Der Fall Chico ist das Thema Nummer eins in den letzten Tagen. Wir haben viel diskutiert, gemeinsam geflucht, Tränen vergossen und die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen. Sollen wir einen Artikel dazu schreiben? Finden wir überhaupt Worte für das, was hier gerade passiert?

Ja, finden wir.

Wir stehen mit ANDERSHUND dafür, niemanden zu verurteilen, verschiedene Meinungen zu tolerieren und eine Lanze für Hunde zu brechen, die verhaltensauffällig sind. Weil wir sie mögen. Weil wir finden, dass jeder Hund das Recht darauf hat, gesehen zu werden. Als Hund. Hunde haben Chancen verdient, sie haben verdient, verstanden zu werden. Wir wollen ehrlich aufklären, vom Leben mit Hunden berichten, die beißen. Über die Menschen am anderen Ende der Leine. Wie es ist, mit diesen Hunden zu leben und wie man sich und andere schützen kann und muss.

Wir lieben Hunde und Menschen.

Jetzt beißt ein Hund seine Besitzer tot. Die Schwester der Opfer sieht die Leiche ihres Bruders durch ein Fenster und alarmiert die Polizei. Später wird sie herausfinden, dass nicht nur ihr Bruder tot ist, sondern auch ihre Mutter. Chico hat sie totgebissen. Der Hund, vor dem sie die Rettungssanitäter noch gewarnt hatte, als sie mit ihnen sprach. Die Mutter, die Jahre zuvor von ihrem Exmann mit einer Axt so schwer verletzt wurde, dass sie fortan im Rollstuhl saß. Ein Sohn, der kleinwüchsig und krank war. Und Chico, der auf die beiden aufpassen sollte, nach der Attacke des Exmannes. Es fällt uns schwer die Fassung zu bewahren, da wir zumindest die Situation in der man sich einen Hund zum Selbstschutz anschafft, kennen. Es geht uns sehr, sehr nahe. Die Verzweiflung und die Hoffnung. Schon früh war Chico auffällig und wurde in einer Hundeschule vorgestellt. Er bekam einen Maulkorb verordnet. Jahrelang schafften es die Halter offenbar das Umfeld und sich selbst vor Übergriffen durch den Hund zu schützen. Die Behörden und das Veterinäramt wussten Bescheid, sie ließen den Hund in seinem Zuhause. Jetzt heißt es, man müsse sich gravierende Fehler eingestehen.

Das hören wir nicht zum ersten Mal.

Schlussendlich kann man nie genau sagen, was  Chico denn nun dazu bewogen hat, anzugreifen. Wurde der Hund provoziert? War die möglicherweise ‘schlechte Haltung’ ausschlaggebend? Was war mit dem Ordnungsamt los? Hat der Hund vielleicht, grob gesagt, einfach nicht alle Tassen im Schrank? Warum soll das nur bei Menschen vorkommen. Oder hat er vielleicht einen Tumor? Aber unsere Hauptfrage in diesem Fall ist: Ist das alles überhaupt wichtig, denn hier sind Menschen gestorben und das darf nicht passieren. Hier geht es nicht um Schuld. Und schon gar nicht um die Schuld von zwei Menschen, die ihr Leben auf grausame Art und Weise verloren haben.

Uns schießen tausend Dinge durch den Kopf. Wir denken daran wie es sich anfühlt, wenn wir von einem Hund angegriffen werden. Wie dankbar wir jedes Mal sind, dass diese Hunde bisher meistens mit einem Maulkorb gesichert waren. Oder wir Glück hatten. Wie unser Herz schlägt, wenn wir diesem einen Hund Auge in Auge gegenüber stehen und versuche die Ruhe zu bewahren. Wir stehen für die aggressiven Hunde ein. Wir standen schon tief durchatmend vor der Zwingertür und haben gehofft, mit allen Gliedmaßen und gesund nach Hause zu gehen. Wir wollen Hunden und Menschen helfen. Aber manchmal, da kann es auch zu viel des vermeintlich Guten sein. Oder die Hilfe wird zum Reflex und ist unüberlegt und fehl am Platz. Und sie wird dann früher oder später ihre Opfer fordern. Der kalte Schweiß auf dem Rücken, die Hoffnung, dass alles gut geht. Die Momente in denen wir mit unseren Liebsten zusammen sitze und in ihre Gesichter blicken, wenn wir von der Arbeit mit diesen Hunden erzählen. ‚Aber du passt gut auf dich auf, ja? ‘, heißt es immer wieder. Ja Mama, ich passe gut auf mich auf. So gut es eben geht.

Meine Mutter hat mir mal gesagt, dass sie sich immer sofort Sorgen macht, wenn ich die Tür etwas später als gewohnt öffne. Sie denkt dann, dass ich eine Auseinandersetzung mit einem meiner Hunde hatte und irgendwo in der Wohnung liege. Ein Mal habe ich ihr ein Video von einem futteraggressiven Hund gezeigt. Wie es aussieht, wenn er auslöst und wie wir mit ihm arbeiten. Zwei Tage später rief sie mich an um zu fragen ob es mir gut ginge, sie hatte geträumt, dass ich im Bett von einem Hund angegriffen werde und nicht um Hilfe rufen kann.

Belastende Bilder, nicht nur wenn man live dabei ist.

Wir fragen uns, was wohl die beiden Menschen von Chico gedacht und gefühlt haben. Wir verdrängen die Realität nicht gerne. Wir denken an Situationen, in denen wir uns Sorgen um das Leben unserer Kollegen machen, Situationen in denen wir Bilder aus dem Krankenhaus zugeschickt bekommen und uns freuen, dass noch mal alles gut gegangen ist. ‚Nur‘ Fleischwunden, nur gebrochene Knochen. Nur Narben, die jetzt auf ewig ihre Körper schmücken und die Geschichte von einem Job erzählen, der dich das Leben kosten kann.

