerecht lebt, dass sie Blödsinn macht bzw. in seinen Worten: ihrer Intelligenz folgt. Ungerne biete ich dem Gnom eine Plattform in meinen Artikeln, aber das Beispiel eignet sich so gut. Er findet es unfair, dass ich Ilva den Teufel andichte und die Dinge die passieren so nach vorne spiele, weil es so viele glückliche Wolfhunde gibt und die dazugehörigen zufriedenen Halter. Es sei peinlich und schon gar nicht lustig, ich wäre wohl vielleicht geeignet, aber mein Leben nicht.

Ps. Ich kenne den Mann nicht und er mich auch nur aus dem Internet.

Ich finde es peinlich und gar nicht lustig, dass es Menschen gibt die davon ausgehen, dass ihre „Wölfe“ gerne mit ihnen zusammen leben und es normal ist, was sie da machen.

Im Netz pöbeln sie für die Freiheit der Wölfe/Wolfhunde und im Garten halten sie sich ihre eigenen, hinter Gittern und Strom. Schön anzusehen, sie wollen es doch auch, es geht ihnen doch gut. All die Opfer die es bringt, die Freiheitsberaubung und der blanke Egoismus der hinter der Zucht von „AWH‘s“, sämtlichen Hybriden etc. steht, der wird schnell unter den Teppich gekehrt. Unter dem Deckmantel „eines Profis“ marschieren die Pioniere der Szene durch das Internet und verbreiten stumpfsinnig ihre Botschaft.

Doch eigentlich wollte ich in diesem Artikel nicht mit der Wolfhundeszene abrechnen, es geht um etwas Anderes.

Die Meisten wissen aus meinen Artikeln, dass Ilva eine bewegte Vergangenheit hat. Sie hat viel verbranntes Land hinter sich gelassen, ich erinnere mich an den Tag als ich in die Auffangstation kam und „die Neue“ da war. Die, die so viele Vorbesitzer hatte und einen kleinen Hund auf dem Gewissen hat. Ein Tscheche eben. Wenn man tagtäglich mit der Schattenseite zu tun hat, ist so ein Fall nichts schockierendes oder Etwas, das man verheimlichen müsste. Nichts, was besonderer Erklärung und Analyse bedarf.

Versteht ihr was ich meine?

Es ist doch immer das selbe böse Erwachen, die Suche nach einer Erklärung, einer Lösung. Doch nüchtern betrachtet ist es leider normal. Hunde töten Hunde, Hunde beißen, Hunde bellen, Hunde sind dreckig, Hunde sind manchmal sehr unfair und auch wenn es hart ist, aber Hunde haben kein Fell auf der Nase. Kürzlich beklagte sich eine weitere Dame darüber, dass ich meine „lieben Fellkinder“ als Dämonen betitele. Ich bin sicher würden die vier Nachts in ihrem Haus stehen, wäre das erste woran sie denkt nicht „oh, da sind ja die Fellkinder von Elena”, sondern eher sowas wie: „Scheiße, warum hat der Wolf die Tür meines Kühlschrankes demontiert und auf den weißen Teppich gepinkelt und warum klettert der Bulldog die Wand hoch, wo sind eig. die Katzen und woher kommt das Blut? Warum bewegt der Akita sich nicht und starrt mich so komisch an, will der Dobermann spielen oder meint er das jetzt ernst / Hilfe”. Süße kleine Schätze, meine lieben zarten Elfen. Ich mag sie, alle, aber das ändert nichts daran, dass sie kleine Asis sind.

„Kein Hund wird böse geboren“

Doch das Problem finden wir nicht darin, wie die Hunde geboren werden, sondern in der Definition von Gut und Böse. Böse sind Hunde die beißen, Hunde die jagen, die an der Leine ziehen, die unser wertvolles materielles Gut zerstören oder uns Nerven rauben. Jeder zweite Hund wird zum „Arschloch“, zum „Problemhund“ und alle haben „schlechte Erfahrungen gemacht“ und sind deswegen so. Jeder hat sofort das Bild vom bösen Menschen im Kopf, der Hunde mit einer Zeitung verprügelt oder mit Knüppeln. Da musste der Hund ja beißen und seitdem ist der so. Leider ist auch dieses Märchen selten zutreffend. Menschen brauchen immer Gründe, damit die Fassade nicht bröckelt. Hunde sind immer nett und süß, berechenbar und freundlich. Knurren ist auch eher lustig und meist nicht so gemeint. Und wenn du nett zu ihnen bist, sind sie auch nett zu dir.

Warum müssen Hunde so sehr glorifiziert werden, damit sie eine Daseinsberechtigung haben und/oder liebenswert sind?

