…kriegen was auf die Brillen.

Oft möchte man Dinge haben, die für den Moment glücklich machen. Mal ist es ein Schokoladeneis, bei dem ich persönlich fünf Minuten später bereue es gegessen zu haben, weil ich nach wie vor an meiner Sommerfigur arbeite. Und mal sind es materielle Dinge, ein neues Auto, Kleidung oder das neuste Smartphone. Es hat unzählige neue Features, von denen wir meist gar keine Ahnung haben, aber es sieht gut aus. Schmal, glänzend schwarz oder weiß, wie man es lieber mag und es macht sich gut, wenn es im Café neben dem Latte Macchiato auf dem Tisch liegt. Man geht mit dem Trend, kann Sätze mit „Ich habe ja jetzt das neue Iphone und…“ beginnen und alle machen große Augen und wollen es mal sehen. Vielleicht sogar anfassen.

Ich vergleiche Hunde ja ungerne mit Handys, aber es ist ähnlich wie mit einem Welpen.

Zu den beliebtesten deutschen Hunderassen zählen laut VDH im Jahr 2018: Rottweiler, Malinois, Rhodesian Ridgebacks und Dobermänner. Zuckersüß als Welpen, liegen im Trend und alle wollen sie anfassen. Zumindest so lange sie klein und süß sind. Wenn einem das Iphone nicht mehr zusagt, weil Siri erneut ins Wohnzimmer gekackt hat, schafft man sich einfach ein Neues an und verkauft das Alte bei Ebay.

Und genau dasselbe machen wir mit unseren Hunden. Wir verscherbeln sie auf Ebay, als wäre es das Normalste der Welt.

Manchmal macht man sich gar kaum Gedanken um die Beweggründe und ihren Ursprung , wenn es darum geht, was unser oft verblümte Wille meint, haben zu müssen. Um das, was es mit sich bringt und die Zeit die anbricht, wenn die erste Euphorie vorbei ist. Letzte Nacht ist es eine Liebesgeschichte wie aus dem Bilderbuch und am nächsten morgen wacht man auf und fragt sich, wer neben einem im Bett liegt. Längst verflogen ist der Wille der letzten Nacht, die Konsequenzen waren nicht bedacht, obwohl sie nicht im Verborgenen lagen. Am Ende trägt keiner einen Schaden, denn wenn man das peinliche „Guten Morgen und Tschüss“ Ritual hinter sich gebracht hat, kann jeder wieder seiner Wege gehen. Es bleibt im besten Fall eine schöne Erinnerung, auf beiden Seiten. Oder eine witzige Geschichte. Beinahe täglich fliegen einst heiß gewollte Hunde aus ihren Körbchen raus, weil sie Dinge tun, die Monate zuvor noch mit wilder Entschlossenheit abgewunken wurden.

Ein Hund geht morgens nicht nachhause, während er sich auf dem Weg eine Kippe ins Maul steckt und schelmisch über gestern Nacht grinst.

„Ich gehe ja in die Hundeschule“, „Ich bin mit Rottweilern groß geworden“, „Der muss nur wissen, wer der Chef ist, das bringe ich dem schon bei“. Zwischen extrem coolen Socken und Hundehaltern, die bereits einen 5 Jahres Plan haben, an den sich der Hund sicher halten wird, gibt es auch pflichtbewusste Hundehalter. Doch es ist erschreckend, wie gering die Anzahl im Vergleich zu den anderen ist.

Du bist zeitlebens für das verantwortlich, was du dir vertraut gemacht hast.

Ein Hund ist kein Kandidat für ein Abstellgleis, kein armes Fellnäschen, er muss seiner scheiß Rassebeschreibung nicht gerecht werden und wenn du dir verdammt noch mal unbedingt jenen Hund anschaffen musst, dann lebe mit ihm und zwar genau so wie er ist. Man schmeißt auch sein Kind nicht raus oder den Partner, wenn man mal hitzig miteinander diskutiert. Die haben auch keinen Schaden, weil sie mal schlechte Laune haben oder ihr Essen nicht teilen wollen. Sie sind nicht irre, weil sie sich in der Schule prügeln oder Stress auf der Arbeit haben. Aber mit dem Hund diskutieren, Ansagen machen, sich durchsetzen, fair bleiben und auch mal „Schwamm drüber“ sagen, das können die wenigsten. Und das ist ganz schön Unfair. Ja, Hunde diskutieren anders, sie können leider/zum Glück nicht sprechen wie wir, aber würden sich die feinen Herren und Damen mal ein bisschen mit den Tieren auseinandersetzen und ihre Sprache lernen, dann hätten wir weniger Probleme.

Ich sage nicht, dass niemand mehr seinen Hund abgeben „darf“. Es gibt Umstände die es nicht anders hergeben und ich weine jede Träne mit den Menschen, die in solche Situationen geraten. Doch die klassischen Abgabegründe sind jämmerlich.

Ich finde das richtig gestört, wir handeln die Tiere wie Ware.