Die Nachbarn sagen, der Hund wäre falsch gehalten worden. Der arme Hund musste sein Geschäft auf dem Balkon verrichten, er hätte in einer Eisenbox gelebt. Sie zeigen mit dem Finger auf Tote. Warum haben sie ihnen nie die Hand gereicht, als sie noch gelebt haben? Warum hat keiner gefragt, ob sie Hilfe brauchen? Was stimmt mit uns Menschen nicht? Was ist mit all den Leuten die jetzt aufschreien und in widerlichen Kommentaren bekunden, dass sie kein Mitleid haben. ‚Es geschieht ihnen recht, der arme Hund‘ Mir schießen vor Wut Tränen in die Augen, während ich Kommentare dieser Art lese, es fällt schwer, sachlich zu bleiben . Tausende Menschen wollen diesen Hund aufnehmen, Kenner und Tierschützer schreien laut ‚Hier‘. Zumindest im Internet. Die Leute die gegen Rasselisten sind, schmücken sich heroisch indem sie ihre alten Lieder singen: ‘Nur weil es ein Listenhund ist, ist es kein böser Hund. Kein Hund wird böse geboren‘. Danach hat keiner gefragt, aber sie melden sich trotzdem. Jeder möchte etwas dazu sagen, jeder hat eine Meinung. Doch die wenigsten wissen, wovon sie sprechen. Tagtäglich werden in Deutschland Hunde aus weitaus weniger schwerwiegenden Gründen euthanasiert, weil es keinen Platz für sie gibt. Wo seid ihr alle, wenn es darum geht diese Hunde vor dem Tode zu bewahren?

Wäre nicht genau jetzt der Zeitpunkt gekommen, Verantwortung zu tragen?

In dieser Geschichte gibt es drei Opfer, zwei Menschen und einen Hund. Es ist eine Chance für alle Tierschützer endlich mal gerade zu stehen und den gesunden Menschenverstand zu beweisen. Den Gegnern zu zeigen, dass sie nicht nur militant Hunde vertreten können und süße Listenhundbilder bei Facebook posten, die mit dem Titel ‚Kampfschmuser‘ versehen sind.

Doch genau das Gegenteil passiert. Menschenverachtende Texte kursieren im Netz, der Fall Chico erregt mehr mediale Aufmerksamkeit als ein Terroranschlag, bei dem mehrere Menschen ihr Leben verlieren.

Chico soll leben, koste es, was es wolle. Denn den Preis dafür zahlen am Ende ja nicht die Menschen, die Petitionen unterzeichnen, sondern alle, die sich im echten Leben für ‚straffällig gewordene‘ Hunde einsetzen. Menschen die uns am Herzen liegen, die wir schätzen. Menschen mit Eltern und Geschwistern. Menschen, die mindestens genau so entsetzt sind, wie wir. Es ist unsere Chance zu zeigen, dass wir nicht völlig gestört sind, nur weil wir mit ‚gestörten‘ Hunde zu tun haben. Dass wir Menschen genau so schätzen, wie Tiere, dass wir Menschen schützen wollen, auch uns selbst. Dass wir helfen wollen und nicht beschuldigen. Dass wir klar denken können.

Wie sieht das Leben aus in einer “Spezialeinrichtung”?

Mit Hunden, die auf ewig langen Wartelisten stehen und in Tierheimen ihr Leben dahin fristen. Hunde, die andere Hunde auf dem Gewissen haben, ihre Menschen schwer verletzt oder sonstige Dinge getan haben, die gerne unter den Teppich gekehrt oder mit romantischen Ausreden gerechtfertigt werden.

Wir haben schon oft Hunde gesehen, die aufgrund eines Angriffes vom Amt eingezogen wurden und von Fachleuten bewertet werden sollten. Eines können wir sagen: Das ist nicht einfach. Kein Tierschützer, kein Tierarzt, kein Mensch mit Herz schläfert gern ein Tier ein. Niemand legt einem Tier mit Vergnügen lebenslangen Maulkorbzwang auf oder stuft ihn als unvermittelbar ein. Dieser Job ist nicht leicht und ab und zu muss man einfach den nackten Tatsachen ins Auge sehen.

Hier soll ein Hund, der zwei Menschen, seinen Bezugspersonen, das Leben genommen hat, vermittelt werden. Es ist Heuchelei zu meinen, dass es für Chico das Beste wäre, wenn er weiterlebt. In einem schönen Zuhause. Man muss die Geschichte auch zu Ende denken. Gehen wir mal davon aus, Chico bekommt die ganze Palette an Auflagen, die ein Hund bekommen kann. Es ist ein sehr großes Risiko, solch einen Hund an Privatpersonen zu vermitteln. In unseren Augen, ein untragbares Risiko. Realistischer ist wohl, dass er in eine Einrichtung für die richtig schweren Jungs kommt und sein Leben auf gesichertem Gelände verbringt. In Isolation, vielleicht mit Schiebersystem, damit keiner zu ihm hinein muss und gefährdet wird, denn man kennt ja seinen Schlüsselreiz nicht, den man somit unbewusst jederzeit auslösen könnte.

Es sind die Menschen, die mit solchen Hunden arbeiten, die täglich ihr Leben riskieren. Nicht die Menschen, die gerade auf allen Plattformen aufschreien, man dürfe ihn nicht einschläfern. Nebenbei vergeht ein Platz in einer der wenigen Einrichtungen für einen Hund, der sich möglicherweise weit weniger „zu Schulden kommen lassen“ hat, mit realistischeren Vermittlungschancen. Hunde mit ‘Vorgeschichte’ zu vermitteln ist sicher nicht unmöglich, aber schwerer als es sich anhört. Die meisten bleiben für immer hinter Gittern. Nebenbei entstehen hohe Kosten, aber Geld spenden ist keine Option, wenn es doch offenbar Tierschutz genug ist, eine Petition zu unterzeichnen. Die größte Sorge bleibt ohne Zweifel: Sollte sich solch ein Vorfall mit diesem Hund wiederholen – was dann? Wer hält dann den Kopf hin? Die, die einst die Petition für ihn unterschrieben haben, denn man kann ja nicht einfach so ein ‘unschuldiges Lebewesen’ zum Tode verurteilen? Macht einem schon ein wenig Angst, dass so vielen die Menschen hierbei egal zu sein scheinen. Nicht nur die, die schon ihr Leben gelassen haben, sondern vielleicht auch die, die in Zukunft gefährdet sind, wenn mal wieder das Tor offen steht, der Zaun nicht hält, der Maulkorb zu locker sitzt, der Hundeführer eine Sekunde nicht hingesehen hat.

Diese Geschichte bedrückt uns weit mehr, als wir es gewohnt sind. Der Tierschutz liegt uns am Herzen. Zumindest die Auffassung, die wir von ihm haben. Aber wie kann es sein, dass einem nur die Tiere am Herzen liegen und sonst nichts? Uns kommt ein Zitat in den Sinn, dessen Verfasser wir nicht kennen:

“Man hat nicht ein Herz für Menschen und eines für Tiere. Man hat ein einziges Herz oder gar keins”

Was wird wohl geschehen, wenn Chico noch weitere Opfer fordert. Wollt ihr den Angehörigen der Betreffenden dann auch sagen, dass sie selber schuld sind? Armer Chico? Was ist wenn sich die Gesetze dann so verschärfen, dass unzählige Hunde zu Tode verurteilt werden. Was soll ich dann mit meinen Hunden machen? Wird dann eines Tages jemand entscheiden, dass ich sie einschläfern lassen muss? Weil es keinen Raum mehr für verhaltensauffällige Hunde gibt?

