Eigentlich wollte ich heute einen Artikel darüber schreiben, was man als Hundehalter alles braucht. Wie viele Halsbänder, wie viele Leinen; Ich wollte euch erzählen, wie viel Kram Hunde zum Leben haben müssen. Ich wollte lustige Anekdoten zum Besten geben: Das die Hunde so viel besitzen, merkt man immer dann, wenn man mit ihnen verreisen will. Das Gepäck meiner Vierbeiner nimmt meistens mehr Platz im Auto ein, als mein eigenes. Das liegt zum einen daran, dass sie Näpfe und Hundebetten dabei haben.

Andererseits haben meine Hunde einfach nur viel zu viel Zeug. Das ist mir beim Anfertigen der Liste klar geworden.

Mein lustiger Artikel ist also plötzlich zu einem tiefgründigen Gedanken über Konsumverhalten von Hundebesitzern und Minimalismus bei Tieren geworden.

Weniger ist mehr?

Ich war noch nie jemand, der sich ständig alles Neu kauft. Ich gehe nicht mit Trends, ich verwende gern alles wieder, ich benutze meine Sachen so lange, bis sie auch wirklich kaputt sind. Was ich unbedingt haben will, kaufe ich möglichst gebraucht. Ich hatte aber trotzdem immer einen Drang dazu, Dinge zu horten. Das liegt wohl daran, dass ich, wie viele andere Menschen auf der Welt, gern emotionale Bindung zu Gegenständen aufgebaut habe und nichts loslassen konnte. Selbst wenn es mir gar nicht mehr gepasst hat oder ich es einfach nicht brauchte.

Irgendwann merkte ich dann, dass mich mein ganzes gehortetes vielleicht-irgendwann-mal Zeug nur belastet. Ich entschied mich dazu, alles loszuwerden was ich nicht wirklich nutzte. Das waren etwa 90%. Ich dachte, da ich sowieso nicht so ein schreckliches Konsumverhalten habe (außer bei Nahrungsmitteln), dürfte mir das Konzept des Minimalismus gar nicht schwer fallen. Ich müsse nur lernen, mich von meinem Kram zu trennen. Das habe ich gemacht. Und es hat wunderbar funktioniert.

Als ich mich aber heute hingesetzt habe, um einen Artikel darüber zu schreiben, was man alles braucht um einen Hund zu halten, ist mir plötzlich aufgefallen, das ich mich selbst belogen habe. Denn: ich kaufe und habe immer noch unglaublich viel. Für meine Hunde. Oder wohl eher, für mich um es an den Hunde zu benutzen. Es war mir nicht mal bewusst. Alles, was ich nicht für mich selbst kaufe – weil ich gern alles wiederverwerte, weil ich nicht gern shoppen gehe, und nicht zuletzt weil ich mich dagegen entschieden hatte– das alles gleiche ich wieder aus mit meinem Kaufzwang im Laden für Haustierbedarf. Dort gehe ich gern shoppen. Und die Hunde können sich ja nicht beschweren.

Hund auf Baum

Inventur

Meine Hunde besitzen jeweils mindestens fünf Halsbänder und doppelt so viele Leinen für jede Gelegenheit: Schöne Sonntagsleinen, Arbeitsleinen, Schleppleinen, kurze, lange, verstellbare, bunte, einfarbige, passend zu allen Halsbändern. Retrieverleinen und Normale, aus Tau, aus Stoff, aus Neopren, aus Leder.

Eigentlich benutze ich aber höchstens zwei Halsbänder pro Hund und immer die selbe Leine. Die, die schnell, praktisch und bequem in der Hand liegt.

Dann noch jeder zwei bis drei Geschirre, für Mantrailing, Fahrrad oder Autofahren, für Zughundesport.

Sie haben Massen an Spielzeug, obwohl ich gefühlt nie welches kaufe. Das meiste habe ich geschenkt bekommen. 

Futter, Futtertonnen, Boxen für Leckerchen und Kauartikel. Verschiedene Näpfe in unterschiedlichen Größen, plus Napfunterlagen. 

Futterbeutel und Hundepfeifen, mehrere Clicker, Targets und eingestaubte Intelligenzsspielzeuge.

Eigentliche benutze ich keins davon wirklich.

Hundebetten und zwar sechs oder sieben, in jedem Raum in dem ich mich länger aufhalte. Für jedes Bett zwei Fleecedecken oder Kissen, außerdem noch welche fürs Auto. Bürsten und Kämme, insgesamt sieben Stück.

Ich habe Tunnel für den Garten, obwohl ich keine Garten habe, einen Dogscooter den ich nicht benutzen kann, verschiedene Hüftgurte für Wanderungen obwohl ich so gut wie nie wandern gehe.

Wie sie sehen, sehen sie nichts: Werbung

Die Hundeszene ist voll von Menschen wie mir und die Werbung macht vor Kindern und Tieren schon lange nicht mehr Halt. Inzwischen haben die Marketingabteilungen so gut wie jedes frei verkäufliche Hundefutter überarbeitet, so dass man es teilweise gar nicht mehr wiedererkennt. Das Konzept ist jetzt nicht mehr niedlich sondern eher klassisch. Möglichst irgendwas mit Wolf oder Natur im Namen.

Und ich kaufe es. Obwohl ich immer dachte ich sei nicht so empfänglich für Werbung, aber das sind wir wohl alle auf die eine oder andere Art.

Viele Hundebesitzer sind regelrecht „kaufsüchtig“. Da gibt es welche wie mich, immer auf der Suche nach dem Schnäppchen, die sich dann beim Hunter Lagerverkauf gegenseitig die Köpfe einschlagen. Oder die Anny-X Geschirr Fraktion, die Hundegeschirre zum Sammlerstück erklärt haben. Die Erfinder haben das inzwischen auch verstanden und bereiten den Liebhabern mit Sonderfarben und limitierter Auflage schlaflose Nächte bei Ebay.

