Und eigentlich wollte ich ja nicht mehr schreiben. Zumindest nicht hier. Doch eigentlich ist eigentlich so ein Wort, das Spielraum bietet oder?

Letztens kam mein Baywatchbrett kurz auf eine eher ruhige Welle und während ich mir die Reste des Kaffees in den Mund kippte fand ich, es wäre ein guter Zeitpunkt kurz anzuhalten und einen Neuen aufzusetzen. Und als ich so am Wasserkocher stand und dem Klirren des Instantkaffees lauschte, während er in meinen Becher fiel, beschloss ich noch Einen zu schreiben. Meine lieben Freunde der gepflegten Volksmusik, die letzten Wochen waren eine Mischung aus Liebesfilm, Serienkillerdokumentation, Mitten im Leben und einer Tragikkomödie. Doch vor Allem haben sie mich Kraft gekostet, von der ich nie geglaubt hätte, sie überhaupt zu haben. So muss Sailormoon sich während ihrer Mutationen gefühlt haben, mit dem Unterschied, dass ich nach wie vor nicht werfen kann und nur aus diesem Grund keinen Mondstein habe. Trotzdem ist irgendwas geflogen und irgendwie habe ich auch ein bisschen gesiegt und zeitgleich verloren. Mein Herz ist ein bisschen gebrochen, ein Sturm hat getobt und doch ist am Ende des Tages die Sonne wieder aufgegangen. Und ich bin auch noch da – genau da, wo ich hingehöre.

Ich atme noch.

In den letzten Monaten habe ich mehrfach klar und deutlich verlauten lassen, dass es Buri gut geht und ich nicht über ihn schreibe, weil es Nichts zu erzählen gibt – es ist verrückt, aber ein Blog verpflichtet nicht zur Preisgebung aller Informationen, die irgendwelche Leser haben wollen. Danke für euer Verständnis und was stimmt mit All denen nicht, die mich andauernd wieder gefragt haben? Was glaubt ihr denn? Dass ich ihn im Keller aufgehängt habe oder er zum Mond geflogen ist? Welche Sensation erwartet ihr hinter der verschlossenen Tür? Wenn ich etwas sage, dann meine ich das so. Diese Neugier widert mich an. Auch jetzt möchte ich kein großes Fass aufmachen, aber ehrlich sein und ein paar Worte über all das verlieren. Seit ein paar Tagen würde ich lügen wenn ich sage, das Buri mein Hund ist. Denn das ist er nicht mehr. Es ist aber auch die Wahrheit wenn ich sage, dass es ihm sehr gut geht und er ein Leben in Sicht hat, welches mehr Perspektive hat, als ein Leben bei mir. Denn ich bleibe wer ich bin – und Buri bleibt Buri. Mein Gott, dieser Traum von Hund – mein Ein und Alles, mein Sargnagel. Ein Lehrmeister par excellence und ein Spiegel, der mir haargenau gezeigt hat, wo meine Grenzen sind. Ein langer und ehrlicher Kampf und eine Entscheidung, die ich für ihn getroffen habe und den Rest meiner Gang.

Buri und ich auf doberman island – alleine, wohl temperiert, kein Gesetz, keine Regeln, den ganzen Tag geleitete Meditationen und tausende Lichtreflexe, in denen wir uns mit rosaroten Brillen verlieren – das wär‘s gewesen. Wir beide gegen den Rest der Welt, jeden Tag eine neue Verschwörungstheorie.

Aber an der anderen Seite des Ufers stand mein Job, drei weitere Hunde und das reale Leben. Ich wusste, dass er mitkommen würde, wenn ich es wollte. Doch diese Entscheidung hätte ich mir zu Liebe getroffen – denn mein Leben hat sich heimlich zu einem Ort entwickelt, an dem Buri nicht einfach ‚sein’ kann. Ein Ort, an dem er nicht ohne Einschränkungen der sein kann, der er ist. Zumindest jetzt nicht mehr. Das raue Pflaster über das ich oft laufe ist nichts für Gänseblümchen wie Buri, die laute Musik und die zehrenden Menschen, die vielen Hunde – high life in Tüten. Für die Drei weiß-grau-braun- blauen ist es kein Problem, wenn sie könnten würden sie auch nach Wacken fahren, während Buri mit einer Gurkenmaske lieber bei der Maniküre sitzt. Ich hielt nie was davon, Individuen in Muster zu pressen und ihnen etwas aufzuzwingen, was gar nicht passt. Ich predige ewig davon, dass, das Resultat niemals gut sein kann. Unrealistische Erwartungshaltungen, so sehr man es auch will, führen nicht in den Wunschtraum – wenn man nicht alles dafür gibt. Und in diesem Fall konnte ich nicht Alles aufgeben. Die Zeiten der arbeitslosen Einzelhundehalterin sind vorbei und die Zeiten des Resthofes mit Kapazitäten und Fußbodenheizung brechen erst noch an – eines Tages. Es ist gut zu wissen, wo man steht. Kein Gang fiel mir schwerer als der zu meinem kleinen Brett, welches mich von Buris und meiner Insel zurück über das Meer in die Realität gebracht hat. Und an der Stelle möchte ich mich für all Diejenigen bedanken, die am anderen Ufer standen und wohlwollend nickend wussten, dass der lange Kampf nie sinnlos war und die bis zum Schluss an meiner Seite standen.

