Diesen Artikel schreibe ich inspiriert durch eine Konversation mit einem Mann, den ich im Folgenden einfach mal Lionel nenne.

Mir war noch vor dem Start vom Andershund bewusst, dass ich nicht mit vielen Fans oder Befürwortern rechnen kann. Ebenso war mir klar, dass viele Menschen ihren wenig konstruktiven Senf ungefragt auf meine Currywurst klatschen werden. Vor allem aber nach den dramatischen Bildern des verbogenen Maulkorbes hagelte es kritische Kommentare, feindliche Nachrichten und Zweifel kamen auf, ob ich vielleicht meine Hunde nicht erziehen kann. Wie kann denn sowas sonst passieren? Fahrlässig! In den letzten Kommentaren fielen Aussagen, dass man Hunde die so unverträglich, aggressiv und bissig wie meine wären, nur mit sozial absolut sicheren Hunden zusammen laufen lassen sollte. Ich würde mir angeblich widersprechen und einiges wäre doch sehr fragwürdig. Ein Kettenhalsband mit einem Karabinerhaken…tztztz. Und warum überhaupt ein Kettenhalsband? Wo doch heute jeder weiß, dass ein Brustgeschirr das einzig wahre sei.

Ich bin mir nicht sicher, ob meine Botschaft verschlüsselt ist oder der Name des Blogs falsche Versprechungen macht, aber Alice mein Schätzchen, wir sind hier nicht im Wunderland.

Ich würde meinen Hunden Gewalt zufügen und wäre unentspannt, es ging soweit, dass Lionel in unserem Gespräch auf Cosmo anspielte. Er selbst bildet nämlich schon seit vierzig Jahren (Mensch Lionel, du könntest mein Opa sein) DDR Schäferhunde und sogar Wolfhunde aus. Auch ein Youtube Video empfahl er mir. Denn meine Erfahrungen basieren doch offenbar auf Hunden, die ich versaue, die mir um die Ohren fliegen und dann im Tierheim sterben müssen.

Noch bevor die Klinge seines Messers meinen Rücken traf, brannte mir dieser Artikel in den Fingerspitzen.

Echt jetzt, Lionel? Meinst du, wenn du Salz in meine Wunden streust, werde ich dich Daddy nennen, mich auf deinen Schoß setzen und du erzählst mir die Geschichte von dem durch ein Halsband verursachten Wirbelsäulenschaden? Du meldest mich dann für die Seminare an, von denen du glaubst, sie würden mir gut tun und Buri und Ilva spielen nur noch mit sozial absolut sicheren Hunden?

Vergiss es Lio, ich setze mich nicht auf deinen Schoß und ich habe dich nicht nach deiner Meinung gefragt. Und auch der Leinenruck hat meine Hunde nicht aggressiv gemacht. Ob du es nun glaubst oder nicht. Wenn ich über Leinenrucks diskutieren möchte, dann sage ich das. Wenn ich Anregungen zu speziellen Trainingsmethoden haben möchte, dann frage ich nach. Das hier ist nicht Diskussionshund. Und schon gar nicht Verurteilungshund. Ich schreibe einen ehrlichen und offenen Blog und ermögliche tiefe Einblicke in die Arbeit mit meinen und anderen Hunden.

Ich freue mich über jeden Hundehalter, der sich in meinen Texten wiederfindet, mal ausatmen kann und sich nicht mehr so unfassbar Anders fühlt.

Mit Kritik kann ich leben, für Anregungen bin ich durchaus offen, aber der Ton macht die Musik. Und ich entscheide selbst, wie ich mit meinen Hunden arbeite. Wer ein Halsband für Tierschutzrelevant hält, darf nun gerne den Raum verlassen und stillschweigend von dannen ziehen.

Mir persönlich ist es nämlich vollkommen egal, ob ein Hund ein Halsband, zusammengeflochtene Schnürsenkel oder ein Brustgeschirr trägt. Solange es Hund und Halter gut geht, habe ich keinen Einwand. Wenn aber mein Telefon klingelt und die verzweifelte Halterin eines Hundes schildert, wie sich dieser zum wiederholten Male aus dem Geschirr wandte, um einen kleineren Hund zu verletzen, dann habe ich einen Einwand. „Vielleicht hat das Geschirr einfach nicht gepasst“, vielleicht näht die Risse in der Haut des kleineren Hundes das nächste mal niemand mehr zu. Vielleicht überlebt der nächste kleine Hund die Attacke nicht. Vielleicht sichern wir diesen Hund einfach mit einem Halsband und schließen aus, dass es zu erneuten Vorfällen kommt. Es klingt verrückt, aber nicht jeder unserer Hunde möchte uns ums verrecken gefallen und lebt ausschließlich für unser Lob. Nicht jede gelobte Verhaltensweise wird sich etablieren und alles Negative verschwinden lassen.

Ich schreibe diesen Blog weil ich die Schnauze voll vom unter den Teppich kehren habe, von all den „sozial absolut sicheren Hunden“ oder besser gesagt, ihren Haltern, die Raufergruppen für höchst gefährlich halten. Was sie sicher sein können, wenn sie von jemanden geleitet werden, der Brustgeschirre auf einem Schrein im Hinterzimmer lagert.

Ich schreibe diesen Blog für meine Hunde. Für alle Hunde, die nicht in euer Schema passen.

Für die Hunde, denen ihr gegenüber zu feige seid, sie als das zu akzeptieren, was sie sind. Hunde. Hunde mit eigenem Charakter. Ihr schiebt es auf Halsbänder, auf Trainingsmethoden, auf unfähige Menschen, auf alles was ihr finden könnt, nur um euch nicht einzugestehen, dass ihr mit den harten Jungs und Mädels einfach nicht umgehen könnt. Und es müssen ja nicht mal die Harten sein, sondern jeder Hund, der nicht „sozial absolut sicher“ ist. Jeder Hund, der sich wie ein Hund benimmt. Der Maulkörbe verbiegt, der sich mal prügelt, der an der Leine zieht, der knurrt und bellt.

