Seit Jahren verfolge ich Diskussionen über Hundefutter und stelle fest, dass es dort teilweise härter zugeht, als damals in der Plattenbausiedlung.

Ich habe schon diverse Futtersorten ausprobiert, von Wolfsblut, über Cesar, Happy Dog, Platinum, BARF etc. Ich hatte glücklicherweise noch nie einen Hund, der irgendwas nicht vertragen hat. Nur eine Chihuahuadame, die von Zeit zu Zeit keinen Appetit mehr auf das jeweilige Futter hatte. Da ich es nicht immer für sinnvoll halte, den Hund zu seinem ‚Glück‘ zu zwingen, habe ich also öfter mal gewechselt.

Mir bleibt wortwörtlich die Spucke weg, wenn ich lese, wie Menschen sich aufgrund von Hundefutter bekriegen. Leute werden beschuldigt, ihre Hunde nicht zu lieben und als Tierquäler betitelt, weil sie Trockenfutter füttern. Natürlich gibt es bestimmte Futtersorten, von denen ich auch nicht viel halte, aber niemals würde ich auf die Idee kommen einen Menschen derartig anzugreifen. Woher nehmen wir uns das Recht, andere so scharf zu verurteilen?

Ich habe noch von keinem Hund gehört, der aufgrund einer Futtersorte zu Tode gekommen ist.

Empfehlungen von Tierärzten, die in den Himmel gelobt werden (Provision), Mythen die besagen, dass rohes Fleisch aggressiv macht und vegane Hundeernährung finden viele Anhänger und vor Allem: Fanatiker. Hätte ich es nicht mit eigenen Augen gelesen oder auch schon gehört, würde ich es wohl kaum glauben.

Letztens erzählte mir eine Freundin, dass sie beim Spazierengehen einen älteren Herren traf. Er hatte einen ebenfalls in die Jahre gekommenen Boxer an der Leine, der unter Übergewicht litt. Sie berichtete, dass er ihrem Hund ein Leckerlie angeboten hat. Es war ein Frolickringel.

Nachdem sie ihn aufklärte, dass ihr Hund eine Futtermittelallergie hat, entgegnete er, dass Frolic wirklich gesund sei.

Das sehe ich persönlich jetzt nicht so, aber ich habe mir überlegt, was wohl geschehen wäre, wenn er mit der Aussage an einen Futterkrieger geraten wäre. Ob sie ihn wohl verprügelt hätten oder mit dem Veterinäramt bedroht? Ob der alte Mann dann vielleicht völlig geknickt nachhause gelaufen wäre und sein Erspartes zusammen gekratzt hätte? Und während er so die letzten Cents aus seinem alten Lederportemonnaie fischt, kullert eine Träne über sein faltiges Gesicht, weil er vorher noch nie gehört hatte, was er seinem armen Hund da eigentlich antut. Die Hunde in der Werbung sahen doch glücklich aus und er hatte doch extra noch die Frau im Futterhaus gefragt.Von seiner geringen Rente kann er sich leider nicht viel mehr leisten und zerbricht sich nun den Kopf darüber, wie er seinen Hund besser ernähren kann.

Vielleicht steckt er jetzt in seiner eigenen Ernährung zurück und spart im Alltag, damit er seinem Hund bloß keinen weiteren Schaden zufügt.

Doch wie konnte sein Hund eigentlich so alt werden, trotz der falschen Ernährung?

Und der Futterkrieger? Der sitzt zuhause und berichtet auf Facebook von seiner unfassbaren Begegnung mit einem Tierquäler und erntet  Lorbeeren von den Anderen, dafür, dass er einem Menschen ein unfassbar schlechtes Gefühl vermittelt hat, der absolut nichts Böses im Sinn hatte.

Mir geht es nicht darum mich hier für oder gegen eine bestimmte Futtervariante auszusprechen, ich möchte nur daran erinnern, dass es neben unseren Hunden auch noch Menschen gibt.

Die haben auch Gefühle. Wenn ich beim Amazon Futterberater meine Kriterien eingebe, spuckt er mir wieder und wieder Pedigree als ersten und besten Vorschlag aus. Ersthundehalter nutzen sicherlich solche Tools, nicht weil sie ihren Hunden schaden wollen, sondern weil sie eben das Beste wollen. Woher sollten sie es denn auch besser wissen? Sie versuchen doch sich zu informieren. In dem ganzen Werbewirrwarr wird man doch wahnsinnig. Ich könnte wetten, dass jeder zweite Hundehalter eine andere Meinung vertritt. Und jeder Dritte meint, seine Lösung wäre die einzig wahre. Es gibt Straßenhunde, die fressen Alles und manchmal auch Nichts, den meisten geht es trotzdem gut. Von Essensresten, über Müll und allem Anderen, was die Straße so zu bieten hat.