Retten um jeden Preis.

Weil es mehr Anklang findet? Verantwortung tragen bedeutet auch, traurige Entscheidungen zu fällen. Entscheidungen, die einige vielleicht nicht nachvollziehen können. Doch Menschen die den Tod anderer als ‚verdient‘ bezeichnen sind kein Maßstab, wenn man auf gesunden Menschenverstand setzt.

Wo hört Tierschutz denn auf? Wenn es Todesopfer gibt? Wenn für den Hund keine Chance mehr auf ein normales Leben besteht, weil er eine Gefahr für andere darstellt? Wo hört Tierschutz auf und wo fängt Menschenschutz an? Es ist erschütternd und traurig, so unendlich traurig, dass so etwas passieren musste und noch immer passiert. Wenn es keine Todesopfer gibt, interessieren sich die Medien leider nicht dafür. Wir schon. Und wir hoffen, wir können weitere Tragödien verhindern. Und richtige Zeichen setzen.

Fakt ist, dass zwei Menschen tot sind und eventuell weitere Opfer folgen, wenn diejenigen, die die Verantwortung tragen, jetzt einen falschen Schritt machen.

Unser herzliches Beileid gilt den Angehörigen. Mögen die beiden Opfer in Frieden ruhen und möge auch Chico seinen Frieden finden.

Wer unsere Meinung zum Thema “Kampfhunde” lesen möchte, kann das HIER.

67 Replies to “Der Traurige Fall Chico

    1. Ich bin nach wie vor der Meinung, dass Chico unschuldig ist. Niemand weiß, wie der tragische Unfall zustande kam. CHICO hatte weder Blut am Maul noch im Fell. Dies spricht eindeutig für seine Unschuld. Die Verletzungen im Maulbereich stammen offensichtlich von der Fangstange – es klingt alles so logisch. Des Weiteren verhielt Chico sich laut einer Tierheim Mitarbeiterin eher träge und zurückhaltend. Von daher haette man Chico eine Chance geben müssen.

  1. Danke für diesen sehr differenzierten Text. Euch, die ihr mit schwierigen Hunden arbeitet, gehört meine Hochachtung. Ich stimme euch voll und ganz zu!
    Viel Kraft weiterhin
    Liebe Grüße von mir
    Katrin

  2. Vielen Dank für diesen Beitrag, der mir aus der Seele spricht. Ich bin ehemalige Listi-Halterin, bin immer noch ehrenamtlich “Gegen Rasselisten” unterwegs und liebe Hunde, gleich welcher Rasse, sehr, doch überkam mich in den letzten Tagen ein schauriges Gefühl….wegen der ganzen Reaktionen im Netz. Ich habe mich bisher kaum dazu geäußert und werde mich auch weiterhin stark zurückhalten, denn was da abgeht im Social Media … wie die Menschen hinter den PC’s abgehen, macht mich tief betroffen, macht mich wütend, und lässt mich fremdschämen sondergleichen. Da gibt es zum Einen die, die wieder mit viel Meinung, aber ohne Ahnung schreien “Alle Kampfhunde ausrotten”, die reißerischen Zeitungsartikel, doch sind dieses Mal diese nicht die Schlimmsten und auch nicht die größte Gruppe. Als Eine, die sich in den letzten Jahren sehr mit dem “Listenhund-Thema” auseinandergesetzt hat, auf sehr vielen Ebenen, muss ich sagen (und das finde ich gut), dass die überwiegende Berichterstattung doch sehr sachlich ist und auch die Politik bisher besonnen reagiert. Doch zum Anderen die Aufschreie “der arme Hund”, die missachtenden Kommentare gegen die Verstorbenen und die ewig runterratternden “Es gibt keine Kampfhunde und die sind alle lieb”/Kampfschmuser-Fraktion lassen mich würgen und mich fremdschämen. Die haben noch gar nicht mitgekriegt, dass außer ein paar wenige Schmierblätter der öffentliche Diskurs gerade gar nicht in diese Richtung geht. Postitiv finde ich, dass generell eine Diskussion geführt wird, über Hintergründe (“Warum konnte es soweit kommen? Ist Chico krank? etc” ) gesprochen wird und nicht pauschal die Rassebeteiligung als Sündenbock genommen wird. Das ist im Gegensatz zu damals ein enormer Fortschritt, allerdings vermute ich, ist es auch nur so, weil kein kleines Kind auf offener Straße getötet wurde, sondern die eigenen Halter im nicht öffentlichen Raum… Das ist traurig, denn damals wie heute ist es leider wie eh und je: ungeeignete/hilflose/überforderte Halter und Behördenversagen führten zu dem Unglück. Es ist okay, wenn das festgestellt und anerkannt wird und hoffentlich daraus gelernt wird, doch für mich noch lange kein Grund, die Verstorbenen zu diffamieren und so verblendet den Hund auf ein Podest zu erheben. Auch ich vermisse bei dieser ganzen Diskussion den Respekt und die Emphatie für die Halter, den gesunden Menschenverstand und den Realismus. Daher habe ich – trotz akivem “Kampf” gegen Rasselisten, die Petition nicht unterschrieben. Es ist insofern schön, dass sie geholfen hat, die Einschläferung aufzuschieben, dass Chico untersucht und geprüft wird, halt dieses Mal nach solch tragischem Unglück genauer hingesehen wird, doch was passiert dann? Wer möchte die Verantwortung für Chico übernehmen? Ist es wirklich Tierschutz, ihn am leben zu lassen und mit enormen Kosten auf einem Gnadenhof unterzubringen, wo er unter etlichen Sicherheitsvorkehrungen leben wird? Ich weiß es nicht… Für mich hat diese Geschichte so oder so 3 Opfer und alle 3 sowie die Angehörigen haben mein Mitgefühl.