In der sozial absolut sicheren Welt da verbiegen keine Maulkörbe, da ist vollkommen klar, dass intakte Rüden nicht mit intakten Rüden können. Da könnte ja was passieren und vielleicht wird ein Leckerchen dann nicht helfen, um die Gemüter zu beruhigen. Sozial absolut sichere Hunde, das wollt ihr. Und alle Hunde die nicht so sind, die haben bloß gelernt zu „fighten“, wie Lionel sagen würde, alles die Schuld der Menschen. Denn verhalten wie ein Hund, das dürfen unsere liebsten Kampfschmuser und Fellnäschen nicht.

Und wenn dann der tausendste Hund im Tierheim landet, weil wieder mal jemand zu feige war Grenzen zu setzen und der Waldi jetzt das Sofa verteidigt, dann fragt keiner mehr nach.

Vielleicht wollte Waldi nicht für ein „fein gemacht“ oder „Leckerchen“ das Feld räumen, vielleicht wollte Waldi jemanden der den Mut hat, die Verantwortung zu tragen. Der den Mumm hat, auch mal Nein zu sagen. Damit Waldi jemanden hat, an dem er sich orientieren kann. Vielleicht scheißt Waldi einfach auf sein Brustgeschirr und Wurststücke.

Was soll ich sagen, ich bin wohl kein sozial absolut sicherer Mensch. Das Schreiben eines Blogs verpflichtet mich nicht, persönliche Angriffe und Anfeindungen zu ignorieren und klein bei zu geben. Genau deswegen schreibe ich ja. Ich akzeptiere andere Denkweisen, ich akzeptiere alle Trainingsmethoden die nicht Tierschutzwidrig sind und zum gewünschten Erfolg führen. Solange Waldi nicht am Ende im Tierheim sitzt und als „Beißer“ gilt, weil ihm nie jemand den Weg gezeigt hat. Weil die vermeintliche Gutmütigkeit aus ihm einen grenzenlosen Rowdy geschaffen hat. Ich akzeptiere auch keinen Balljunkie, der jetzt bei der kleinsten Bewegung durchdreht, weil wieder mal jemand nicht den Arsch in der Hose hatte, seine eigenen Fehler auszubügeln. Ja, meine Hunde kloppen sich mal, sie toben in Raufergruppen, sie knurren, sie beißen, sie haben sich unfassbar lieb und dürfen kommunizieren. Manchmal sind sie total drüber, mal lammfromm. Wie traurig für sie, dass sie, sie selbst sein dürfen.

Wie unfassbar unfair, dass ich klare Grenzen setze, ohne sie zu behandeln wie Zirkusaffen, die nur für ein Stück Futter zu mir kommen. Die immer nur gelobt werden, wenn sie was gut machen und nicht lernen dürfen, was falsch ist. Nur weil jemand nicht versteht, dass auch Hunde es verdient haben, dass man ihnen mal sagt wann Schluss ist. Auch Hunde dürfen austesten, sie brauchen Zeit. Sie sind wie sie sind.

Ich habe kein Problem mit meinen Hunden, ich habe ein Problem mit dem Bild des Hundes in unserer Gesellschaft.

„Sozial absolut sicher“ – mein Magen dreht sich.

Für mich ist Lionel’s sinnbildlicher Leinenruck härter als jeder Ruck, den ich je in einer Orientierung gesetzt habe. Es ist genau der Ruck, den wir nicht mehr brauchen. Es sind die Leinenrucke, die Menschen zum schweigen bringen, die es erlauben, dass man als Tierquäler hingestellt wird, weil man dem Bello mal einen Metallnapf vor die Latschen knallt, wenn er im Begriff dazu ist, Nachbars Katze zu fressen. Da sperrt man ihn lieber weg, weil man nicht weiß wofür man ihn loben soll, während er die kleine Minki frisst. Wäre doch fies wenn Bello sich frei bewegen könnte, tun und lassen was er will und man ihm ab und zu klar und deutlich sagen müsste, dass man Katzen nicht fressen darf. Wenn man Grenzen setzt, in deren Rahmen er sich frei bewegen kann.

Menschen untereinander haben verlernt ihre Standpunkte klar zu vertreten, wie sollte man es dann seinem Hund gegenüber können? Wenn man doch alles Schlechte wegignorieren kann?
Es ist ja viel einfacher, am Ende fragt sich nur für wen.

Und zwischendurch unterzeichnet man eine Petition, um den armen Chico zu retten. Nach wie vor warte ich auf all die Retter, ich habe ein buntes Bouquet an Hunden parat, die auf ihren ganz persönlichen Retter warten. Tag für Tag. In Deutschland sitzen tausende Hunde in Tierheimen in Einzelhaft, die auf einen Menschen warten, der sich ihnen annimmt. Die Aussortierten, die leider nicht sozial absolut sicher waren. Die, mit denen man rausgeht und nicht freudestrahlend auf Hundewiesen empfangen wird.

Die, die einen Maulkorb tragen. Die, die nie lernen durften, wann Schluss ist.

Am Ende des Tages sind es einfach Hunde.

Auch wenn ich mit einem Artikel nicht das komplette gesellschaftliche Bild verändern kann, habe ich die Schauze gestrichen voll davon einfach nichts zu sagen. Es hinzunehmen wie es ist. Denn die Zahl der „Aussortierten“ steigt, noch immer gucke ich fast tagtäglich in die von Mitleid verzerrten Gesichter, wenn ein Hund einen Maulkorb trägt. Noch immer ist die erste Frage:“ Hat der schlechte Erfahrungen gemacht?“.

Und ja das hat er, denn er durfte nie erfahren wie es ist, an einen Menschen zu geraten, dem er nicht über den Kopf wächst. Der Verantwortung trägt und versteht, dass Hunde nicht nur Stöckchen holen und sich lieb haben.