Ich möchte auch noch mal darauf hinweisen, dass es sehr viele Menschen gibt, die unter Hunger leiden und sich sicher sehr über eine Tüte Frolic freuen würden. Das finde ich etwas dramatischer.

Ich kenne auch Hunde, die vegan ernährt werden, keiner von ihnen ist krank oder sieht schlecht aus. Ob ich das genauso machen würde? Nein. Aber muss ich deswegen jetzt meine Freunde an den Pranger stellen, weil ich es vermeintlich besser weiß? Nope. Ich trinke lieber ein Glas Wein mit Menschen, die ich lieb habe und nicht verletzen möchte. Und von denen ich weiß, dass sie ihre Hunde lieben.

Man sagt zwar, dass man nicht von Luft und Liebe leben kann, aber ich denke beides, ist eine gute Grundlage.

Und ein FrolicBARFGemüse – was auch immer fütternder Hundehalter, der seinen Hund liebt ist mir in jedem Fall lieber, als ein fanatischer Mensch der mit Wut und unfairen Anschuldigungen gegen andere Menschen wettert. Da frage ich mich, wie er wohl seinem Hund gegenüber tritt, wenn der mal was ‚falsch‘ macht. Oder sich nach dem Essen nicht die Zähne putzt.

Kommt mal runter von eurem Hohen Ross aus hochwertigem Futter! Und hinterfragt vielleicht das nächste Mal zuerst, ob die Hasstirade jetzt wirklich notwendig ist. Oder schenkt den Menschen, von denen ihr meint, sie wüssten nicht was sie tun doch einfach mal eine Futterprobe eures geheiligten Futters. Da wäre es vielleicht gut, wenn das Kilo keine zwanzig Euro kostet, denn nicht jeder hat einen Goldesel im Keller. Und ja, man darf trotzdem Hundehalter sein.

Was soll ich sagen, habt euch mal wieder mehr lieb!

 

Ihr wisst ganz genau was ich meine und möchtet euren Senf dazu geben? Sagt’s mir in den Kommentaren oder schreibt einen Liebesbrief an elenaiva@anders-hund.de

6 Replies to “Der Wahnsinn um das Futter der Hunde

  1. Ich hatte mit Anton nach seiner Kastration das Problem, dass er sein BARF nicht mehr fraß. Nicht, dass ich es nicht verstehen konnte (bah!) oder böse drum war (is ja nich mal eben schnell gemacht..). Aber ich musste mich wieder auf die Suche nach neuem Futter machen, dass MEINER Meinung nach gut für den Hund und gut für meine Geldbörse ist. Nachdem ich mir damals als Neu-Hundehalter immer wieder hab sagen lassen, was denn für den Hund am Besten ist, weiß ich das inzwischen einfach selbst besser oder bilde mir das zumindest ein..

    Nachdem ich dann ein bisschen rum gegoogled hatte, stand die letzte Abendgassirunde mit Anton an. Da gehe ich auch gern mal auf den Hundeplatz – weil wegen da is ja kein Schwein mehr. Da war aber doch eine. Mit einer netten Hündin. Und Anton im Himmel. JUHU!

    Wir Menschen haben uns auch echt gut unterhalten und irgendwann dachte ich “ok, jetzt wagst du es.. stell DIE Frage!”

    Ich also: “Sag mal, was fütterst du eigentlich?” Ich schwöre – die hat ihr komplettes Gesicht verloren. Das lächelnde, leicht wegen der kälte gerötete Gesicht wurde kreidebleich und verlor jegliche Regung. Und dann die Stille. Im Grunde war es keine Stille, weil man den inneren Kampf gehört hat. Vertraut sie mir genug, um mir diese Frage zu beantworten? Immerhin habe ich eine Frage gestellt, die ungefähr die gleichen Reaktionen herauf beschwört wie “schlägst du dein Kind” oder “zündest du gern kleine flauschige Kaninchen an?”. Mit dem kleinen Unterschied, dass man bei diesen beiden Fragen nur eine falsche Antwort geben kann und bei meiner Frage um die 150.000.000.