    1. Hallo Jessica! Danke für deinen ausführlichen Kommentar. Was du hier ansprichst ist mir ebenfalls aufgefallen: Ich sehe sehr wenige Menschen, die wieder den “Kampfhunde sind böse Monster” Gedanken verfolgen und damit Hetze betreiben. Das ist natürlich positiv! Ich hoffe auch, die Diskussion zum Thema “Warum ist es passiert”, zum Beispiel weil er krank sein könnte, kommt bei noch mehr Leuten an, denn nicht immer muss ein Hund auffällig im Aggressionsverhalten sein um jemanden so stark zu verletzen. Aber wie du schon sagst, darf man bei aller Tierliebe die Realität nicht aus den Augen verlieren. Ich bin ganz deiner Meinung.

  3. Endlich spricht es mal jemand aus so wie ich es auch sehe. Wenn ich die Kommentare bei FB oder anderswo, gerade im Zusammenhang mit der Petition lese, wird mir Angst und Bange, wenn diese Leute wirklich so einen”Kampfhund, gefährlichen Hund, was auch immer” besitzen sollten oder werden. Total naive, wirklichkeitsfremde Leute, die denken mit ein paar Leckerli, ausreichend Auslauf und Streicheleinheiten wird alles gut. Eine 16 jährige schrieb tatsächlich, sie würde Chico sofort nehmen. Ich hoffe nur das sehr verantwortungsbewusst entschieden wird, was mit dem Hund passiert, sollt er nicht euthanasiert werden.
    Überhaupt finde ich diese Seite gut, ein Hund ist ein Hund und der hat Zähne, passieren kann immer war, man muß halt Verantwortung übernehmen für sein Tier.

  4. Vielen Dank für diesen tollen, ausführlichen, emotionalen und doch sehr reflektiert betrachteten Artikel!!
    Man muss sich in diesen Tagen schon fast schämen, wenn man nicht schreit: Chico darf nicht sterben.
    Meine Hochachtung vor eurer Arbeit!

  5. Ein sehr guter Beitrag!
    Und ja: wäre es nicht “besser”, einen anderen armen Hund dafür zu retten? Einen Hund, der eine echte Chance, auf ein gutes Leben hat? Ein Hund, der keine Gefahr für Leib und Leben darstellt?

    Eine Freundin hat sich bei einem Pferd einmal so entschieden: sie hat ein schwer verhaltensauffälliges Pferd, das ohne Vorwarnung auf Menschen und auch auf andere Pferde losgegangen ist töten lassen. Ein halbes Jahr später hat sie von einer älteren Stute (17 Jahre) gehört, die nicht mehr trächtig werden konnte und deshalb zum Schlachter kommen sollte. Sie hat sie aufgenommen und konnte mit ihr noch gemütlich ausreiten und nun wird die Stute schon 31. So ein liebes Tier wäre gestorben, wenn sie sich vorher anders entschieden hätte. Jede Handlung hat weitreichende Konsequenzen. Daher finde ich euren Appell, das Ganze einmal zu Ende zu denken ganz wichtig.

  6. Vielen Dank für diesen Blogbeitrag. Du findest genau die richtigen Worte und bringst meine vielen wirren Gedanken zu dieser tragischen Geschichte auf den Punkt. 😉

  7. Der Artikel spricht mir aus der Seele. Auch ich bin angesichts der teilweise heftigen Reaktionen militanter Tierschützer, die “Free Chico” brüllen und nicht müde werden, immer und immer wieder zu betonen, dass Hunde von Natur aus nicht böse sind und das Böse am oberen Ende der Leine zu finden ist, wirklich entsetzt. Es ist absolut verständlich, dass kein Tierleben grundlos beendet werden und die Euthanasie wirklich das allerletzte Mittel der Wahl sein sollte. Im Fall von Chico, der ja nun bereits 8 oder 9 Jahre alt ist, frage ich mich, wie hoch seine natürliche Lebenserwartung sein muss, um ihn zu resozialisieren. So alt kann kein Hund werden, denn diese lange Zeit der fehlerhaften Haltung kann man nicht mal eben in 6 Monaten wegstreicheln. Vermittelbar? An wen denn? An jemanden, der in den Sozialen Medien laut “der braucht nur ein wenig Liebe, Streicheleinheiten und Leckerlis” ruft? Mit der Vorgeschichte würde es schon schwierig bis unmöglich werden, eine Tierhalterhaftpflichtversicherung zu finden, die das Risiko “Chico” versichert.

    Der Fall ist und bleibt traurig und ich wünsche mir, dass eine Entscheidung getroffen wird, die keinen Dritten (also diejenigen, die nun mit ihm arbeiten müssen) gefährdet.

  8. Sein Leben hat Chico schon 8 Jahre lang verloren, weil Justiz, Behörden und der Tierschutz versagt haben und es am Ende nur Opfer gibt.

    Und man darf das Kind nicht mit dem Bad ausschütten bei diesem tragischen Vorfall bei allen erhitzen Hasskommentaren, Rassehund-Diskussionen und Retter um jeden Preis.

    Die Stadt Hannover trifft auch eine mutige Entscheidung und will nicht zu Rasselisten zurück kehren, sondern hält an Sachkunde weiter fest.

    Das darf man bei all der Tragik und erhitzen Öffentlichkeit – von Tierschutzmob ist schon die Rede- , nicht vergessen und positiv werten.

    Ausschlaggebend ist doch was Chico an Perspektive und Lebensqualität erwartet und die sieht für mich in der Tat nicht lebenswert aus gesichert, verwahrt schreibt der Gnadenhof in einem Zwinger ?

    Hier sind einzig und allein Fachleute gefragt mit der Rasse, mit der Resozialisierung und Haltung solcher Hunde .
    Und bei dem ganzen Hype gehen die womöglich unter.

    Ich habe einen sehr guten Kommentar eines solchen gelesen. Der fragt `warum nehmt ihr nicht einen der resozialisierten Hunde aus solchen wenigen speziellen Zentren, damit ein Platz dort wieder frei wird. Und ihr kennt nicht das Risiko, mit einem Pissfleck in der Hose und die Wunden in der Krankenhausambulanz. ´

    Wenn die Hunde danach keine Chance haben auf ein für alle gesichertes und dabei lebenswertes Leben…..wozu haben sie das dann für sich und einen Hund auf sich genommen – das muss doch der Maßstab sein .

    Eure Wertung mag nicht populär sein – aber umso richtiger und wichtig ausgesprochen zu werden.

    Wenn man jetzt noch das Video “Chico geht Gassi” sieht, disqualifizieren sich diese Tierschützer und es kommt noch soweit, dass man den Hund vor solchen Tierschützern schützen muss oder alle Tierschützer dann als irre gelten.

    Danke für das mutige Statement.

