Ich erinnere den Moment noch ganz genau, als ich Buri zum ersten Mal an der Leine hatte. Wie wir gemeinsam das Tierheim verließen. Er lag neben meinen Füßen und ich wartete darauf, den Schutzvertrag zu unterzeichnen. Viel wusste ich über diesen Hund nicht, aber das war auch nicht nötig. Buri sollte mein persönliches Meisterprojekt werden. Lange Zeit habe ich mir einen Dobermann an meiner Seite gewünscht, doch die Zeit war nicht reif. Und dann kam Buri. Aus meinen vorherigen Artikeln geht hervor, dass wir einen sehr intensiven Start miteinander hatten. Ich wusste, dass ich viel von ihm lernen werde. Noch nie zuvor hatte ich einen Hund, der mich durch meine Wohnung prügelt. Der mich derart hinterfragt. Zumindest keinen eigenen. Doch für all das bin ich sehr dankbar, denn es hilft mir mich in die Menschen hineinzuversetzen, denen ich Hunde mit ähnlichen Themen vermitteln möchte. Es hilft mir Mut zu machen und gleichzeitig den Boden der Tatsachen zu erklären. Die Kunst besteht darin, klare Grenzen aufzuzeigen und gleichzeitig Vertrauen aufzubauen. Vertrauen zu schenken. Immer und immer wieder. Wohlwissend, dass es nicht immer dankend angenommen wird.

Wenn man dem Umgang eines Individuums- ob Mensch oder Tier – ausschließlich seinem negativen Verhalten anpasst, darf man keine positiven Veränderungen erwarten.

Wir sind jetzt ein Team du großer Trottel, in einem Team sticht man sich nicht gegenseitig Messer in den Rücken, man hält ihn sich gegenseitig frei. Und ja Buri, Indianerehrenwort, ich halte dir deinen Rücken frei. Aber anfassen muss ich ihn trotzdem ab und zu, auch wenn du mir dann in mein Gesicht springst. Und zu allem Überfluss halte ich dich dann auch noch fest, selbst wenn dein tiefes Knurren von einem Ort kommt, an dem ich nicht mal tot über dem Zaun hängen möchte. Doch du wirst sehen, es passiert nichts. Ich habe doch gesagt; ich halte dir den Rücken frei. Stück für Stück tastete ich mich vor, ich fand viel Unsicherheit in dem Ungestüm, viel Teenager und noch mehr Potenzial. Wir gingen aufeinander zu, mal freudestrahlend und manchmal mit einer Axt in der Hand.

Aus einem small talk wurden richtige Gespräche. Themen lösten sich und unsere Beziehung bekam ein Fundament.

Wenn doch mal dicke Luft herrschte, waren wir beide nicht glücklich damit. Es gab Momente, in denen es einfach raus musste, die gibt es noch heute, aber sie sind weitaus vorhersehbarer. Zumindest wiege ich mich in dem Glauben und dieser versetzt ja bekanntlich Berge. Sollte meinen Körper doch mal ein Verband zieren, weil Buri unverhofft seine Meinung kund tun musste, darf er mit Sicherheit nicht darauf unterschreiben. Das hat er dann davon. Ich weiß auch noch wie wir mal nebeneinander auf dem Boden schliefen und er mir mitten in der Nacht in meinen Nacken sprang, weil ich ihn wohl versehentlich im Schlaf geschubst habe. Danach stand er knurrend neben mir und starrte an die Wand. Peinlich Buri, nicht wahr?

Den Rest der Nacht verbrachte er mit Maulkorb in einem Meter Entfernung. Manchmal hilft es eine Nacht darüber zu schlafen und dann wie gehabt weiterzumachen.

Kürzlich waren wir beim Tierarzt. Es war laut Arzt zwingend erforderlich, dass Buri auf dem Tisch steht. Ich war auf eine Eskalation vorbereitet und für ein Wunder bereit. Ich musste ihn auf den Tisch ziehen. Ziehen und schieben waren am Anfang zuverlässige Auslöser. Der Tisch fuhr langsam hoch und ich hielt seinen Kopf, den er fest gegen meine Brust drückte. So fest, dass ich ganz schön gegen halten musste. Die Behandlung dauerte mindestens zehn Minuten, es war ein Termin beim Dermatologen, es wurde Haut abgescharbt und nahezu jede Stelle seines Körpers genauestens unter die Lupe genommen. Die ganze Zeit über drückte er seinen Kopf gegen mich, ohne einen einzigen Blick ins Geschehen zu werfen. Ich hielt seinen Kopf.

Mein Gott, ich war so stolz auf ihn. Ich bin so stolz auf ihn.

Mir ist bewusst, dass er bleibt, wer er ist und das ist gut so. Verhalten kann man nicht einfach löschen oder vergessen, aber ich glaube Buri kann sich mittlerweile soweit auf mich verlassen, dass er meinen Ideen vertraut und lieber gemeinsam als gegeneinander arbeitet. Zwischen den beiden pelzigen Wildfängen ist er zu meinem treuen und soliden partner in crime geworden. Er ist jetzt 2,5 Jahre alt und aus dem leicht reizbaren Teenie wird so langsam ein cooler junger Mann. Das bedeutet nicht, dass er seinen Thron nicht vor ebenbürtigen Mitstreitern verteidigt. Gerne erkläre ich ihm noch tausend Mal, dass ein guter Herrscher nicht wie der Pöbel kämpft. Strolchi, den ich liebevoll Koks(i) nenne, hat in Buri einen sehr fairen Lehrmeister gefunden. Ich hätte noch vor ein paar Monaten nie gedacht, dass Buri in so kurzer Zeit diesen Platz in unserer Gruppe einnehmen kann.

Ein guter Freund sagte mal, dass er in Cloé immer meinen kleinen Wächter sah.

Und vielleicht hat der kleine Wächter mir ja einen Großen vermacht.

 

 

 

Mein besonderer Dank auf dem Weg mit meinen Hunden gilt Melanie und Niko vom Camp Küstenköter – die mir jederzeit mit Rat und Tat zur Seite stehen.

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