    Irgendwann kam dann ein leises zartes “real nature Nassfutter” aus ihrem Mund. AHA! Ich machte also den Eindrück, als würde ich nicht gleich meine Mistgabel aus der Hosentasche ziehen und sie bis ans Ende von Hamburg jagen (vielleicht hat sie auch ausgerechnet, dass sie schneller wäre als ich.. JEDER ist schneller als ich).

    Als ich dann auch noch sagte “COOL! Das steht bei mir auch ganz oben auf der Favoritenliste” war plötzlich alles wieder in Ordnung. Die Farbe im Gesicht kam zurück, das Lächeln, die Worte.

    Nachdem wir uns dann noch ein paar Minuten ausgetauscht hatten, ging ich nach Hause. Zuerst war ich glücklich, dass wir uns so gut unterhalten hatten. Zu Hause angekommen waren meine Gedanken aber weiter gewandert zu der Frage, was genau passiert, damit die Menschen auf eine einfache Frage so reagieren. Die Antwort ist ganz einfach: Hass. Als Hundehalter schwingt dir so viel Hass entgegen teilweise. Und das meiste davon kommt nicht von Menschen ohne Hund. Nein, es sind meistens die mit Hund, die alles besser wissen. Und anstatt andere zu bereichern und ihnen Tipps zu geben, wird ihnen gnadenlos die eigene Meinung und das eigene Halbwissen aufgedrückt, bis sie bewegungsunfähig in den Boden gestampft sind. Dann tritt man nochmal oben drauf und der andere hält definitiv die Klappe. Wär ja auch ne Frechheit, wenn das eigene Halbwissen in Frage stellen werden würde.

    Ich bin also ebenfalls definitiv für mehr Liebe. Leben und Leben lassen. Und sorry falls das jetzt so lang geworden ist, aber löschen tu ich das jetzt nicht mehr 😀

    1. Marie, Marie und ich sind begeistert von deinem Kommentar und damit meine ich die Marie, die diesen Blog hier schreibt und nicht dich und mich. Das musste ich kurz so ausführlich erklären, weil man mir sicher zutrauen würde, dass ich dich und mich meine. (Lachsmiley) Wir überlegen, ob wir deinen Kommentar nicht auf Facebookteilen, da er den Nagel so wunderbar auf den Kopf trifft!
      VIELEN VIELEN DANK! HERZ!

    2. Das Gefühl kennt wohl jeder mit Hund: Endlich hat man etwas gefunden was einem halbwegs erschwinglich für das Leben des Hundes und die eigene Geldbörse vorkommt und dann muss man sich schon wieder was Neues suchen. Man weiß genau, der Spießrutenlauf geht von vorne los, denn fragen kann man ja keinen bei den vielen halben Ernährungsberatern da draußen. Und trifft man dann mal auf jemanden, der eigentlich kein Futter-Nazi ist, traut man sich nicht mehr. Die Story spricht mir aus der Seele.

  2. Mein Hund bekommt was er frisst, ich hab einen von der mäkeligen Sorte, der pult auch die braunen Kroketten aus dem braunen Hundefutter wenn die für nicht ganz koscher hält. Ich hatte mal eine Hundetrainerin, die gesagt hat, schlechte Fresser erzieht man sich, das mag stimmen. Aber ich bin davon überzeugt er mag gewisse Sachen einfach nicht, ich ja auch nicht. Hungern lassen bis er sich das Zeug endlich mal rein zwängt finde ich auch total doof. Der Gute ist im Gegensatz zu seinen Rassekollegen nämlich etwas zu dünn, ein Sport- und kein Sofadackel eben.
    Der zweite, sein Kollege, der Blitz, macht seinem Namen alle Ehre, der inhaliert blitzschnell alles was nicht bei 2 aufgehoben ist. Der gönnt unserer Schildkröte nicht mal ein Salatblatt, bei dem muss man sich keine Sorgen machen, also bekommt er das, was der andere aussucht.
    Sie sind quietschfidel, haben gute Zähne und auch sonst holen wir uns jedes mal beim Tierarzt ein Lob ab. Es gibt Leckerli, bei Oma stauben sie Nudeln oder ein bisschen Wild ab und wenn mal das Futter schneller leer ist, als es sollte, tut es ausnahmsweise auch das Wurstbrot.
    Es gibt also eine Menge besser zu machen, aber irgendwie sind alle zufrieden mit dieser Lösung, also wieso nicht?

    PS: ihr schreibt viel witziger als ich gedacht habe, Cosmo’s Story ist super spannend und ich warte jetzt jede Woche sehnsüchtig auf eine neue Folge, wie bei meiner Lieblingsserie 😱
    Danke dafür! 😊

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