  9. Ich finde das auch schlimm ja aber mal ehrlich.. bei nem Menschen, der auch “falsch gehalten” wurde (also traumatische Kindheit etc) und nen anderen Menschen oder Tiere umbringt, wird immer gleich von Todesstrafe geredet etc (ja da bin ich auch ganz vorne mit dabei). Wenn ein Tier, in diesem Fall ein Hund, jemanden tötet ( gibt noch ein Fall mit nem Baby), heisst es immer, der arme Hund, die Halter sind schuld, gebt dem Tier ne Chance.. Ich finde damit beweisen wir alle unsere Doppelmoral .. Bei einem “Mörder” sind meist auch die “Halter” (Eltern) schuld, schaut man sich die Kindheit dieser Bestien an.. Der Typ kommt in DE in den Knast, wird “resozialisiert” (wie auch “bösartige” Hunde) und bekommt dennoch keine Chance, wird ausgegrenzt etc und begeht evtl irgendwann wieder einen “Mord” (was auch bei Hunden vorkommt)..
    Wo bitte liegt da der Unterschied ?? Und das Argument “Instinkt” lass ich da nicht gelten, denn der “Instinkt” eines “Mörders” befiehlt im ebenso bestialische Taten …
    Würde mich echt interessieren warum wir Menschen das soo unterschiedlich sehen und handhaben 🤔

    1. Leider gibt es da ja einige Beispiele. Mir fällt als erstes ein, dass Hunde um jeden Preis am Leben gehalten werden, gleichzeitig aber Milliarden anderer Tiere geschlachtet und gegessen werden. Oder das man es sich nicht anmaßen dürfe, einen Hund einzuschläfern, aber wir es uns sehr wohl anmaßen Hunde (und andere Tiere) lebenslang hinter Gittern zu halten. Menschen sind eben nicht perfekt und jeder hat, auch nach Herkunft, sehr unterschiedliche Vorstellungen von Moral und Ethik. Ein sehr interessantes Thema! 😉

  10. Ich bedanke mich aufrichtig und herzlich für diese reflektierte Meinungsdarstellung und kann alle Punkte vollständig unterschreiben.

    Es gab eine Zeit, da hätte ich auch fanatisch intoniert dass Chico nicht sterben darf. Bis zu der Zeit in der wir versucht haben einen 8jährigen, rumänischen Strassenhund versucht haben in unsere Familie inkl. Hunderudel zu integrieren. Wir sind sehr hundeerfahren, auch mit sogenannten „Problemhunden“. Bis zu diesem Zeitpunkt haben wir immer Glück gehabt, konnten die Probleme erkennen und mit viel Geduld, manchmal Mut und immer mit viel Zuneigung und klarem Kopf bewältigen. Ich war bis dato der Meinung, dass es immer nur eine Frage der Zeit und des Willens ist. Dieses eine Mal nicht. Dieser Hund lehrte uns, dass sich manche Vorgeschichten so manifestieren, dass es – wie bei einem psychotischen Menschen – einfach keine wirkliche Hilfe und Heilung gibt.

    Auf Veranlassung des Ordnungsamtes befindet sich dieser Hund jetzt in einer Art Sicherungsverwahrung. Er hat zwei hochdekorierte, mit extremen Problemhunden vertraute Trainer verschlissen und uns dass Herz gebrochen. Die Ambivalenz zwischen der ruckzuck entwickelten Zuneigung zu ihm und dem Wissen, dass kein noch so versierter Hundehalter ihm gerecht werden kann und es keine wirkliche „Hilfe“ für ihn gibt, hat meine Familie und mich fast zerrissen. Noch heute, über ein Jahr später reden wir häufig darüber.

    Ich maße mir heute nicht mehr an, jeden Hund retten zu können. Ganz unabhängig von der Rasse ist es bei vielen möglich, aber – und das habe ich sehr nachdrücklich lernen müssen – nicht bei allen.

  11. Ein sehr guter Artikel . Der endlich auch die Opfer ins Gespräch bringt. Nämlich ALLE Opfer . Sicherlich tut mir Chico leid . Aber die Menschen die ihr Leben verloren haben , müssen einem noch sehr viel mehr leid tun . Wie schrecklich muss ihr Tod gewesen sein . Mir kam nie der Gedanke , wie leider so vielen anderen , dass die Halter das verdient hätten .Wie Menschenverachtend das ist . Als die Geschichte hinter der Geschichte bekannt wurde , zog sich mein Herz vor Mitleid zusammen . Schnell machte auch die Runde , dass da von vielen Seiten sehr viel falsch gelaufen war. Das grosse Schuldzuschieben begann . Die Behörden, die Tierschützer , die den Hund falsch einschätzten , .. nein.. die Schuldigen waren schnell gefunden . Die Halter !
    So einfach ist das …. 🙁 .. natürlich nicht !
    Und ganz schnell wurde der Ruf nach Gerechtigkeit laut … für Chico..aber nicht für diese zwei Menschen , die man schlichtweg vorher im Stich gelassen hatte .
    Ich bin diesem Ruf auch gefolgt und habe eine Petition für Chico unterzeichnet , wie ich gestehen muss .Leider bevor ich das Ganze richtig durchdacht hatte .
    Zwar hatte ich einen Hund, bin aber ganz und gar kein Spezialist und schon gar nicht für auffällige Hunde . Ich maße mir nicht an, zu wissen , wie es nach Chicos “Begnadigung ” weitergehen soll.
    Mit diesem Artikel habt ihr mir viele Fragen beantwortet , die sich mir gestellt haben .
    Mir wird mulmig bei dem Gedanken, wie schnell man sich zu etwas hinreissen lässt ( und wenn es nur das unterzeichnen einer Petiton ist ).. ohne wirkliches Hintergrundwissen .
    Der Gedanke mit den Spenden kam mir auch sehr schnell.. eine Petition online zu unterzeichnen ist eine Sache , sein Geld rauszurücken , eine ganz Andere . Ich weiß , wovon ich schreibe. Bin Gründerin eines Katzenhilfe-Vereines .
    Ich spreche euch für diesen Artikel meine Hochachtung aus , denn euch ist sicher bewusst , dass bestimmt nicht jeder von den ehrlichen Worten begeistert sein wird .
    Danke dafür, dass ihr mich ein klein wenig wissender gemacht habt .
    Alles Gute weiterhin für eure Arbeit , von der die wenigsten wahrscheinlich wirklich Ahnung haben .

  12. Ein sehr guter Beitrag, ich schließe mich diesen Worten voll an.
    Hier wurde eindeutig eine Grenze überschritten, egal warum, das durfte und darf nie wieder passieren.
    Mein aufrichtiges Mitgefühl den Angehörigen.

