Schwierig über dieses Thema zu schreiben, ohne wenig galant diverse Füße zu brechen, auf denen ich wohl oder übel herumtrampeln muss. Aber ich meine es nur gut, ehrlich. Eine geraume Zeit lang arbeite ich nun für einen Tierschutzverein und mehr als ein Jahrzehnt lang engagiere ich mich ehrenamtlich.Das ist sehr lange wenn man bedenkt, dass ich noch keine 30 Jahre alt bin. An dieser Stelle hätte ich einen Orden verdient oder zumindest ein Spendenkonto, damit ich endlich in das plastische auffüllen meines vom Stress gezeichneten Gesichtes investieren kann. Aber man kann nicht alles haben. Ich kenne mich gut in den unterschiedlichsten sozialen Schichten aus, kenne die Menschen und sträube mich gegen so manch bedenkliche Bewegung die als Zeichen der Zeit gewertet werden könnte, für mich aber keines ist. Eher ein Zeichen von Blindheit. Wir leben in einer Zeit in der wir gerne alles online teilen, ich teile diese Zeilen mit euch, die AfD ihre Nazischeiße, Frauen ab 50 Bilder mit Teddybären und Hobbytierschützer traurige Tierfotos und Menschenhasssprüche, denen sie mit Wutsmileys zustimmen.

Jeder Spinner hat zu jedem Thema eine Meinung und eine Bewertung, die noch weniger gerechtfertigt ist, als das Zahlen der GEZ.

Man sagt ja der Klügere ist schlauer, aber ich möchte nicht die Butter anderer ungefragt auf meinem Brot haben und ich werde es auch nicht einfach abwinken. Ich nehme das Brot lieber und drücke es zurück in das Gesicht derer, die mir ungefragt die Butter drautgeklatscht haben. Das ist nämlich ziemlich übergriffig und unfair. Leider ist man als Diejenige, die das Brot zurückwirft immer die Böse, weil der Andere sich leicht aus der Affäre ziehen kann. Sieht doch nett aus, jemand der anderen etwas gibt, mehr Geschmack ins Leben bringt. Und hier versteckt sich der Teufel im Detail und der Grund warum es sich lohnt, ganz genau hinzusehen. Mir persönlich ist diese ganze Eiheitsbrei „wir sind alle gleich“ Nummer ein bisschen zu sehr aus dem Ruder gelaufen. Wir leben in ungesunden Normen und Butter bei dir Fische ist aus dem Trend geraten. Über alles gibt es einen YoutubeKanal, wir diskutieren über ein drittes Geschlecht, Toiletten für Leute die sich nicht entscheiden können, Freitags schwänzen alle Schule und Australien brennt ab. Wir verweichlichen wenn es um uns selber geht und werden härter als Stahl, wenn es um die Anderen geht.

Jeder möchte nicht besser und nicht schlechter sein als der Nächste, denn jeder hat das Recht genau so zu sein, wie Alle und Alle sind wie Jeder und wir Alle sind in Allem die Besten.

Und damit es jeder weiß ist es sehr wichtig, es im Internet zu posten. Nehmen wir als Beispiel die Hundeszene. Jeder Zweite weiß was, hat mal was gehört weil sein Hund hier mal Dies und Jenes gemacht hat und überhaupt, er hat seit 20 Jahren Schäferhunde und Opa züchtet Rottweiler. Alle Opas haben irgendwie Rottweiler gezüchtet, meiner war im Krieg. Ich bin eben eine Außenseiterin von Haus aus. Die anderen fliegen auf ihrer Positivwolke ‚Strafe ist so 90er‘ direkt gegen die nächste Mauer und werden dort kleben wie Insekten auf meiner Windschutzscheibe. Wieder Andere verwechseln die Hunde mit Soldaten und misshandeln Tiere unter dem Deckmantel der Erziehung. Doch ehrlicherweise fallen mehr Hunde der Unwissenheit der breiten Masse zum Opfer, die sich als Allwissend tarnt, als den bösen Menschen, die wissen was sie tun. Dieser Schwarm der vermeintlichen Guthundemenschen nervt und erfreut sich ungerechtfertigter Beliebtheit. Eine wissenschaftliche Basis hat das Ganze meist nicht, aber es lässt sich gut und hübsch verpacken und solange die Menschen jubeln, ja, solange heiligt der Zweck die Mittel. Ich sehe Hunde mit Euthanasieempfehlung, die völlig fehleingeschätzt von mehreren Trainern kommen, emotional missbrauchte Menschen die mit ihren Hunden nicht weiterkommen, weil die vertrauensvollen Hände in die sie sich begeben haben ihr Fachwissen leider auch nur aus Facebookgruppen haben. Wisst ihr, solange es gut geht und kein Tier unfair behandelt wird, trainiert wie es für euch passt. Futterbeutel, Clicker, Chakrenausgleich – ihr macht das schon. Nichts ist besser als eine funktionierende Mensch-Hund Beziehung und ein Leben in Harmonie.Tut mir nur den Gefallen, wenn der Clickericlicki den Bello nicht davon abhält den Nachbarsjungen vom Fahrrad zu pflücken und das 20te Video von einer wahnsinnigen Alten, die dir erzählt das Halsbänder Hunde töten irgendwie nicht das Verhalten deines Hundes erklärt oder auflöst, such dir anderweitig Hilfe und gib nicht auf. Und wenn ein Geschirr statt Halsband plötzlich all deine Probleme löst, dann hattest du keine ernsthaften Probleme und ich freue mich sehr für dich, aber bitte mache daraus keine goldene Regel für den Rest der Welt.

