Elena & Ilva & Buri

 

“Oh mein Gott, Ilva, Nein! Man!”

Moin, ich bin Elena Iva.

Dieses Jahr werde ich 27 Jahre alt und lebe gemeinsam mit meiner Wolfshündin und dem Dobermann in Hamburg.
In meinem früheren Leben war ich Agenturmensch und im sozialen Bereich tätig, bis ich beschlossen habe meiner Berufung zu folgen und Tada: Hier bin ich.

2014 schaffte ich mir, neben meiner Chihuahuahündin, meinen ersten eigenen großen Hund an.
Er sollte mich beschützen und gut gehorchen. Bei Wikipedia stand, dass ein Dobermann eine gute Wahl wäre.
Auf Ebay Kleinanzeigen fand ich einen roten Dobermannrüden und so zog Cosmo wenige Wochen später bei mir ein.
Ich hatte nicht nur keine Angst mehr vor die Tür zu gehen, sondern auch ganze Hundewiesen für mich alleine.
Dieser kleine, kränkelnde Welpe entpuppte sich als Überraschungstüte des Grauens,
die ich von ganzem Herzen liebte.

Von Hundekot in meinem Briefkasten, über Beleidigungen, Schuldzuweisungen,
Wohnungskündigungen und einer bunten Palette an Hundetrainern, erlebte ich wie es ist, mit einem verhaltensauffälligen Hund in der heutige Gesellschaft zu leben.
(Cosmos ganze Geschichte findet ihr bei den wildthings).

Das Bild der modernen Hundehaltung in der Gesellschaft ist Einseitig und mit unfairen Erwartungen behaftet.
Wir vermenschlichen den Hund so sehr, dass die Natur des Tieres plötzlich zu Fehlverhalten wird, dem auf die kuriosesten Weisen entgegen gewirkt wird.
Schaut man in eine Hundegruppe auf Facebook rein, gleichen die Threads Austragungsorten von okkulten Religionskriegen.
Mein Herz schlägt für die Querulanten, die Nachts-Gassi-Geher und die Verurteilten.
Ich bin für mehr Miteinander und Verständnis, zurück zum Ursprung und weg vom Einheitsbrei.

“Einen Latte Macchiato mit Skinnymilk bitte, mein Name ist VOM Dreiburgenblick.”

Ilva hatte mehrere Vorbesitzer, diverse Jagderfolge, war wegen Sachbeschädigung angeklagt, hatte einen Hund schwer verletzt und galt als unverträglich mit Artgenossen.
Ihr Strafregister war lang und somit fiel sie genau in mein Beuteschema.
Nachdem sie verstand, dass sie meine Chihuahuahündin von der Todesliste entfernen muss, wenn sie bei mir einziehen möchte, wurde sie zum wolf in the city.
Bis zu Cloés Tod wuchsen die Beiden fest zusammen und aus Ilvas beliebter Beute wurde ihre beste Freundin.

Ilva ist ein elfengleiches Wesen mit sehr, sehr, langen, spitzen Zähnen.
Diese setzt sie gerne ein um Dinge zu zerstören, die mir wichtig sind.

Ihre menschlichen Fans liebt sie, solange sie sich ein wenig auf sie einlassen und keine unnötigen Diskussionen anfangen. Da hat sie nämlich keinen Bock drauf und wozu sollte sie sich damit stressen? Sie braucht am Ende des Tages nur sich, mein Bett und ich glaube mich mag sie mittlerweile auch ganz gerne.

Ilvas Hundefreunde dürfen mit hundertprozentiger Loyalität rechnen, ihre Feinde hingegen mit 30kg Kampfgewicht und der Attitude eines Wildschweines.

Sie ist gezwungenermaßen passionierte Maulkorbträgerin und Jägerin mit Leidenschaft. Ob kleines Kind oder Huhn, ob am Himmel oder in der Hölle, sie sieht es und sie will es haben.
Sie kann Türen und Fenster öffnen und ich bin sicher, zur Not springt sie auch durch die Scheibe oder zündet halt das ganze Haus an. Wir arbeiten daran.
Wenn man erst mal in ihrem inner circle ist, kann man bei vollster Rückendeckung mit ihrer schonungslosen Ehrlichkeit rechnen.

”Ey Keule, glotz meine Frauen nicht so an oder ich breche dir deine Nase”

Buri. Wäre er ein Mensch, dann wäre er wohl der Türsteher, der wirklich keinen Ärger machen möchte und dir stundenlang zuhört, während du ihm betrunken deine Lebensgeschichte erzählst. Wer legt sich auch schon mit einem großen, breit gebauten Typen an, der dich allein mit seinem Blick gegen die Wand klatschen kann? Doch das ist noch lange nicht alles, was Buri kann. Denn eigentlich ist er ein total niedlicher, junger Rüde der bisher mit keinem Artgenossen ein ernsthaftes Problem hatte und einen kühlen Kopf bewahrt. Auch wenn die halbstarken mal Stress machen, lässt er es einfach an seinem klotzigen Körper abprallen und fordert den nächsten zum Spielen auf. Außerdem ist er Ilvas große Liebe. Der coole Typ, mit dem Herz am rechten Fleck. Wer wird da nicht schwach?

Doch auch der coolste Typ, verliert mal die Fassung und so landete Buri im Tierheim. Er wird schon mal grummelig, wenn er nicht genau weiß worum es geht und man ihm zu sehr auf die Pelle rückt. Außerdem hat er seinen Zweibeiner gerne im Blick. Und zwar 24/7. Da ich auch ohne Personenschutz duschen gehen kann und die Welt gar nicht mehr so unheimlich ist, wenn man sich nicht die ganze Zeit um die Sicherheit der Familie kümmern muss, arbeiten wir daran. Er darf der Türsteher bleiben, der er ist, aber das letzte Wort hier, habe immer noch ich. Das ist für alle angenehmer.

Er tobt für sein Leben gerne mit Ilva durch die Wohnung, über die Wiesen und direkt in den siebten Hundehimmel. Menschen sollten lieber nicht mit ihm toben und generell besser die Ruhe bewahren, denn das muss Buri auch noch lernen.

Seinen überdimensional großen Kopf knallt er gerne grazil auf meinen Schoß und kann so minutenlang verharren, bis er endlich seine Streicheleinheiten bekommt. Man kann ihn zwar wegschicken, darf sich dann aber nicht erschrecken, wenn man sich nach dreißig Minuten umdreht und er dort bewegungslos steht und traurig aus der Wäsche schaut. Hat er mich wirklich die ganze Zeit angestarrt? Ja. Hat er. Er ist ja höflich und möchte gar nicht so aufdringlich sein, aber es ist noch so schwierig, sich einfach entspannt hinzulegen, es könnte ja sonst was passieren.

Dobermanntypisch überhört er kein Geräusch im Treppenhaus und verbellt Fliegen, wenn sie zu nah am Fenster vorbeifliegen.

Es liegt jetzt an mir ihm die nötige Sicherheit zu geben und behutsam das Ruder zu übernehmen. Dann kann ihn nämlich nichts mehr so schnell aus der Fassung werfen und Buri wird der souveränste Kerl auf dem Kiez.

Bekanntlich sind ja alle guten Dinge drei und ich bin sehr glücklich darüber, dass sich unsere Wege kreuzten. Wir können viel voneinander lernen und ich freue mich auf unseren gemeinsamen Weg.

Elena Iva Čujić