  13. Hallo. Ein Artikel, der hoffentlich viele Menschen zum Nachdenken anregt. Und ich stimme dir gewissermaßen auch vollkommen zu. Die Frage, wo Tierschutz anfängt bzw aufhört ist eine sehr gute, aber auch sehr schwierige Frage. Ein Tier, egal welches oder welche Rasse, kann in den falschen Händen definitiv zur Waffe werden. All diese Fragen, die man sich hier stellen sollte, sind jedoch Resultat unserer Gesellschaft. Wo ist der Unterschied zwischen einem Hund, der leider Gottes zwei Menschen getötet hat, aus welchem Grund auch immer, und zwischen einem Menschen, der dies tut oder noch viel grausameres, denn der Mensch ist ein viel größeres Monster, als ein Tier. In unserer Gesellschaft werden solche Lebewesen „leider“ auch nicht einfach eingeschläfert… der Mensch ist dem Tier gegenüber im Vorteil, durch seine Waffen und so weiter. Raffen uns Tiere dahin, weil wir tausende ihrer Artgenossen töten? Für Nahrung oder wie viel zu oft auch einfach nur zum Spaß… wie ich finde, ein sehr sehr schwieriges Thema und ich möchte nicht diejenige sein, die hierzu Entscheidungen treffen muss…

  14. Ich bin zu 100 % Eurer Meinung !
    Gut auf den Punkt gebracht .
    Ich verneige mich vor Eurer Arbeit mit den Hunden jeden Tag, die keine medienträchtigen Berichte haben und wünsche mir mehr Unterstützung für Eure Arbeit

  15. Vielen Dank, dass Ihr Euch zu einem Blog-Beitrag ” durchgerungen habt!
    Hier werden viele Fragen beantwortet, die sich um die Zukunft des Hundes drehen.
    Ich hoffe, dass die Entscheidung, Chico vorerst am Leben zu lassen, Fachleuten wie Euch die Möglichkeit gibt, unter Abwägung aller Möglichkeiten und Risiken das bestmögliche Urteil über Chicos Zukunft zu fällen.

  16. Ich habe diesen Artikel bis zu Ende gelesen. Habe selbst drei Wauwis – Galgos! Das sind friedliche und liebenswerte Hunde. Hatte mein Leben lang Tiere! Es ist die Art, wie man mit ihnen umgeht und erzieht. Menschen, die sich ein Tier nur als Statussymbol anschaffen, sind mir zuwider!!! Man muss sich vor Augen führen, dass Hunde “nur” Tiere sind. Sie sind aber mehr, schon seit tausenden von Jahren. Wer Tiere liebt, hat auch eine Verantwortung!! Bestimmte Regeln müssen eingehalten und beigebracht werden. Die Liebe zu einem Hund beruht auf Gegenseitigkeit. Diese Tiere sind der beste Freund des Menschen, so lange man sie mit Respekt und Liebe behandelt! “Ein Mensch ist Dir im Winde treu, ein Hund sogar im Sturme”. Tiere, um die es in dieser Diskussion geht, sind aus meiner Sicht nicht mehr heilbar. Sie haben zu viel negatives in ihrem Leben erlebt. Da hilft, so leid mir es tut, nur noch einschläfern. Schuld sind aber die Menschen, welche diesen Hunden nicht die notwendigen Regeln beigebracht haben – nicht der Hund. Vielleicht eine Anregung zum nachdenken?

    1. Wir sind uns absolut einig, dass den Hund keine Schuld trifft. Allerdings weiß man ja nicht genau, was er alles erlebt hat. Wir spekulieren alle blind in der Gegend herum. Vielleicht haben seine Besitzer ihn sehr geliebt. Aber Liebe allein reicht, wie du schon sagst, leider oft nicht aus.

      1. Schuld ist eine Kategorie der Moral/Ethik und somit eine absolute Vermenschlichung. Auch ein Hund sehr viel mehr ist, als eine Reiz-Antwort-Maschine, solche Gedanken kann er sich nicht machen. Also kann sein Handeln nicht danach bewertet werden.

        Ansonsten bin ich für den Artikel sehr dankbar. Ich habe selbst so einen Staff(oder was auch immer) Mix aus katastrophaler Haltung, der zu allem Überfluss aus Ungarn importiert wurde. Ich weiß schon, wie man einen traumatisierten (wenn sowas denn auf einen Hund zutrifft) oder vielleicht eher “verkorksten” Hund hinbekommt. Einen Hund wie Chico würde ich dennoch niemals nehmen. Es ist gut, dass jemand diese Gedanken so ausführlich darlegt. Wie ich auf Facebook mit meiner fast identischen Meinung angegangen wurde, muss ich wohl nicht erwähnen.

        Glückwunsch zu diesen sachlichen, reflektierten Gedanken bei diesem so emotionalen Thema.

  17. Seit Jahren setze ich mich ein für Listenhunde. Aber der Fall Chico, oder besser gesagt die Reaktionen darauf, löst in mir nur noch Entsetzen aus. Retten um jeden Preis hat für mich nichts mehr mit Tierschutz zu tun. Nun wurden gestern auch noch voller Stolz Videos gepostet, voll nach dem Motto “schaut alle her, wie harmlos dieser Hund in Wirklichkeit ist.” Spaziergang mit professionellen Betreuer und Fotografen und der Hund trägt nicht mal einen Maulkorb! Niemand kennt den Auslöser, aber offensichtlich glaubt man daß solche Auftritte sehr werbewirksam sind. Ist diesen professionellen Menschen eigentlich bewusst, was für ein Risiko sie eingehen und wie sehr ein erneutes “auffällig werden” der Sache der Listenhunde schaden wird. Man muss nur an den entsprechenden Stellen lesen und wird sehr schnell feststellen, daß sehr wohl schon nach einer Verschärfung (bis hin zu Zuchtverbot) geschrien wird.

  18. Natürlich wird kein Hund böse geboren.
    Geht man vor die Tür, kann man täglich die Verfehlungen manch eines Halters seinem Hund gegenüber sehen und beklagen. Wenn man Glück hat erreicht man 1 von 10 Haltern und kann zum Umdenken im Umgang mit dem Hund anregen.
    Im Fall Chico sind alle Beteiligten Opfer.
    Die Halter, die ein Leben in Angst lebten vor dem Ex Ehemann und vor ihrem Hund Chico.
    Was reelle Angst bedeutet , kann wohl kaum einer nachempfinden der, wohl behütet aufgewachsen und körperlich unversehrt lebt.
    Chico, der als Schutzschild angeschafft und als Waffe missbraucht wurde, die aus welchem? Grund nun nach 8 Jahren detonierte/eskalierte.
    Ich habe die Petition unterschrieben. Warum?
    Für mich gibt es noch zu viele Fragen. Warum tickte Chico aus?
    Haben gesundheitliche Auslöser,Schmerzen zum eskalieren geführt?
    Welche Umstände führten zu dieser Tragödie?