Ich liebe Hunde und ich liebe Menschen. Und es wäre schön wenn wir alle so langsam die Zeigefinger senken könnten und uns stattdessen die Hände reichen und endlich miteinander arbeiten und nicht gegeneinander.

Wenn wir den Hund wieder Hund sein lassen und lernen ihre Sprache zu sprechen, anstatt zu erwarten, dass sie in unser erfundenes Bild eines Haustieres passen.

*der Name Lionel ist frei erfunden. Die Kommentare vom wahren Lionel unter dem Maulkorbpost habe ich gelöscht, um niemanden bloß zu stellen.

Ps. Ich esse meine Currywurst nicht mit Senf.

41 Replies to “Lionel‘s Leinenruck und der verbogene Maulkorb

  1. An all die Lionels und die Uschis dieser verkorksten Hundegesellschaft:
    Ich bin ein grosser alter Mann und sozial nur genauso begrenzt kompatibel wie meine Tölen und ich bezeuge hier und jederzeit, dass dieses halbernährte kleine Weibsbild mit seinen schlaksigen Kötern mehr Eier in der Hose und mehr Rückgrat unterm Kopf hat als Ihr Euch kollektiv wachsen lassen könntet. Amen.

  2. Phänomenaler Post. Genauso ist es. Dieses “Problem immer am anderen Ende der Leine” kann ich auch nicht mehr hören. Hunde brauchen klare Grenzen, denn so funktionieren sie seit Urzeiten in ihren Rudeln. Und wie beim Menschen auch gibt es auch dort den netten, schlauen und folgsamen, aber auch den Arschloch, ignoranten oder sehr schwer kontrollierbaren Hund.
    Was das richtige Mittel zur Erziehung und zum führen des Hundes ist muss ganz individuell entschieden werden.

  3. DANKE – DANKE – DANKE – jedes Wort könnte von mir sein. Hunde müssen Hunde sein dürfen mit allen Kanten und Macken. Ich hatte schon immer eine relativ große Meute, 22 franz. Meutehunde in Spitzenzeiten, heute sind es noch 13 Galgos und Meutehunde bunt gemischt. Sie alle leben relativ autark auf meinem Gelände, können Tag und Nacht über Hundeklappen raus. Sie teilen mein Wohn- und Schlafzimmer mit mir, brauchen mich aber nur für das Futter und natürlich endlos Schmusen. Sie leben alle sehr friedlich miteinander, was aber nicht heißt, dass es nie Diskussionen und Rangeleien gibt. Ein Hund muss kommunizieren dürfen, auch knurren und bellen, alles andere wäre leider menschlich, weil wir es nicht mehr aushalten, dass man sich auch mal schonungslos die Meinung sagen darf. Und bevor es zu Schäden kommt, muss ein Mauli zum Einsatz kommen, das schont andere Hunde und Menschen. Wer das nicht einsieht und seinem Hund keine Grenzen setzt, ist für mich das Problem, nicht sein Vierbeiner.
    Hunde wie Kinder brauchen Grenzen, nur dann können sie glücklich sein. Hunde sollen nicht die Verantwortung für den Menschen übernehmen, das macht sie zu verhaltengestörten Wesen, die siehe auch wieder Tierheim.
    Es wäre schön, wenn viele Hundehalter diesen Artikel verinnerlichen würden und nicht, weil sie zufällig eine pflegeleichte Fußhupe haben, Weisheiten absondern, die niemand braucht.
    Ich weiß, Mehrhundehalter haben keinen leichten Job in unserer Gesellschaft, und deshalb liebe ich in erster Linie Hunde und nur noch eine Handvoll Menschen!
    Weiterhin alles Liebe und Gute und viele Grüße aus der Eifelmeute
    Inge Bassi

    1. Liebe Inge,

      vielen Dank für deinen Kommentar.
      22 Franzosen, das stelle ich mir richtig cool vor. So eine Meute ist schon was schönes.
      Ich bin selbstverständlich bei dir, in dem was du sagst.
      Herzliche Grüße aus dem hohen Norden

  4. Sehr Geil geschrieben, Bravo… Als Mini Bullterrier “Besitzer” fühle ich mich von diesem Text sehr angesprochen und weiss genau was sie damit meinen… 😉

  5. Punktlandung……
    Spricht mir pers. genau aus den Tiefen der Seele….
    Darf 2/grantige Vertreter im Tierheim betreuen…mit Menschen ein Traum…andere Tiere müssen nicht sein…
    Hab die jetzt im 3. und 4. Jahr…..und 100/Trainer die alles können und wissen…aber keiner traut sich ran oder kennt die wahre Geschichte zu den Hunden…

  6. Da reiche ich dir mal die Hand und ziehe den Hut!! Perfekt geschrieben was wir Trainer tagtäglich erleben. Zum Glück denken viele Halter/ Kunden um, ist ihnen ein Hund, der sie überall hin begleiten kann, da er seine Regeln kennt, es wert, mal die Ärmel hoch zu Krempel. Und das nicht um im Leckerli Beutel zu wählen. Traumatisierte Gespanne von “non verbal ausschließlich positiv Verstärker Kollegen, rufen regelmässig um Hilfe. Ich gebe nicht auf, dieser Artikel gibt wieder Ansporn. Danke dafür…
    Es grüßt Susanne, Arschkrampenliebhaberin

  7. Blogs wie der Deine sind eine Wohltat in der heutigen Zeit.
    Besonder für Menschen, die auf der Suche sind, aus welchem Grund auch immer.

    Danke dafür!

    Herzlich

    Johanna-Merete

  8. Super Text.
    Wirklich.
    Andere kritisieren ist dazu auch immer leichter als es selbst besser zu machen.
    Und ich beneide den “freien” Labrador der bei jedem anderen Hund vor “Freude” ausflippt auch nicht.
    Stattdessen gehe ich mit meinen angeleinten Schäferhunden, von denen einer eben einfach keine andere Hunde mag für mich spazieren und freue mich an der Ruhe.
    Und dazu gehört eben auch das die Hunde wissen das ich für Ruhe Sorge. Das Pöbeln nicht erlaubt ist, ich sie umgekehrt aber auch Schütze.
    Und sie danken es mir.
    Wer es anders machen möchte – bitte.
    Ich weiß was ich für einen Schaden anrichten würde, wenn ich meinen Hunden keine Orientierung biete.