Natürlich gibt es für Hunde inzwischen auch die schönsten Kollektionen und das richtige Halsband für die richtige Saison. Das ist alles nichts Neues und auch gar nicht Schlimm. Konsum ist nicht Verwerfliches, solange er nicht dem falschen Auslöser entspringt.

Macht die neueste Errungenschaft mich glücklich? Bereichert sie mein Leben?

Brauche ich das siebte Halsband wirklich? Oder habe ich nicht schon so viele Halsbänder, dass ich sie gar nicht mehr alle benutzen kann. Ich habe so viele, dass ich gar keine Freude mehr an ihnen habe, denn ich muss mich ständig mit diesen kleinen Entscheidungen herumplagen: Welches Halsband heute?

Am Ende nehme ich dann doch immer das Schlichte, das meinem Hund am besten passt. Das praktische, das leicht zu reinigen ist.

Alle anderen brauche ich nicht.

Eigentlich, wenn ich ehrlich bin.

Was mich daran so beschäftigt ist, dass gerade unsere Hunde die perfekten Minimalisten sind. Sie brauchen keinerlei Besitz um eine Art innere Leere zu füllen. Sie sind glücklich mit dem was sie haben. Ich glaube sie wollen das, was auch wir Menschen im Grunde wollen, wenn wir all den Materialismus aus unserem Leben streichen: Genug Essen, einen warmen Platz zum Schlafen und ehrliche Freunde. Der Hund ist schließlich derjenige, der mit uns unter der Brücke schlafen würde. Derjenige, der seit Jahrtausenden mit dem Rest unseres Essens zufrieden ist. Eben der beste Freund des Menschen. 

Als ich an einem der wunderschönen klaren Wintertage in der letzten Woche am Deich war und die Sonne gerade unterging, stand ich eine Weile einfach nur da und beobachtete meine Hunde beim Spielen. Sie strahlen dabei immer so eine unglaubliche Lebensfreude aus. Sie rennen so schnell sie können, nur um des Rennens willen, bis ihnen die Zungen weit heraushängen oder sie sich vor Erschöpfung in den nächsten Bach werfen, jedes Mal wieder. Sie beschweren sich nicht über das Wetter oder die Farbe ihrer Halsbänder. Am schnellsten Laufen sie sowieso ganz ohne Halsbänder, wenn kein Ballast sie herunterzieht. Am liebsten schlafen sie mit im Bett. Oder neben dem Bett. Wie viel ihre Körbchen gekostet haben, interessiert sie nicht.

KonsumverhaltenIn diesem Moment war ich sehr neidisch.

Und ich habe mir vorgenommen, meinen Konsumwahn in Zukunft nicht nur auf mein eigenes Leben bezogen einzuschränken, sondern auch meine Hunde nicht mehr mit Besitz zu überschütten. Auch wenn sie nichts davon wissen und es sie wahrscheinlich nicht belastet. Hunde sind so wandelbar. Sie leben irgendwie mit in unserer seltsamen, menschengemachten Welt. Und sie kommen sehr gut zurecht. Obwohl sie auf der anderen Seite doch noch so wild und naturverbunden sind.

Sie sind so einfach glücklich zu machen. Am Fußende schlafen, ein kleines Stück vom Kuchen, ein neuer Freund zum Spielen. Ein kleines Abenteuer. Jeden Morgen beginnen sie den Tag mit unbändiger Lebensfreude, weil die Sonne ein weiteres Mal aufgegangen ist. Ein besseres Vorbild kann ich mir nicht vorstellen.

3 Replies to “Von Minimalismus, Konsumverhalten und Glück – Und was das alles mit Hunden zu tun hat

  1. Hallo Marie!
    Sehr schöner Artikel – können wir genau so unterschreiben!
    Eine schöne Shoppingfalle war es auch, möglichst intensiv nach dem möglichst gesunden Futter zu googeln. Gut für Zähne, Gelenke, Sehnen und möglichst bio und natürlich.
    Bis wir bei Pellkartoffeln und Quark saßen und nachgerechnet haben, dass das Hunde-Essen doppelt so teuer war wie unseres!
    Liebe Grüße, Oliver

    1. Vielen Dank!
      Ja, das Problem kenne ich auch 😉 Bin froh, inzwischen ein für mich tolles Futter gefunden zu haben, dass beide gut vertragen. Ich habe vorher ständig gewechselt, um “perfekt” zu füttern – was meiner Meinung nach eh nicht geht. Ich gehe dank Lieferung nun absolut nicht mehr ins Futterhaus und denke möglichst wenig drüber nach 😀 Das spart Geld, Kram und Sorgen!

  2. Als Erstes: Vielen Dank für euren interessanten und anderen Blog. Ich lese mich gerade mit Freude durch eure Artikel.
    Und bei diesem fühlte ich mich ertappt. Ich konsumiere wenig, überlege genau, bevor ich etwas anschaffe. Meine Hunde haben jeweils ein Geschirr und jeweils ein Halsband. Ich habe schon Kooperationen mit “Danke, aber wir haben schon Geschirre für jeden Hund” abgelehnt.
    Lächelnd begann ich also diesen Artikel und im Verlauf fiel mir immer mehr ein, was wir besitzen, was sie unbedingt brauchten und für das sie sich einen feuchten Dreck interessieren.
    Ich werde jetzt mal Ausmisten und nachher eine Kurve zu unserem Tierheim schlagen. Vielleicht brauchen sie davon ja wirklich etwas.
    Herzliche Grüße
    Stephie mit Enki und Luna

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