    Bleibt natürlich die Frage wohin mit dem Hund und die Finanzierung des Hundes, da muss ich euch Recht geben.
    So verneige ich mich vor eurer Arbeit mit den „anders Hunden“ und eurem Engagement.
    Mein Mitgefühl gilt allen Beteiligten,den Hinterbliebenen und den Opfern. (Mensch und Tier)

    1. Und das alles geht auf Kosten des Hundes? Um ihre Wissensgier zu befriedigen? Ich glaube sie haben es immernoch nicht verstanden, worum geht es hier eigentlich? Der Hund ist tot unglücklich 😔

  19. Chico hätte aus meiner Sicht unmittelbar nach dem tödlichen Vorfall eingeschläfert werden müssen. Dann wäre dieser unsinnige, menschen-und tierverachtende Hype in den Medien und den sozialen Netzwerken gar nicht erst entstanden. Er sollte auch jetzt noch eingeschläfert werden, er hat keine Chance, jemals wieder ein halbwegs normales Leben zu führen. Er bleibt “Chico, der Mörderhund”. Welchem Menschen könnte man Chico auch mit nur halbwegs gutem Gewissen zumuten? Niemanden. Also bleibt Hochsicherheitstrakt, Einzelhaft. Bis zum Ende seines Lebens. Nein. Wir sollten ihn gehen lassen, sprich ihn einschläfern. Das Wort klingt immer so harmlos, dabei ist es die Tötung eines Wesens, die ich im Falle von Chico jedoch für die gnädigere Variante halte.

  20. Ich habe jahrelange Erfahrung mit Hunden (verschiedene Rassen). Ein Hund der derartig aggressiv reagiert – egal auf welche Schlüsselreize er reagiert – ist, bei aller Tierliebe mit Verantwortungsbewusstsein nicht vermittelbar.

    1. Also mit anderen Worten: was immer man dem Hund antut, er darf sich nicht wehren? Gerade, weil man nicht weiss, was passiert ist und der Hund sich weder bei seiner “Festnahme” noch später im Tierheim aggressiv gezeigt hat, sollte man ihm eine 2. Chance geben. Schuld sind hier die Behörden und der Tierschutzverein, die diese Tragödie zu verantworten haben. Unser Verein hätte auf jeden Fall versucht, den Hund aus diesem Umfeld herauszuholen. Es ist schon erstaunlich, dass unter diesen Umständen nicht schon viel früher etwas passiert ist. Vielleicht wird die Politik jetzt mal wach und legt bundesweit fest, dass jeder zukünftige Halter einen Hundeführerschein zu machen hat.

  21. Vielen Dank für Deinen Artikel.
    Was mir bitter aufstösst, dass ein Video vom Tierheim Hannover im Netz kursiert, in dem Chico ohne Maulkorb und nur mit einer Leine gesichert vor der Presse präsentiert wird. Da kann ich nur den Kopf schütteln.

  22. Ich habe Gänsehaut und 1 Träne im Auge! Genau meine Meinung! Aber ich hätte es nie so ausführlich, fachlich, erfahrungsgemäß, diplomatisch und herzlich schreiben können ! Endlich mal jemand mit einer wahren Menschen und Tierliebe und einem hohem Menschenverstand. Danke 🙏

  23. Mega Respekt für diesen sachlichen Bericht … vielen vielen Dank … spricht mir aus der Seele … habe ebenfalls Gänsehaut und Tränen in den Augen. Ich lebe derzeit in einer so schwierigen Situation und wäre über ein wenig Hilfe sooo dankbar … stattdessen bekommt man nur Vorwürfe 🤦‍♀️

  24. Sehr guter Beitrag sie sprechen mir aus der Seele, wenn ich das lese bekomme ich Tränen in die Augen da ich selber Hundebesitzer bin.
    Danke.

  25. Klasse Artikel !!

    Ich habe das Gefühl das manche Menschen die Situationen einfach nicht zu Ende denken. Vielleicht wissen diese Leute auch einfach nur nicht was mit einem Hund dieser Auffälligkeitsstufe passieren wird wenn er nicht eingeschläfert wird. Jeder 2. regt sich über die bisherigen Haltungsbedingungen auf.
    Aber was wissen Sie über die Bedingungen von Isolationshaft solch hoher Risikofälle?
    Ist es nicht vielleicht sogar Tierschutz pur Chico die Regenbogenbrücke passieren zu lassen als wenn man ihn die Tür in die Einzelhaft eines Stahlzwingers , vermutlich eines Schieberzwingers, einer Einrichtung passieren lässt die er bis an sein Lebensende nicht mehr verlassen wird?
    Vielleicht sollte man sich mal Fragen was seine Konsequenzen sind wenn er nicht eingeschläfert wird?
    Was erwartet Chico wirklich wenn er weiter lebt …
    Entgegen der Annahme mancher Menschen erwartet Chico kein Leben auf einer Wiese voller Gänseblümchen. Er wird nicht in einem Rudel tollen, schöne Spaziergänge machen, spielend Bällen nachjagen oder neben Herrchen am Strand im Sand buddeln, er wird nicht von morgens bis abends mit Liebe erfüllt sein, er wird keine Hundekumpels treffen, er wird nicht auf einer Decke im Park, neben Frauchen, dösend eine Spielpause einlegen, er wird nicht abends an Herrchens Füssen schnarchend vor dem Sofa liegen nach einen Ereignisreichen Tag voller Abenteuer.
    Wie wird seine Realität wirklich aussehen, wozu wird er denn nun “lebend” verurteilt?
    Er wird als zu hoher Risiko-Fall bewertet werden dann wird er isoliert, allein, ohne spielen, ohne Streicheleinheiten, ohne Rudel, ohne wirklichen menschlichen oder tierischen Bezug (weil es zu gefährlich ist für Mensch und Tier) hinter Gittern, in einem Schieberzwinger, auf seinen Tod warten.
    Ist das wirklich Tierschutz für diese Menschen die diese Petition unterschrieben haben oder haben sie es einfach nicht besser gewusst?
    Ist es denn wirklich Herzlos dem Tier das ersparen zu wollen ?
    Nun muss jeder für sich selbst entscheiden was sich sein Tierschützer-Herz für Chico wünscht..