    Du schreibst einen tollen Blog und ich finde dich und deine Hunde unfassbar bewundernswert. Ich glaube ich könnte von dir noch sehr viel lernen.

  9. Ich bin so bei dir…
    Ich treffe mindestens ein mal pro Woche die, die gerne hören würden, dass Schlamuzzle schlechte Erfahrungen mit Menschen gemacht hat…
    Ich zitiere:
    “Oh… mit Maulkorb… der arme… musser den wirklich tragen? … der hat bestimmt ganz schlimme Sachen erlebt…“
    Wenn ich dann sage, dass das Problem ist, dass er eben genau nichts erlebt hat und einfach mal drei Jahre lang alles alleine entscheiden musste, sind sie ein bisschen verwirrt oder auch enttäuscht.
    Nach drei Jahren verliere ich auch so langsam den Bonus dafür dass Schlamuzzle noch nicht seit Welpen Beinen bei uns ist (paradox, wenn ich so drüber nachdenke…)
    Und auch die Damen und Herren die seit 100 Jahren Hunde halten/ trainieren kenne ich gut.
    Bestimmt ist man hinterher manchmal schlauer und manchmal hätten Dinge anders und vielleicht sogar besser laufen können. Aber als außenstehender und emotional unbeteiligter im nachhinein zu schlaumeiern ist ebenso leicht, wie es unnötig ist.
    Ich bin froh, dass ihr hier so ehrlich schreibt.

    Ganz viele grüße
    Judith und ihr Schlamuzzle

  10. Ey. Danke. Ich habe jahrelang versucht, nur gut umgesetztes Positivtraining anzuwenden. Mich geschämt für aggressive, knackige “Aussetzer” meinerseits. Mich gewundert, dass meine “rein positiven” Tipps nicht zum Erfolg führten, sondern nur zur situativen Verbesserung.

    Darüber bin ich nun seit einiger Zeit hinweg. Meine Hunde haben keinen Bock auf Ärger mit mir, lassen sich deshalb im Zweifelsfall lieber belohnen als anraunzen.

    Wir sind wieder 100%. Mit Macken und Knurren und Freude. Wir leben.

  11. Unser Hund trägt einen Maulkorb sogar mit Stolz. Er ist schon mal vergiftet worden usw. Das als erstes. Lucky ist ein Mix aus Retriever und Border Collie. Diese Mischung sagt alles. Nach anfänglichen Problemen haben wir eine gute Lösung gefunden das wir alle gut zusammen Leben können. Er wird als unser Hund aquzeptiert, er darf auch mal brummen und knurren und seine Meinung uns kundtun. Es läuft wunderbar.

  12. Vielen Dank für den tollen Artikel!
    Super geschrieben und mir aus der Seele… Ich bin absoluter Verfechter gewaltfreier Erziehung. Das bedeutet aber eben NICHT nur Leckerlies und Kuscheln. Grenzen müssen unbedingt sein! Genau wie Hund sein dürfen 😉

  13. Also….das geht ja nun garnicht. Ne eigene Meinung haben, und dann noch eine andere als die Handelsübliche. Wenn Du jetzt noch Geschrieben hättest das Hunde Fleischfresser sind und nicht Vegan Ernährt werden sollten, hätte man dich wahrscheinlich nem Exorzisten Vorgeführt.;-) Beruhigend das es noch ein paar Menschen gibt die ihren eigenen Fähigkeiten mehr Vertrauen als irgendeinem angelesenen Wissen. Und den Mut haben das auch noch Öffentlich zu Vertreten.Hatte schon Angst das diese Exemplare komplett Ausgestorben waren.

  14. Toller Artikel. Wirklich toll wie du zu deiner Meinung und deinem Lebensstil in Bezug auf Hunde stehst – allein an deinem starken Willen merkt man, dass dir keiner der Chaoten über den Kopf wächst. In meinen Augen haben wir die “schlimmen” Hunde zu dem gemacht was sie heute sind….. Dein Weg ist mein weg und ich würde dir ohne weiteres die Hand reichen und gemeinsam was verändern. Weiter so!!

  15. Vielen Dank für diesen Blog!
    Wir haben zwar keinen ‘Problemhund’, aber unserer ist gerade ein Jahr alt und probiert seine Grenzen auch oft und gerne aus. Und manchmal ist es echt schwer, ihm seine Grenzen aufzuzeigen und ihm zu verstehen zu geben ‘So nicht!’. Wir wussten vorher, dass es manchmal auch schwer werden wird, aber das ist Zuckerschlecken im Vergleich dazu, wie wir manchmal angeschaut werden und welche Kommentare wir uns anhören müssen, wenn wir ihm eben seine Grenzen aufzeigen.
    Wie können wir nur mit einem Halti arbeiten, oder ihn aktiv vom Sofa schicken, wenn er nicht rauf soll, statt zu warten, bis er von alleine runter geht und das dann loben….manchmal ist es echt zum Kotzen…

  16. Liebe Elena.
    Ich danke dir. Der Artikel ist toll. Ich arbeite ehrenamtlich im Tierheim und da gibt es natürlich viele Hunde, die nicht ins schema passen. Von ehemaligen kettenhunden und extreme angstkandidaten, über völlig unerzogene einjährige Jagdhunde mit 4 Vorbesitzern, bis hin zu Rottweilern mit extremer Angstaggression gegen andere Hunde mit übersprungsreaktionen, bei unsicheren gassigängern und Hunde die beim Bürsten beißen.
    All diese Hunde passen nicht in das heileweltschema von den würstchenvergötternden, bestechlichen Plüschtierhunden und von einigen Hippiegassigängern oder Hardcorefachidioten (die wohl gemerkt nur mit lieben kleinen Plüschtierhunden hantieren dürfen) wird man manchmal doch sehr böse angefeindet, weil man es anders macht als sie. Ich wurde sogar von einer hundetrainerin angeblafft, weil ich mit einem Hund, der auf alles ausflippt, nicht an der 6er Gruppe Hunde vorbei gegangen bin, sondern im Bogen übers Feld lief. Frei nach dem Motto, unfähig den Hund zu führen. Unabhängig davon, dass sich kein anderer diesen Hund antut und sie erst recht nicht.
    Ich finde es großartig, dass du das alles mal ansprichst und kann dir sagen, du bist nicht allein.

