Putin, Buri und Ilva.

Es ist an der Zeit für einen kurzen Rückblick und eine Bestandsaufnahme. Es begann irgendwo in Dithmarschen, dort fand ich Ilva in einer Einrichtung für schwierige, straffällig gewordene Wolfhunde und nahm sie mit nach Hamburg. Fortan lebten wir gemeinsam mit Cloé in der großen Stadt. Wolf in the city – keiner hat’s geglaubt, sowas kann nicht funktionieren, aber wer will, findet Wege. Und ich wollte. Ein paar Monate später verließ meine kleine Cloé den Planeten und kaum war sie weg, brachte das Schicksal wieder einen Cosmo in mein Leben. Immer noch in einer WG in Hamburg lebend, fuhr ich mit dem Zug ins Tierheim um Cosmo kennen zu lernen. Ein Auto hatte ich zu diesem Zeitpunkt nicht. Zwei Wochen später zog der riesengroße Dobermann ein und ich taufte ihn auf den Namen Buri. Das hier ist keine Liebesgeschichte, ganz gewiss nicht, es ist eine Geschichte über die Liebe. Blut, Schweiß und Tränen hat es mich gekostet und das kostet es mich noch. Ein Leben mit meinen Hunden so zu führen, wie ich es möchte. Ich weiß noch wie mein Herz fast aus meiner Brust sprang, als ich die ersten Male mit Buri und Ilva Gassi gegangen bin. Das reinste Chaos. Buri flog mir um die Ohren wie ein Feuerwerk, doch wo ein Wille ist… Und irgendwann fand ich mich mit den Hunden im Altenheim wieder.

Zwei Ex-Knackis tätowieren sich ein Herz neben die Träne im Gesicht, nicht weil sie es müssen, sondern weil sie es können.

Zu keinem Zeitpunkt war meine Erwartungshaltung, dass sie eines Tages in jeder Disziplin mit mir an den Start gehen. Ich fand uns auf Flohmärkten wieder und in Cafés. Ich möchte hier keine falschen Vorstellungen vermitteln – beide tragen immer ihren Maulkorb und ich bewache sie mit Adlersaugen, wenn wir unter Menschen sind, achte besonders auf Kinder, Hunde, alles etc. Es ist nicht „mal eben“ oder „einfach so“, aber „es ist“. Und zum Teufel und zurück – ich bin verdammt stolz auf die Beiden. Ich werde nicht vergessen mit wem ich es zu tun habe, aber der Wahnsinn hat halt viele Gesichter… Ich trage Hamburg stets in meinem Herzen, aber wie es sich für einen richtigen Zigeuner gehört, war es im Frühjahr an der Zeit für mich zu gehen. In dem kleinsten Auto der Welt zog ich noch höher in den Norden. Wie in einem wunderbaren Märchen(Kind kommt im Fluss angespült) zog ich erst mal für drei Monate zur Familie. Nicht zu meiner Blutsfamilie, sondern zu der Familie, die man sich selbst aussucht und noch ein bisschen krasser als die Mafia ist. Ich war zwar kein Baby im Bastkorb, aber ein amüsanter Zigeuner mit zwei liebreizenden Kötern. Auf Fotos zumindest. Nach 43! Absagen, fand ich endlich eine Wohnung. Es ist nicht so leicht mit zwei Hunden, ich sag‘s euch. Aber den Scheiß kenne ich ja schon, aus den letzten Jahren. So zog ich weiter und vergrößerte meine kleine Freakshow um ein weiteres Mitglied. Mutter Teresa. Eine Zwergpython, die irgendjemand, irgendwo ausgesetzt hatte. Buri ist seit Februar da und Ilva seit Mitte/Ende des letzten Jahres. Ich beschwere mich zwar regelmäßig, dass Dies und Jenes nicht läuft und irgendwer zu doll an der Leine zieht und und und.. aber.. für die kurze Zeit haben sie so viel gelernt.

Ich würde ihnen gerne kleine Urkunden ausstellen und mich für die Kooperation bis hier hin bedanken – auf eine weitere gute Zusammenarbeit.

Nun wohne ich also irgendwo im höchsten Norden, mit einer Tschechin, einem Dobermann, einer Schlange, einem Clownsauto und mache einen Job, der mir täglich 60 Hunde beschert und Alles, was diese mit sich bringen. Als Kind der 90er verbringe ich meinen einzigen freien Tag natürlich damit, im Internet nach irgendwelchen Dingen zu suchen. Die Sonne schien und die Hunde schliefen. Und plötzlich fingen meine Hörner an zu glühen, der Teufel hatte eine Idee, eine dieser Ideen, die definitiv nicht dem logischen Menschenverstand entsprangen. Schon wieder ein Cosmo, ich wollte immer einen Akita, wenn ich dann irgendwann den Defender fahre und in meinem großen Haus im Wald, am See mit Strand wohne. Das mit dem Defender und dem Haus ist noch nicht in der Realität umgesetzt.

Aber ein Akita passt auch auf den Beifahrersitz und ganz ehrlich, wir sind Zigeuner. Hier vertragen sich auch zwei intakte Rüden, ja, auch ein Akita und auch ein Dobermann. Wie ich schon sagte, die Familie die man sich aussucht, ist krasser als die Mafia. Man hält zusammen.

Es ist eine riesige Herausforderung, neues Terrain, auf dem ich mich zurecht finden muss. Zwischen überbesorgter Hundemutti und Felsin (weiblicher Fels) in der Brandung, die, die Leinen fest in der Hand hält und jede Welle, jeden Aufstand an sich abprallen lässt. Ich liebe mein Leben so sehr, dass ich es manchmal auch abgrundtief hassen kann. Aber nicht jetzt. Denn jetzt scheint draußen wieder die Sonne und das ungleiche Rüdenpaar schläft zum ersten Mal nebeneinander, ich glaube meine Augen nehmen eine Herzchenform an, während ich sie dabei beobachte. Tja Jungs, wenn ihr mich nicht im Blick habt, habe ich euch in meinem. Und Ilva? Die ruht in auf ihrer rosa Satindecke und träumt von ihrem Ausbruch letzte Nacht, wie eine Peitsche hat sie sich aus der Box geschlagen – schnell und gezielt, um dann ins Wohnzimmer zu kacken und friedlich auf dem Sofa weiterzuschlafen. Ich trinke jetzt noch meine Caprisonne aus, schnappe mir meine Köter und ziehe los.

Das nächste Abenteuer steht sicher schon direkt hinter der Tür…

2 Replies to “Dem Akita sein Dobermann seine Tschechin

  1. thx, you made my day . . .
    ich trink meinen magen-tee aus und geh mit zuversicht und einem hauch größenwahn mit meinem köter unter die sonntagsspaziergänger 😉

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