Kaum einer möchte einen Hund haben der beißt. Aber Hunde beißen, schaff dir erst gar keinen an, wenn du ein grundsätzliches Problem mit der hündischen Kommunikation hast. Wenn du nicht damit umgehen kannst, dass dein Rottweiler vielleicht anders als der von Onkel Klaus sein wird. Und die Erfahrungswerte durch das zusammentreffen mit dem Tier als Fünfjähriger jetzt vielleicht doch nicht für eine faire und gute Hundeerziehung ausreichen. Doch meist muss es ein ganz bestimmter Hund sein. Einer der optisch etwas hermacht, sie müssen ins Bild passen und man liest ja überall, dass es nicht an der Rasse liegt und jeder Hund ein toller Familienhund sein kann. Das ist gelogen meine Lieben, das ist erstunken und erlogen.

Außerdem wäre die Grundvoraussetzung dafür, sauber mit dem Hund kommunizieren zu können und das ist gar nicht so leicht. Nur weil Brutus jetzt high class Futter frisst, wird er nicht wie der Hund in der Werbung Frisbee mit den Nachbarskindern spielen.

Unzählige Hunde werden abgeschoben, weil sie sich verhalten. Weil wir in einer schnelllebigen Zeit leben, in der Verantwortung ein temporäres Konzept geworden ist und schnelles Aufgeben an der Tagesordnung liegt.

In einer Zeit in der Köter zu Fellnasen wurden. In der Tierschutz oft keine Tiere mehr schützt, sondern einzig und allein unser verdrecktes Gewissen säubert.

Wenn Hunde aus ihrem natürlichen Lebensraum reißen und dann unter emotionaler manipulation zu verkaufen Tierschutz ist, dann läuft hier gewaltig etwas schief. Wenn jeder Hund der beißt und Dinge tut, für die er gemacht ist jetzt ein „Problemhund“ ist, dann sind die einzigen die wirklich ein Problem haben, wir Menschen. Ein Problem damit, Lebewesen und Dinge einfach mal sein zu lassen. Zu lassen wie sie sind. Es geht schnell einen Hund abzugeben, aber es braucht Herz und Verstand sich vielleicht auch mal Fehler einzugestehen und Verantwortung zu tragen, die man sich unter den Nagel gerissen hat. Wenn man etwas wirklich will, findet man Wege. Ausnahmen bestätigen die Regel.

Es ist verrückt. Wir machen die Hunde krank mit unserer falschen Fürsorge und unserem Egoismus. Sowohl geistig als auch nicht zu selten körperlich. Wir zwingen sie in Rollen hinein und wenn sie diese nicht spielen in unserem kleinen Theaterstück des Lebens, dann müssen sie leider wieder ausziehen.

Oder werden halt weiterverkauft.

Interessant, wie das Bild unserer verdreckten und verdorbenen Gesellschaft sich in dem Umgang mit den Hunden widerspiegelt.

Wäre es nicht so traurig, dann würde ich jetzt kopfschüttelnd darüber lachen, mir eine Zigarette anzünden und nachhause gehen.

3 Replies to “Kinder mit einem Willen

  1. Sehe ich nicht nur bei Hunden, sondern allgemein bei Tieren viel zu oft 🙁
    Da hat jemand ein Bild davon, wie er gern ein Tier halten will, und dann wird nicht erstmal dieses Bild mit der Realität abgeglichen und ggf. sich entschlossen eine andere Rasse innerhalb der Tierart oder auch eine ganz andere Tierart zu halten, weil die besser zu den eigenen Wünschen passen würde als die allererste Wunschtierrasse, sondern es muß das Tier sein, was man im Kopf hatte, und bei anderen hat man ja auch gehört, daß es das tut, was man von ihm will, also wird es das bei einem selber auch tun. Daß das Lebewesen sind, die nicht streng nach Anleitung funktionieren, daß es bei den anderen vielleicht eine Ausnahme ist, daß man selber ein Tier erwischt hat, was nicht ganz typisch ist, daß man vielleicht einfach mehr Geduld braucht … viel zu oft egal. Und der Egoismus, mit dem jemand dann das Tier in sein Wunschkorsett pressen will, wird dann auch noch gerne als Tierliebe verkauft.

    Wobei ich denke, daß ein großer Teil dieser Probleme auch daher kommt, daß viel zu viel Infos über Tierhaltung nicht einfach zu bekommen sind:
    schlecht, falsch oder gar nicht informierte vermeintliche Fachleute (egal ob Tierhandlungen, Tierärzte, Tierheime, Züchter, … von allem bekommt man manchmal erschreckende Fehlinfos), Grabenkämpfe in Halterforen im Internet (zu viele, die nur schwarz und weiß sehen, und nicht akzeptieren, daß es neben ihrem Lieblingsweg vielleicht auch andere gute Haltungsaspekte geben kann; und natürlich auch Vorwürfe gegenüber Neulingen, die sich anders oder falsch informiert haben), schöne Bilder aber veraltete oder unvollständige Infos in Ratgeberbüchern, Rassen- und Tierartbeschreibungen, wo viel Wunschdenken mit wenig Realität kombiniert ist (weil es Werbung ist, weil es eine Liebeserklärung an ein Tier ist, …), …
    In diesem Dschungel aus Fehl- und unvollständigen Infos und Pauschalisierungen guten Rat zu bekommen, ist nicht immer einfach, selbst wenn man mit besten Absichten startet.

    1. Würde sich dir die Grundaussage erschließen, wenn du wüsstest, dass ich Textbausteine zufällig zusammen gesetzt hätte? Ich denke nicht.
      Liebe Grüße

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