  17. Wow, es ist wunderbar spricht mir aus der Seele, sagenhaft als wären es meine Hunde, ja sie sind unvollkommen und ja sie sind unverträglich, na und es sind meine, für Menschen besteht keine Gefahr und anderen Hunden kann man ausweichen . So lange die einem nicht angreifen. Sie sind brav so lange sie keinen anderen hund sehen . Grund: wurden leider zu oft schwer verletzt von anderen Hunden . Ich gebe sie trotzdem nicht her, ich hab sie gewollt und somit auch eine Verantwortung übernommen .

  18. Ich komme gerade von einem „Erziehungsurlaub“ bei einem bekannten Hundetrainer wieder. Ich habe seit zwei Jahren einen jetzt10 Jahre alten Abgabehund (nicht aus dem Ausland) aus dem Tierheim. Er war dort ein halbes Jahr, biss schon mal einen der Tierpfleger und hatte keine Interessenten. Warum habe ich nach einiger Zeit auch gemerkt. Aber ich konnte ihn nicht wieder zurück geben. Er ist nämlich ein echt cooler Typ. Hat zwar auch mal meine Nachbarin gebissen und ist auch sonst nicht einfach, aber er ist ein Charakterkopf und das liebe ich an ihm. Ich bin mit ihm fast eineinhalb Jahre in eine Wattebäuschchen werfende Hundeschule gegangen, ohne das sich irgendetwas verändert hat. Der Hund ist beim Anblick anderer Hunde/Menschen ausgeflippt, ich stand mit ihm am Rand des Geschehens und war total frustriert. Dann der Besuch bei Normen. Er hat mir erstmal die Augen für meinen Schatz geöffnet. Ja auch Leinenruck war dabei. Aber ich hätte meinem Hund die ganze Frustration, mein genervt sein etc. erspart wenn ich gleich richtig an die Sache rangegangen wäre. Das Grenzen setzten etwas mit Gewalt zu tun ist schon bescheuert. Ich vergleiche Hundeerziehung mit der Erziehung von Kindern. Meine Kinder durften mir auch nicht auf der Nase rumtanzen und hatten mit Konsequenzen zu rechnen und nicht mit Gummibärchen vor der Nase. Aber genau das tun wir unseren Hunden an. Sei lieb dann gibt’s ein Leckeri. Wenn es aber zur Sache ging, hat sich mein Hund überhaupt nicht mehr um mich gekümmert. Da half auch keine Leberwurst. Ich bin glücklich über diese für mich sehr wichtige Erfahrung und mein Hund übrigens auch.

  19. Wie Schrecklich…..Hunden zeigen wer das Sagen hat. Müssen die dann nicht direkt zum Psychologen?.;-) Ich halte 3 Trethupen und nen HSH Mix in der Wohnung. Ein absolutes NoGo. Dummerweise macht es den Hunden allerdings wesentlich weniger aus als den meisten “Experten”. OHhh sorry, bin ja selber so’n “Experte”, weil ich A) Ausgebildeter Hundetrainer bin und B) auch noch Überwiegend mit Verhaltensauffälligen Hunden arbeite. Und Nein, meine Hunde Funktionieren nicht Perfekt. Sie tun das was normale Hunde machen. Sie schliessen Freundschaft mit den einen Hunden, gehen anderen Hunden aus dem Weg, und bei der dritten Gruppe wirds manchmal Brenzlig weil Herrchen oder Frauchen sich schon in das noch nicht Geschehene einmischen müssen.bevor die Hunde überhaupt ne Chance hatten sich gegenseitig Einzustufen. Wobei mir Auffällt das bei den Herrchen meist ein HIIIEEERRR reicht, um Bello, Hasso oder Rex wie vom Katapult Geschossen innerhalb 0,45 Sekunden direkt neben sein Knie befördert und ohne Gegenbefehl nicht von Fleck zu kriegen ist. Bei den Frauchen reicht meist ein….Das sollst du doch nicht machen, Pupsimausi….oder ein…Lass sofort den Chihuahua los, du böser böser Rottischatz. Der ist doch viel kleiner als du…..um ihren Fellkumpel vollkommen zum Ausrasten zu bringen. Wobei sowohl bei dem Generalfeldmarschall als auch bei der Tütteltante meine Magensäure ein Bedrohliches Eigenleben bekommt. Irgendwann in den letzten Jahren ist wohl das kleine Tierchen Mittelmass Ausgestorben, oder zumindest so selten geworden das kaum jemand noch eins hat.

