Es war schon dunkel und während ich, wie so oft, den Durchfall meiner Hunde vom Zwingerboden kratzte, lies ich die drei Herrschaften noch eine Runde „im Garten“ laufen. Keiner trug einen Maulkorb, da dies nicht notwendig ist, wenn sie untereinander sind. Wie immer hatte ich keine Ahnung wo mein Autoschlüsselbund ist und so begann ich zu suchen. Verzweifelt lief ich zu meinem Gefährt, denn oft lasse ich den Schlüssel einfach stecken. Ein sicherer Ort um ihn wiederzufinden. Nach langem Graben fand ich ihn endlich und lief zurück zu den Dämonen, um sie einzufangen. Kurz bevor ich das Ziel erreichte, fing Buri an, Ilva von der Tür wegzudrängen und zwar in gewohnter Burimanier. Hysterisch, übertrieben und unfair. Ich beobachtete das Spektakel von der anderen Seite des Zaunes aus. Auch Putin wollte zur Tür gehen, denn alle drei teilten das selbe Wissen: in Kürze wird sich die Tür offnen und ich werde leibhaftig vor ihnen stehen und dann gehen wir nachhause oder es gibt essen oder oder oder. Noch bevor ich meine Fellklötze in die Arme schließen konnte, suchte Buri sich den Falschen aus. Ilva kann er wegdrängen so viel er möchte, sie geht höchstens angepisst einen Schritt zur Seite, pöbelt ihn an und verdreht innerlich die Augen.

Doch Putin.. Putin bleibt zwar lange cool, aber wegdrängen und anpöbeln lässt er sich nicht, zumindest nicht so. Und ehe ich in einer hohen Tonlage fröhlich ‚Hundis‘ rufen konnte, riss ich auch schon brüllend die Tür auf.

Die Rüden hatten sich in den Haaren. Es hat etwas brachiales, wenn sich die beiden die Köpfe einschlagen. Ich finde es spannend mit anzusehen, solange es fair ist. Man vergisst schnell was für eine unfassbare Kraft in ihnen steckt. Ich griff mir ebenfalls ein Schwert um die Schlacht zu beenden, doch mein Eingreifen hatte eher einen anfeuernden Effekt, hätte ich mir denken können. Das war nicht mein klügster Einfall und so hielt ich einen Moment inne. Ich beschloss mir Putin zu greifen, so kann ich Buri auf Abstand halten, muss ihn nicht körperlich einschränken und senke so meine Chancen, in sein Kreuzfeuer zu geraten. Und plötzlich würde es ruhig. Ich stand vor den beiden Raufbolden und Putin hielt Buri im Nacken. Er hielt ihn einfach. Das tat er im Grunde schon etwas länger, doch gerade eben noch herrschte eine ganz andere Dynamik. Der Dobermann senkte den Kopf und hielt einfach nur still. Beide atmeten schwer. Selber schuld. Ungläubig trat ich näher und griff Putin entspannt ins Halsband, ich beobachtete Buri genau. Im Zweifel hätte jeder Funke das Feuer wieder entfachen können, was in dem Moment wirklich schade gewesen wäre, doch mein Plan ging auf. Putin lies los und Buri stand dort wie angewurzelt, ohne sich zu bewegen. Ich konnte es kaum glauben. Desillusioniert, geknickt, schockiert, auf dem nackten Boden der Tatsachen angekommen gab es kein Nachsetzen mehr, keinen blöden Blick – die Fronten waren in diesem Moment einfach klar.

Das Trio der Nacht blickte andächtig zu mir hoch und ich fühlte mich ein bisschen wie der Messias, auch wenn ich nicht viel gemacht habe. Ist ja egal 🤷🏼‍♀️.

Keiner der Hunde ist verletzt, bis auf ein paar Kratzer vielleicht, aber es ist offenbar ein neuer König im Land. Ich bin echt erstaunt und beeindruckt, das Baby ist gerade mal ein Jahr alt und schon so souverän und klar in dem, was er tut.

Ich möchte diese kleine Anekdote übrigens dazu nutzen, eine Veränderung zu verkünden.

Bei der Namensgebung von Putin habe ich leider nicht bedacht, dass Buri sich jedesmal angesprochen fühlt, wenn ich Putin rufe und umgekehrt. Erst dachte ich noch, dass es mich nicht lange stört und seit einer Woche bin ich sicher, dass ich es nicht mehr lange ertragen werde. „Nein, nicht du, DU, Nein, DU, Puuutin nicht Buri, nein Buri, nicht du, Putin nein du sollst nicht gehen, sondern Du, Burtin, Purti, 😠”. Lange dachte ich nach. Wie könnte Putin heißen, wenn er jetzt doch nicht Putin heißen kann? Inspiriert durch die super coole Serie „Norsemen“ kam ich auf den wundervollen Namen Sturla.

Sturla Beinknuser/Knochenbrecher.

Sturla ist ein großer Typ – der Knochenbrecher eben, ein ruhiger Mann, der Köpfe mit seinen bloßen Händen zerquetscht und ein Herz aus Gold hat. Und jetzt heißt Putin Sturla. Jetzt muss Sturla sich an seinen neuen Namen gewöhnen, ich an den Namen Sturla und Buri daran, dass er definitiv nicht Sturla heißt, auch wenn er immer gerne angerannt kommt – egal was ich sage.

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