Rotz und Wasser.

Sinnbildlich habe ich mir einen Teil meines Herzens abgeschnitten und an einen sicheren Ort gebracht, es tut weh, aber es tut gut zu wissen, dass es gut aufgehoben ist. Bevor die finale Entscheidung fiel, holte das Schicksal seine letzten Asse aus dem Ärmel. Jeder Ausweg den ich suchte führte mich schmerzhaft gegen Mauern und zum Schluss fielen die Groschen wie Betonklötze vom Himmel. Beule schlug ein wie eine Abrissbirne, berufliche Veränderungen – keine Sorge, sie sind gut und ich bleibe bei dem was ich mache, nur in einer anderen Position – und mein unermüdlicher Drang zur Selbstreflexion brachten mich zur Erkenntnis. Ich trank noch einen letzten Allergikerfreundlichen Smoothie mit Buri am Strand, auf der Insel, bevor wir uns standesgemäß mit einer Ghettofaust verabschiedeten und uns einiger denn je waren: diese Kapitel in unseren Büchern werden jeden der es versteht mit einem tiefen Seufzen und mindestens einer Träne im Auge zurück lassen. Und was wir haben, haben wir. Das kann uns keiner nehmen.

Letztens las ich bei Facebook von einer Hundetrainerin, die ihren Hund abgeben wollte und ein Zuhause suchte. Nicht jeder hat das Glück im Umfeld einen geeigneten Platz zu finden. Dann las ich die Kommentare und mir kam ein bisschen Kotze hoch. Eine normale Reaktion wäre wohl ‚bloß die Fresse‘ zu halten, um nicht das gleiche Schicksal zu erleiden. Aber wir sind hier bei Andershund und ich bin Elena, hier findet man nicht viel Normales. Mir ist es scheiß egal, was Hans Peter und Uschi sagen, ich begleite andauernd Menschen bei der Abgabe ihrer Hunde und Menschen, die eben solchen ein neues Zuhause geben. Ich arbeite mit Hunden und mit einigen bewege ich ganze Berge. Doch das befreit mich nicht davon abends nachhause zu kommen und Hundehalterin zu sein, wie jeder Andere auch. Wenn dies nicht so wäre oder ich es anders sehen würde, dann wäre ich falsch in meinem Beruf.

Man, jeder der bis drei zählen kann weiß, dass Buri heimlich mein Lieblingshund war. Wir sind wie Haare und Kaugummis, schon mal versucht den Scheiß auseinander zu bekommen? Es hinterlässt Spuren und manchmal kommt man nicht drumherum eine ganze Strähne abzuschneiden. Und manchmal sollte man das eben tun. Mit Buri ist auch ein Teil von mir gegangen. Ich habe gelernt, dass ich mit meinem Kopf durch jede noch so dicke Wand komme und mein Mittelfinger ganze Armeen fern halten kann. Doch ich weiß mittlerweile auch, dass ein sanftmütiges Lächeln und Durchatmen manchmal alle Mauern verschwinden lässt und Wege ebnet, von denen keiner behauptet hat, dass sie einfach zu gehen wären. Die aber gegangen werden müssen, wenn man das Große und Ganze betrachtet und Entscheidungen treffen muss, die nicht nur einen selbst betreffen.

Nun ist die Katze aus dem Sack – ich wiederhole mich ungern, aber die Sache mit dem sanftmütigen Lächeln gilt nur in seltenen Fällen für Buris oder so, nicht für weitere nervige Fragen oder Menschen, die mir auf den Sack gehen. Ich habe alles gesagt, was ich sagen wollte. Buri lebt, Buri ist wieder gesund – so gesund wie Dobermänner eben sind. Buri ist nicht durch Beule ausgetauscht oder wegen ihm weg, Beule kam eher spontan um die Ecke gepoltert, hat sich ins Bett gelegt und beschlossen zu bleiben. Die Geschichte kennt ihr ja zum Teil und sie steht auf einem ganz anderen, verrückten Blatt Papier.