  20. Ich bin doch etwas erstaunt, dass positives Training gleichgesetzt wird mit – keine Grenzen setzen. Das stimmt so nicht. da ich beide Seiten kenne, im Gegensatz zu sicherlich vielen die hier so euphorisch argumentieren kann ich das beurteilen. Aufgewachsen bin ich im Schutzdienst . Habe verschiedene Trainerausbildungen gemacht. Jahrelang aggressive Hunde im Tierheim trainiert. Der Artikel spiegelt in meinen Augen wider , dass Äpfel mit Birnen verglichen werden. Jede Seite nimmt für sich in Anspruch Hunde zu lieben und das ist auch so. Aber nach allen Hunden die ich auch selbst hatte weil sie keiner wollte,und die Hunde die ich seit 9 Jahren so trainiere wie du es verächtlich beschreibst, gibt es für mich keine Alternative mehr. Wenn man es kann! ist es das Beste für Mensch und Hund was es gibt.
    In der Wiener Reitschule steht nicht ohne Grund “wo die Kunst aufhört fängt die Gewalt an”. Leinenruck und Luftabdrücken etc. sind Gewalt an einem Lebewesen. Das kann man nicht schön reden oder anders argumentieren. Meine Erfahrung ist, dass die Trainer die so sehr für den “echten” Umgang mit dem Hund sprechen die Granaten im Tierheim versauern ließen und nur die retten, bei denen sie nen Maulkorb draufbekommen. Da kann man dann schon den Hecht raushängen. Und ja es gibt auch schlechte positiv trainierende Trainer. Und ja , die Leute sind verunsichert weil sie für alles 20 Anwendungen erhalten und nicht mehr selbständig denken können. Und daran sind auch wir schuld. Wie soll der nette Ersthundehalter der alles richtig machen möchte sich in diesem Dschungel zurechtfinden. Ein Mischmasch aus Erziehungsstilen die die Hunde ertragen müssen.

    1. Hallo T.,

      wie gesagt, viele Wege führen nach Rom. Offenbar bist du ja perfekt ausgebildet und ein Ass im Training mit aggressiven Hunden.
      Ich bin erstaunt, wie du Gewalt mit einem Leinenruck gleichsetzen kannst? Und wer hier was vom Luft abdrücken gesagt hat.
      Und ich beschreibe auch nicht verächtlich, ich stehe für eine Sache ein. Du musst es doch kennen, wenn du seit über neun Jahren das selbe machst.
      „Der lässt mich nicht mehr auf‘s Sofa“ – der muss weg. Der hat mir den Arm zerbissen. Aufgrund von fehlenden Grenzen. Ich weiß nicht was du die letzten neun Jahre noch so getan hast, aber hast du Hunde untereinander mal beobachtet? Wie sie sich Dinge sagen? Ich finde es nicht fair, mit ihnen eine Sprache zu sprechen, die an uns angepasst ist.
      Allerdings gilt nach wie vor: viele Wege führen nach Rom. Du machst das schon.

      1. Ich für meinen Teil habe Hunde untereinander sehr gut beobachtet. Allerdings haben die voneinander nie ein “Sitz” oder “komm mal bei Fuß” eingefordert – was ich in meinem Alltag mit meinen Hunden allerdings brauche. Da ist es dann nur zu fair, ihnen derart unnatürliches Verhalten freundlich und stressfrei beizubringen. Eben weil Mensch und Hund nicht die gleiche Sprache sprechen (und es wäre lächerlich, davon auszugehen, dass wir Mimik und Körperhaltung mit unserem Gesicht und Körper jemals so nachahmen könnten, wie Hunde sie untereinander verwenden) ist Konditionierung mit positiver Verstärkung ein super Mittel, weil es die zu vermittelnde Info (von Mensch an Hund) für beide verständlich macht. Konditionierung funktioniert bei jedem Lebewesen gleich, daran ist nichts unnatürlich. Es ist ja genau so konditioniert, wenn ein Hund nicht mehr an den Napf des anderen geht, nachdem er eine drüber bekommen hat. Da kann man die anderen Lernquadranten genau so nutzen und die sich nicht schlechter.

        1. Hey Sara, ich habe gerade alle deine Kommentare gelesen und bin froh, dass es noch Leute gibt, die Kritik in höflicher und differenzierter Form vortragen und dann darüber diskutieren können. Danke dafür.
          Ich kann deine Aussagen auch sehr gut nachvollziehen und bin da inhaltlich ganz bei dir. Unter dem Kommentar von T. wollte ich nur mal anmerken, was Elena weiter oben schon angedeutet hat: Das Leben ist nicht schwarz-weiß und diese “Lagerbildung” im Hundetraining stört mich immer wieder. Jeder kennt nur eine Wahrheit und viel zu oft ist man zu Stolz (?) Einsicht zu zeigen und seine Methoden zu erweitern. Es ist sowohl Schade das allgemein “positive” Trainingsmethoden gleichgesetzt werden mit “keine Grenzen setzen”, als auch Schade das allgemein “negative” Trainingsmethoden – die ja per Definition auch schon einen bösen Blick beinhalten! – gleichgesetzt werden mit roher Gewalt. Ich jedenfalls sehe Welten zwischen einem angemessenen Leinenruck und “dem Hund die Luft abdrücken und mit nem Napf auf ihn einschlagen” – was im übrigen auch Elena mit ihren Hunden nicht tut, es sei denn es geht um Leben und Tod (Habe ich bisher jedenfalls noch nicht gesehen und auch fachlich habe ich sie bisher deutlich kompetenter erlebt).
          Ich finde in der Hundeszene fehlt es oft an Einsicht auf beiden Seiten. Ich versuche mich selbst nicht festzufahren und ich erziehe meine Hunde so, wie es ihnen gegenüber angemessen, stressfrei und möglichst höflich ist und das beinhaltet sowohl positive Verstärker als auch positive Strafen – wobei ich wie gesagt zwischen unüberlegt Schmerz zufügen und sich Gehör verschaffen einen himmelweiten Unterschied sehe.

  21. Ich musste sehr viel lachen während des Lesens.
    “Bestraft mich nicht mit negativen Kommentaren für mein aversives Training” steht Aussagen wie “meine Hunde wollen aversiv trainiert werden, damit sie sich an mir orientieren können und wissen was Phase ist” direkt gegenüber.
    Echt witzig. Die “Strafe” von Lionel, der Dich belehren will, hat also nicht dazu geführt, dass Du mit ihm zusammenarbeiten willst? Nein wirklich? Da bin ich aber überrascht. So wirkt Strafe im Übrigen auch auf Hunde, just saying… 😉

    Mein Lieblingszitat:
    “Es sind die Leinenrucke, die Menschen zum schweigen bringen, die es erlauben, dass man als Tierquäler hingestellt wird, weil man dem Bello mal einen Metallnapf vor die Latschen knallt, wenn er im Begriff dazu ist, Nachbars Katze zu fressen.”
    Ja, zurecht, damnit! Deinen Hund zu schlagen, scheißegal mit was, IST Tierquälerei. Da führt nunmal kein Weg dran vorbei. Er will die Katze vom Nachbarn fressen? Dann halt ihn fest.
    Und sorg dafür das solche Situationen nicht wieder auftauchen, indem Du mit einem Maulkorb arbeitest, Deinen Nachbarn instruierst die Katze nicht mehr in Deinen Garten zu lassen, ein zuverlässiges Alternativverhalten beibringst das geiler ist als Katzen zu fressen oder oder oder. Es gibt so viele Möglichkeiten die effektiver und vorallem langfristiger wirken als den Hund zu schlagen. 1940 hat angerufen, sie wollen ihre Trainingsmethoden zurück.