  26. Liebe Autorinnen,

    vielen Dank für den ehrlichen und tiefeinblickenden Artikel, der ebenso – auch wenn’s schon oft hier kommentiert wurde – meine Gedanken widerspiegelt.
    Auch ich habe mich gefragt, ob einer der Tierschützer, die im Internet aufschreiben, bereit wäre, von heut auf Morgen, seinen Job hinzuschmeißen, sich von seinen Lieben für deren Schutz für eine Zeitlang abzuschotten, die Ausbildung und Sachkundenachweis etc. zu machen, um sich voll und ganz der Pflege von Chico zu widmen. Den für so ein Tier mit einer solchen Vergangenheit braucht es definitiv eine Reha und manch einer aus der Branche weiß, wie die Arbeitszeiten sind. Dass ist kein Hobby und keine Freizeit mehr, dass ist ein Vollzeitjob, dessen Ergebnis ungewiss ist und Verzweiflung und Frust Alltag sein kann. Und noch mehr frage ich mich, ist jemand von den Tierschützern bereit, sein Leben auf diese Weise zu riskieren?
    Viele Grüße au Bayern, Pubea

  27. Ich hatte mit meinem Ex auch einen beschlagnahmten Pitbull der 9 Jahre im Hundekampf war….das Regierungspräsidium hat unheimlich schiß gehabt das was mit ihm passiert und wir haben ihn nur bekommen,weil wir beide Tierpfleger sind.Wir mussten ihnen auch versprechen das wir immer einen Maulkorb mit zum Gassi gehen mit nehmen….was wir auch getan haben….und wir haben sogar noch geschafft das er insgesamt mit 7 Hündinnen laufen konnte ohne in ihnen den Feind zu sehen.Ich bereue nicht eine Sekunde das wir diesen Hund aufgenommen haben…..und ich habe auch noch nie einen Hund gehabt der nachts solche Albträume hatte und geschrien hat wie verrückt. …wir haben ihn dann immer aufgeweckt und er hat dann immer tief geseufzt…und aufgerissenen Augen gehabt….und sich als er sich umsah schnell wieder beruhigt.Und wahrscheinlich würde ich die Geschichte nicht glauben hätte ich sie nicht selber erlebt.Ich glaube es gibt immer jemand der mit einem Problemhund klar kommt…die Verantwortung hat man dann natürlich. …man weiß ja nicht was genau mit Chico passiert ist…..aber Fakt ist….das da in der Haltung schon viel schief lief…..und das es Tote gab noch viel schlimmer…..und es hätte vermieden werden können …..

  28. Wieso, Chico hat doch bis jetzt auch nur in einem Stahlzwinger gelebt. Da fand es keiner besser, ihn einschläfern zu lassen, und er hätte dort auch den Rest seines Lebens verbracht, wäre es nicht zu dieser Tragödie gekommen. Jetzt wird vehement nach Einschläferung gerufen. Hätte man früher reagiert, könnten Mutter und Sohn noch leben und Chico ein hundegerechtes Leben führen

    1. Leider hat das zuständige Amt ja nicht früher reagiert und jetzt ist es zu spät. Ob das mit der ausschließlichen Haltung im Zwinger so stimmt, kann man auch immer nur schlecht beurteilen, wenn alle Informationen aus den Medien kommen. Nur weil ein Zwinger im Wohnzimmer steht, heißt es ja nicht, dass der Hund gequält wurde.. Die Flut von widersprüchlichen Infos ist leider sehr in die Irre führend und wir können alle nur spekulieren. Es gibt aber durchaus aus Hunde, bei denen solches Verhalten nichts mit Tierquälerei zu tun haben muss.

  29. Ich kann Euch nur danken! Ich glaube dieses Gefühl vor einem gefährlichen Hund zu stehen kennen die Wenigsten. Und ich wünsch es Niemandem ohne Vorbereitung, Absicherung und die nötigen Kenntnisse. Was hier geschehen ist, ist unvorstellbar furchtbar! Ich kann nur erahnen wie sich die Opfer gefühlt haben, was Sie durchgemacht haben, welche Angst Sie gehabt haben müssen. Als Angehörige seine eigene Mutter und den Bruder so aufzufinden! Um Himmels Willen, es gibt niemanden der Chico ein angemessenes Leben bieten kann, ohne für sich Selbst oder andere eine Gefahr einzugehen. Die Einschläferung eines Hundes, des eigenen Hundes oder eines Hundes der einem anvertraut wurde, ist unbeschreiblich. Dieses Gefühl kann man nicht in Worte fassen aber manchmal ist es für den Hund und die Sicherheit anderer Lebewesen notwendig!!!

  30. waere der hund chico wirklich boese haette er die Besitzer schon viel frueher angefallen. Irgend etwas muss da vorgefallen sein . Jahrelang im Käfig Vielleicht getreten? Und wenn die Tochter schon die Rettungskraefte gewarnt hat , warum wurde von ihr aus nichts unternommen? Es tut mir auch leid um die Verstorbenen. Aber ich bin der Meinung , dass Chico noch eine Chance hat. Wie gesagt jedes Lebewesen braucht Liebe

    1. Das ist leider nicht richtig. Jedes Lebewesen braucht vielleicht Liebe, aber Liebe schützt vor solchen Vorfällen nicht. Hunde sind und bleiben Raubtiere.
      Auch der best sozialisierteste Hund kann ein anderes Lebewesen töten, wenn die Umstände stimmen.
      Was hätte die Tochter denn tun sollen, das erschließt sich mir nicht?
      „Vielleicht getreten“, ist leicht Toten etwas zu unterstellen, nur leider wenig menschlich und irrelevant, in diesem Fall.

  31. danke für euren Beitrag.
    Ist ein Menschenleben wertvoller als ein Tierleben? Warum dürfen Menschen Tiere töten aber nicht umgekehrt? Warum ist man dagegen, einen Sachverhalt erstmal genau zu prüfen und zu hinterfragen bevor man eine Entscheidung über Leben und Tod fällt? Dürfen wir tatsächlich über das Leben anderer entscheiden? diese Fragen kann man nicht einfach so beantworten und genau so denke ich über Chico. Jeder kann seine Meinung haben aber keine davon ist wirklich richtig oder falsch.

  32. @Stefan: Also ich finde es eine absolute Zumutung dass der Stefan hier so einen Kommentar schreibt. Sich lustig machen über den toten Chico ist ganz ganz untere Schublade.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.