Wir leben in einer Zeit in der alles einer realitätsfernen Norm entsprechen muss, damit es gut sein kann. Überall verdienen sich die Menschen goldene Nasen mit der neuen Welle des gesunden Lebensstils. Positive Energie, Yoga, Smoothies, Mantras und Chakren – alles ist so Om, während der schwarze Fleck an der Wand bleibt. Egal wie oft man ihn mit weißer Farbe überstreicht. Doch wenn man eine rosarote Brille aufsetzt, dann sieht man ihn kaum. Wenn man die Kopfhörer in den Ohren hat, dann hört man die Obdachlosen auch nicht betteln. Symptome werden bekämpft und der nackten Wahrheit werden Kleider angezogen, die sie freiwillig nie tragen würde. Alles um das hübsche Bild aufrecht zu erhalten.

Künstliches Glück statt echter Emotionen. Verdrängen um jeden Preis.

Ich sage euch jetzt mal was, wenn ich meine Hunde als Dämon, Teufel, Wurzel allen Übels, Asozial o.Ä. betitele, dann bedeutet es nicht, dass ich sie nicht liebe. Dann bedeutet es, dass ich sie liebe, wie sie sind. Dass ich ihnen keine Maske aufsetze, um sie mögen zu können. Im Gegenteil. Und es macht mich wütend, wenn dann jemand erklärt, dass meine lieben Fellkinder niemals destruktiv sein können. Warum dürfen sie nicht sein, wie sie sind? Warum darf man den Teufel nicht an die Wand malen, wer stört sich daran? Kann ein Dämon nicht auch liebenswert sein, sind Ecken und Kanten immer Etwas, was man ausradieren muss? Nein, man! Meine Hunde rauben mir manchmal den letzten Nerv, sie bringen mich an Grenzen und oft gibt es nichts mehr, worüber ich noch lachen kann. Ich führe ein Leben angepasst an meine Felldämonen (einigen wir uns auf das Wort, okay?), ich gebe mein letztes Hemd für sie. Und für alle Anderen kleinen Spinner da draußen, die irgendwo ihr Unwesen treiben und nicht ins Bild passen. Ich liebe sie, wenn sie meine kleinen Schätze sind und ich liebe sie auch, wenn sie undankbare Ausgeburten der Hölle sind. Wir haben doch alle unsere Leichen im Keller, tragen unser Päckchen – mal ehrlich, was ist schon gut und was genau ist böse? Jeder empfindet anders, doch ich halte es für unfair natürliche Verhaltensweisen zu bewerten. Schon gar nicht auf unseren individuellen Skalen, die persönlicher Empfindung entspringen. Ein Hund der Beute reißt, ist nicht böse, sondern ein Hund. Auch das andere Ende der Leine, das vielleicht für einen Moment nicht aufmerksam war, ist nicht böse oder dumm, sondern ein Mensch. Zwei Hunde sie sich beißen sind nicht verrückt, sondern Hunde. Das Wort Kampfhund ist nicht schlimm, sondern lediglich eine Bezeichnung für Hunde, die wir zum kämpfen gezüchtet haben. Wie Jagdhunde, die zum jagen sind. Hütehunde, die hüten sollen und Herdenschutzhunde, die zum Schutz einer Herde da sind. Würde man die Tiere nicht ständig in „ach so heile Welten“ stürzen und sie damit zum Verrat an sich selbst und einer völlig fehleingeforderten Dankbarkeit zwingen, dann hätten wir weniger Probleme.

Meine Hunde sind Hunde, der eine mehr und der andere weniger klar in der Birne. Mal nenne ich sie Köter, mal spreche ich sie mit „Schatz“ an. Sie sind mal gut, mal böse, mal witzig und manchmal unberechenbar. Wie der Mond haben wir alle unsere Phasen, wir verzeichnen Erfolge, Tragödien und wenn jemand Chaos sagt, sind wir meist nicht weit entfernt.

Nichts und Niemand wird böse geboren und was für den Einen böse ist, ist für den Anderen einfach nur Verhalten. Der Zwang der Hunde, ein perfektes Mitglied der Familie sein zu müssen, ist grausamer als die Hölle es je sein könnte. Denn wer nicht mitspielt in unserer heilen Welt, der wird aussortiert. Dreist erfinden wir Kampfschmuser und erzählen, dass jeder Hund per se ein guter Familienhund sein kann, wenn man ihn nur gut erzieht. Das ist für mich böse, das wahrhaftige Böse. Menschen die brachyzephale Hunde züchten und halten, das ist für mich böse. Ich könnte hier eine lange Liste erstellen und mich verlieren, wie ein Terrier der unsichtbare Fliegen sieht. Ich stehe für meine Hunde ein, so wie der Teufel sein Feuer, an dem er sich sicher auch schon so manches Mal verbrannt hat.

a wolf is a wolf.

even in a cage.

even dressed in silk.

2 Replies to “Wolfsgeheule – jenseits von Gute und Böse

  1. So ich hatte mir vorab eine Tasse Kaffee gemacht und mir die Zeit genommen es durch zu lesen! Die Tasse Kaffee ist alle, solange hat es gedauert zu lesen UND zu verstehen‼️ Elena DU hast es wieder auf den Punkt gebracht! Super geschrieben! Habe sogar ein neues Fremdwort gelernt‼️😀
    Freue mich schon auf den nächsten Beitrag 😘

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