    Niemand braucht Leinenrucke oder sonstigen aversiven Unfug, nur um Grenzen zu vermitteln. Das können wir inzwischen echt besser.

    Und ja, natürlich gibt es Ausnahmen: Für Notfälle.
    Wenn die Katze wirklich schon halb im Hundemaul ist, mein Gott, dann führt vielleicht wirklich einmal kein Weg an Gewalt vorbei. Das fällt dann aber unter Nothilfe und hat mit Training absolut gar nichts zu tun. Und wird wie jede aversive Einwirkung Spuren hinterlassen.
    Aber vor allem ist es nach solchen Vorfällen unser Job, durch Training und Management dafür zu sorgen dass soetwas nie wieder passieren kann. Und das wird weder durch Leinenrucke noch durch Napfschläge zu erreichen sein.

  22. Ich höre in dem Artikel eigentlich immer nur MIMIMI raus. Wie aus dem Tagebuch einer verbitterten Person. Schade eigentlich…. Schade auch um die Hunde. Naja, Gewalt beginnt halt da wo Wissen endet. Wie sagt man so schön “Wissen ist Macht.” Bei diesem Artikel kommt mir in den Sinn “Macht nix” 😉

    Ich bin mir sicher, dieser Kommentar wird nicht freigegeben, wollte es dennoch mal äußern. Nur Menschen mit “Cojones” (zu deutsch Eiern in der Hose) würden einen kritischen Kommentar freigeben, da ich oben nur Lobgesang lese, gehe ich davon aus, dass die Autorin in Sachen Kommentaren genauso wenig Cojones hat, wie darin, sich mal wissenschaftlich fundiert weiterzubilden und sich mal einzugestehen, dads es “anders -hund” überhaupt gar nicht gibt. Jeder Hund und sogar jedes Säugetier IST GLEICH.

    Nur Sie und ich nicht….denn ich bin seltsamerweise fähig “anders-hunde” positiv zu trainieren, Sie augenscheinlich nicht.

    Daher MIMIMIMI = Unfähigkeit und Uneinsichtigkeit…

    … Jetzt werden alle motzen: Nicht kritisieren sondern besser machen… Dazu kann ich nur sagen: Das mache ich täglich beruflich. “anders-Hunde” sind nämlich mein täglich Brot als Trainerin 😉

    Ein Irrglaube und Mythos, der von Aversivlern gern erzählt wird ist, dass wir “Positivler” nur den kleinen süßen Welpen trainieren, den wild begrüßenden Labbi doof klickern usw. Tja, hier kommt die Ernüchterung: 90% meiner tierischen Kunden sind aus schlechter Haltung oder dem Ausland, mit Traumata, bissig, reaktiv, viele mit Auflagen vom VetAmt wegen Beißvorfällen etc. und dennoch musste ich bisher noch NIE aversiv arbeiten um sie zu lieben Familienhunden zu erziehen.

    Es geht also auch mit nicht existierenden “anders -Hunden” komplett ohne positive Strafe, wieso verschweigen Sie das Ihren Lesern also???

    Da komme ich dann doch wieder zurück auf “Gewalt beginnt da wo Wissen endet” und wünsche noch einen schönen Sonntag.

    1. Cojones ist wohl der neue Anglizismus! Tut mir leid dich enttäuschen zu müssen, aber ich freue mich für dich! Du scheinst eine wahre Heldin zu sein. Ich schätze jeden der sich mit verhaltensauffälligen Hunden befasst. Ich habe leider nicht genug „Eier in der Hose“ mir einzugestehen, dass es „AndersHund“ gar nicht gibt. Denn so heißt mein Blog und den gibt es. Hoffe das ist verständlich. Ich verschweige meinen Lesern nichts, ich erwähne sogar sehr oft,
      dass ich für alle Methoden offen bin. Doch um meine Artikel richtig lesen zu können, reichen nicht nur „Cojones“, sondern eine gewisse innere Ruhe und ein sehendes Auge. Du bist diejenige die mir unterstellt gehaltvoll mit meinen Hunden umzugehen, verbittert zu sein und Tagebuch zu schreiben. Und keine fundierten Kenntnisse zu haben. Und Jessie, das Beste ist: natürlich gebe ich Kommentare wie deine frei, denn ohne das du es wolltest , bist du ein gutes Paradebeispiel für Menschen, über die ich oft schreibe.