Nun lasst mich noch einen Moment durchatmen, den Kaffee austrinken und ein bisschen mit Tränen in den Augen über Buris und meine besten Zeiten nachdenken. Schön war‘s und schön wird es, vor Allem für Buri und das ist was zählt. Wie versprochen halte ich euch was Beule betrifft auf dem Laufenden, dem Kind und Königin Ilva geht es gut – sie verteilen wie gehabt überall ihre Haare. Der Eine ist in der Pubertät und liest mir jeden Tag unlustige Witze aus der Bravo vor, während er kichernd von A nach B springt und sich oft ein bisschen vor sich selbst erschreckt. Und Ilva – hat Letztens nicht an der Leine gepöbelt. Schätze sie hat sich verschluckt oder in einem Lifestyle Magazin gelesen, dass Kooperation jetzt IN ist.

Dieser Artikel ist vielleicht ein bisschen wie eine Bombe, die ich mal eben von Bord geworfen habe, aber mit ein bisschen Lebenserfahrung kann man statt einer Explosion, ein Feuerwerk erkennen.

Laut, grell, bunt und gefährlich. Aber bekanntlich halten sie böse Geister fern.

Nicht immer schön, aber ehrlich. 

Ich hab’s euch doch versprochen.

5 Replies to “Unsere Insel

  1. Buri
    Ich habe vor einiger Zeit den Beitrag über Buri gelesen, dass er nun bei jemanden sein darf, der ihm die Gurkenmaske und die Maniküre geben kann.

    Vorab, ich finde es eine starke Entscheidung seinen Lieblingshund abzugeben.

    Aber es arbeitet trotzdem in mir.

    Wenn ich einen Hund aufnehme, übernehme ich doch die Verantwortung und gebe ein Versprechen.

    Leben ändern sich, ohne Frage. Manchmal schleichend, manchmal im Schleudergang.
    Trotzdem ist da dieses Versprechen.

    Wenn ich also andere Hunde aufnehme, obwohl ich eine Primadonna gefangen im Körper eines Dobermanns habe, ist das fair oder fahrlässig?

    Verpflichte ich mich nicht, auf mein persönliches Wunschkonzert zu verzichten, wenn es nicht funktioniert?

    Wenn ich sehe, die Konstellation ist wackelig, lasse ich eine Beule (oder anderen Hund) mit einer Arschbombe in die Welt der Primadonna platzen?

    Sehe ich nicht zu, dass ich alles tue, um mein erstes Versprechen zu erfüllen?

    Bitte wirklich nicht falsch verstehen, das mag negativ klingen, ich meine es nicht so.
    Ich selbst habe keine Antworten auf diese Fragen, dafür 2 Hunde und 2 Katzen und ich wüsste nicht, was ich tun sollte, sollte einer der vier beschließen die Kombi hier scheiße zu finden. 🤷‍♀️

    Ich glaube, dass es viele Gedanken, schlaflose Nächte, ein Meer von Tränen kostete und es wurde eine Entscheidung getroffen, mit der Du leben kannst und hier geht es nicht um Rechtfertigung.

    Es bewegt mich einfach, weil ich nicht wüsste, was ich in so einer Situation tun sollte.

    Aber ein kleiner Gedanke pickt mich. Ich habe durchweg Schäfchen, alle sind ohne Selbstschutzmaßnahmen easy händelbar.

    Deine Rockertruppe ist das nicht, und ich bewundere Dich dafür, nur ist es nicht schon riskant und provokant, immer noch einen Rocker, frisch aus ner Kneipenschlägerei raus, ins traute Heim zu stecken.
    Ist die Gefahr nicht sehr viel höher, dass es knallt?

    Und der Gedanke: ich musste sie/ihn retten, zählt nicht denn Du kannst Dir, leider, nächste Woche 10 Hunde holen, die es alle verdient hätten.

    1. Liebe Verena,

      ich verstehe deine Gedanken.
      Beule stand in keinem Kontext zu Buri.
      Mal unter uns hier ganz öffentlich; ich habe Buri mit der Aussage: beißt, wenn hochspul,übernommen.
      Dem ist nicht ganz so, nicht im klassischen Sinne. Es hat mich nie gestört, dass er mich angegriffen hat oder wie oft. Es wäre auch okay, wenn er ab und zu mal mit den Anderen diskutiert. Buri hat eigentlich kein Problem mit anderen Hunden. Oder mit Menschen. Mein Leben, meine Arbeit im Tierschutz, mein ‚Lifestyle‘ das ist ein d gewesen. Wir hatten geile Zeiten, es lief. Aber er hatte die Chance auf ein ruhigeres, Burigerechteres Leben.

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