Unsere Hunde sind keine Maschinen, sie sind nicht einfach ‚zu konditionieren‘ mit Leckerchen und weicher Stimme, wie Alexa oder andere Geräte.

Sie haben mehr verdient, verkauft sie nicht ständig für dumm. Es gibt keine einheitliche Bedienungsanleitung und würden wir uns einfach wieder mehr unseres Ursprungs und gesunden Menschenverstandens bedienen, dann wären wir wohl im Gleichgewicht. Am Ende ist es wie immer: Macht was ihr wollt – und wenn es ein schamanischer Zauber ist, mit dem ihr eure Hunde trainiert. (Das würde ich übrigens wirklich spannend finden, aber das ist ein anderes Thema.) Aber behaltet ein waches Auge – für euch selber und euren Hund. Ich beobacht die Kampfhundelobbykriege aufmerksam, während einer nach dem anderen über die Klinge geht. Die ganzen XL supersize OEB Staff Pit Krüppel, von denen Videos geteilt werden in denen Atembehinderte lustige Geräusche machen, aber wenn man es ausspricht, dann ist man ein Rassist. Eigentlich richtet sich das gar nicht gegen die Hunde, sondern die Menschen, aber so ist es einfacher unter den Teppich zu kehren. Und da sind wir beim Thema, statt sich einzugestehen einen behinderten Hund erworben zu haben und damit Tierleid zu supporten, wird lieber in die andere Richtung geschossen und in einer angenehmen Lüge weitergelebt. Wenn man seinen Kampfhund als solchen Tituliert ist man sofort ein Prolet – „Kampfhunde gibt es nicht“, brüllt die 0815 Uschi aus ihrer Ecke, aber wenn man die robusten Knallköppe mit Blumenkrone ablichtet und sie Nannydog oder Kampfschmuser nennt, dann ist es total fair. Findest du es auch schön, wenn ich dir ein rosa Kostümchen anziehe und entscheide was du ab jetzt bist, damit du mir besser gefällst und den anderen auch? Wollen wir das mal ausprobieren? Oh und wenn du dann doch tust, wofür wir dich eigentlich gemacht haben, dann nehme ich dir die Blümchen wieder weg. Dann hat Mami dich nicht mehr lieb, wenn du böse bist. Weil sie nicht checkt, dass du nicht böse bist – sondern einfach kein Kuscheltier und kein Kindermädchen. Haben wir irgendwie verlernt uns selbst so zu lieben wie wir sind? Verbieten wir unseren Hunden genau das, was wir uns selbst nicht erlauben können? Schnell wird dann aus „ich würde niemals einen Hund abgeben“ – „ich tue es aus Liebe, damit er es woanders besser hat und weil er meinem Kind ins Gesicht gebissen hat, aber er ist so lieb und wird ein tolles Zuhause finden“.

Am Arsch, meine Lieben. Am Arsch. Der Wind wird sich drehen.

Ich sehe so viel Angst vor der Wahrheit, so furchtbar viel Angst und Frust. Ich garantiere mindestens so souverän wie der Typ aus der Hipp Werbung „Dafür stehe ich mit meinem Namen“, dass sie unglaublich befreiend ist, die Sache mit den Tatsachen und der Wahrheit. Ich bin besser als du und auch schlechter, wir haben das Recht so zu sein wie wir sind und wir müssen nicht gleich sein. Wo wollen wir denn so unbedingt reinpassen? Man kann auch mal Fehler machen, ohne das dadurch jemand anderes besser wird. Der einzige Mensch der daran wächst und dessen Horizont sich erweitert, der bist du selbst. Dafür fällt meist der Applaus weg, aber wer steht schon auf den unehrlichen Krach. Und ich würde jederzeit für dich klatschen! Ich liebe erfrischend ehrliche Vollkatastrophen, das Chaos mit all den bunten Scherben und wenn dann wieder die Sonne scheint, dann glitzert es dir fast das Augenlicht weg. Die Bestürzung über Vieles ist bei Vielen so groß,man geht mit der Masse, möchte was bewegen – aber nur der Finger auf der Tastatur oder die Hand vor dem Mund reichen halt nicht aus. Man muss bei sich selbst anfangen.

Ich glaube es wäre ein krasser Akt der Rebellion, wenn wir alle mal wieder mehr wir selber sein würden, weniger Drama anstreben, so sein wie man eben ist, ohne fünf Anträge beim Rat der Onlinetauglichkeit dafür gestellt zu haben. Denn solange wir uns nicht mehr erlauben wir selbst zu sein, werden wir es auch den Hunden nicht gestatten.

Und das kann’s halt auch nicht sein.

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