  23. Du sagst, dass du für Kritik und Anregungen offen bist, deswegen hinterlasse ich jetzt mal einen Kommentar mit meiner Sicht der Dinge zu deinem Artikel und den Dingen, die du darin ansprichst.
    Mir scheint es, dass du (und viele andere, die hier ebenfalls kommentieren) die positive Trainingsweise echt gefressen hast, daher auch die ganzen Seitenhiebe auf Geschirre und Leckerlibelohnungen. Ich bin absolut bei dir, wenn du sagst: “…nicht jeder unserer Hunde möchte uns ums verrecken gefallen und lebt ausschließlich für unser Lob. Nicht jede gelobte Verhaltensweise wird sich etablieren und alles Negative verschwinden lassen.” Genau so stimme ich dir zu, dass man einen Hund auch noch zusätzlich über ein Halsband sichern sollte, wenn er sich aus seinem Geschirr herauswindet, und ich stimme dir auch darin zu, dass gewisse unverträgliche Neigungen zum normalen Hundeverhalten dazu gehören. ABER, mein Eindruck ist, dass du das ganze sehr einseitig siehst, so wie viele “Positivler” das eben auch ins extreme tun. Nämlich beachtest du (zumindest in deinem Artikel) nicht, dass auch Verhaltenskorrekturen nicht zwangsläufig ein Verhalten dauerhaft verschwinden lassen – da gibt es sowohl beim Training über positive Verstärkung sowie Strafe gewisse Dinge, die beachtet werden müssen, sonst funktioniert beides gleichermaßen nicht! Damit eine Belohnung funktioniert, muss sie auch in Augen des individuellen Hundes als lohnenswert wahrgenommen werden – sonst ist es schlicht keine und damit aus Sicht des Hundes keine Kooperation wert. Da muss man sich dann bei dem ein oder anderen Hund was einfallen lassen, was aber kein Ding des unmöglichen ist, denn JEDER Hund strebt mit seinem Verhalten IRGENDWAS an. Und daran kann man ansetzen. Abstand, Sicherheit usw. sind genau so als Belohnung einsetzbar, oft sogar besser als Futter. Das ist aber eigentlich auch jedem guten positiv-Trainer klar. Ich sehe im Alltag auch häufig anderes, klassischer Seitenhieb auf die Wattebauschwerfer ist ja immer die Unterstellung: “lustig weiter clickern während der Hund sich auf nen Menschen stürzt”, das ist dann aber einfach scheiße und hat mit ordentlichem Training nix zu tun. 😀 Da kann die positive Arbeit dann auch nichts für, wenn manche Leute zu blöd sind, die vernünftig durchzuführen. Das hast du aber genau so beim Training über strafende oder sogenannte korrigierende Maßnahmen. Ich für meinen Teil bevorzuge die Arbeit über Belohnung, weil man damit gerade im Bereich Angst- und Aggressionsverhalten weniger kaputt machen. Darauf komme ich gleich nochmal zurück.

    Zu den Geschirr-Seitenhieben: Du sprichst jetzt eigentlich nur den Aspekt der Sicherung explizit an, aber was stört dich denn an Geschirren noch? Herausschlüpfen können Hunde auch mindestens genauso gut aus einem Halsband, oder würdest du mir widersprechen wollen? Bei mir im Training steigen ganz viele aufs Geschirr um, deren Hunde sich schon mehrfach aus einem Halsband (auch Zug-Stopp) gewunden haben. Da geht es dann einfach um eine vernünftige Sicherung und Führung und weniger um Halsband oder Geschirr an sich.

    Zu guter letzt, Unverträglichkeiten und Kloppereien als Zeichen Hund sein zu dürfen? Ich stimme dir wie gesagt zu, dass es sich dabei mit Sicherheit um normales und natürliches Verhalten handelt, aber das tut es doch eigentlich immer. Viel wichtiger sind doch dabei die Fragen, ob 1. es sich dabei um für den Menschen störendes Verhalten handelt oder nicht oder ob 2. es sich für den Hund um stressendes Verhalten handelt.
    Wenn man nun als Mensch sagt, man hat damit kein Problem, okay, dann verstehe ich ein Stück weit, dass man auch nicht gewillt ist, dagegen etwas zu unternehmen, aber ich würde jetzt einfach mal behaupten, dass es für den Hund genau so wenig wie für uns oder ein anderes Lebewesen ein tolles Gefühl ist, wenn es viele Situationen gibt, die einem Grund geben, komplett auszurasten. Von daher geht man doch eigentlich schon hin und versucht dem Hund zu vermitteln, dass er in entsprechenden Situationen cool bleiben kann, oder nicht ? Und hier würden dann wieder die verschiedenen Trainingswege relevant. Denn wenn es um Angst- oder Aggressionsverhalten, ich sage jetzt einfach mal zusammenfassend Abwehrverhalten oder anderes sehr extremes Verhalten geht und du die Sache von Grund auf behandeln willst, wirst du nicht um positives Training herumkommen. Du kannst dann zwar dem Hund einen “Metallnapf vor die Latschen” knallen, das Bedürfnis, das unerwünschte Verhalten ausüben zu wollen, ist danach aber immernoch vorhanden. Der Hund lässt es dann schlicht, weil er keinen Bock auf Stress hat. Das wird dem ein oder anderen Hundehalter zwar vielleicht schon reichen, mir (und vielen meiner Kunden) jedoch nicht. Die sind ja nicht blöde und werden schnell austesten und herausfinden, wann sie mit Stress zu rechnen haben und wann nicht und wann wir vielleicht einfach mal unaufmerksam sind. Und dann ruht man sich darauf aus, das Problem wäre gelöst und in einem unbeachteten Moment platzt dem Hund der Kragen und es heißt “ohne Vorwarnung ausgetickt”. Wozu auch Vorwarnung, wenn diese bereits gestraft worden ist? Du sagst es selbst, dass man “ab und zu klar und deutlich sagen müsste, dass man Katzen nicht fressen darf” – genau das ist eben der Punkt, “ab und zu”. Es braucht eine permanente Erinnerung, denn wie gesagt, die sind ja nicht blöde und wissen, wann sie was machen können. Und spätestens da wäre es mir einfach zu blöd. Ich hätte da schlicht keine Lust drauf, Zeitlebens ein Auge auf meinem Hund haben zu müssen und ihn ggf. immer wieder korrigieren zu müssen. Das wird man bei “härteren” Hunden nämlich müssen. Und bei jedem Hund, bei dem einmalig “eine klare Ansage” reicht, kann nicht von einer solchen Extremität die Rede gewesen sein, dass man nicht genau so über Belohnung hätte arbeiten können. Die richtig “harten” Hunde lassen sich nämlich von ein bisschen “Stress” mit dem Menschen nicht beeindrucken.

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