Es ist das erste Mal, dass ich die Geschichte von Cosmo von A bis Z zu ‚Papier‘ bringe und ich muss etwas weiter ausholen und meine persönlichen Umstände erläutern, damit ihr meine Beweggründe an einigen Stellen besser verstehen könnt.

Mit zarten achtzehn Jahren geriet ich an einen Mann, der alles andere als nett war. Einige Jahre, Schläge und Abgründe später, versuchte ich ihn zu verlassen und von vorne anzufangen. Ich hatte meine eigene Wohnung bezogen und wollte durchstarten. Doch die besagte Kreatur war mit meinem Entschluss nicht einverstanden und versuchte mit allen Mitteln, mir das Leben zur Hölle zu machen. So wurde mein Exfreund zum Stalker. Eines Nachts verschaffte er sich Zugang zu dem Haus in dem ich lebte und versuchte die Tür meiner gerade frisch eingerichteten, ersten eigenen Wohnung einzutreten. Er versprach mir in dieser Nacht, sowohl meine Mutter, als auch mich umzubringen.  Ab diesem Zeitpunkt verging mir die Lust am Leben und ich zog bei meinem Bruder ein. Ich konnte das Haus nicht mehr alleine verlassen und auch bei meiner Arbeit, war ich nicht mehr sicher. Er fing mich vor der Arbeit ab und sendete abertausende Nachrichten. Tag für Tag.Die Polizei konnte nicht viel ausrichten. Arm war er nicht, somit erzielten die verhängten Geldstrafen keinen Erfolg.

Panikattacken bestimmten meinen Alltag und irgendwann begann ich, meinen Abschiedsbrief zu verfassen.

Nach außen verhielt ich mich wie gewohnt relativ cool, aber in mir sah es anders aus. Wie hätte jemand verstehen sollen, wie es ist, sich nirgendwo mehr sicher zu fühlen und sich tagtäglich zu fürchten?Mein Bruder war mein ständiger Begleiter und lies mich bis auf weiteres bei sich wohnen. Da meine alte Wohnung mit zu vielen negativen Erlebnissen behaftet war, konnte ich nicht zurück und musste sie irgendwann kündigen.Ich hatte zu dem Zeitpunkt Cloé, meine kleine Chihuahuahündin, die mich jeden Tag daran erinnerte, dass ich hier nicht so einfach das Handtuch schmeißen kann.

Mich selbst liebte ich nicht mehr so sehr, meinen Hund dafür umso mehr.

Irgendwann saß ich gemeinsam mit meiner Mutter und meinem Bruder in ihrem Wintergarten. Wir überlegten, wie es jetzt wohl weitergehen würde. Die Polizei riet mir die Stadt zu verlassen und neu anzufangen. Doch das wollte ich nicht. Ich weiß nicht mehr genau, wie ich auf die Idee kam, mir einen Hund anzuschaffen, der auf mich aufpassen kann und mir nachts Bescheid sagt, wenn jemand vor der Tür steht. Aber es ergab ziemlich viel Sinn für mich und so war die Entscheidung gefallen.

Entgegen der Befürchtungen meines Umfeldes, mich damit völlig zu überfordern, suchte ich auf Ebay Kleinanzeigen nach einem Dobermann. Ich hatte mir im Vorfeld alle Staffeln von Cesar Milan reingezogen und viel über die Rasse gelesen. Ich wurde relativ schnell fündig und wusste schon anhand des Fotos, welcher Welpe aus dem Wurf es werden sollte.

Cosmo-Dobermann-Welpe

Cosmo würde er heißen, mein neuer Begleiter und wenn er groß ist, Beschützer.

Ich wollte ihn perfekt erziehen und einen tollen Familienhund aus ihm machen, der trotzdem aufpasst, wenn es darauf ankommt. Ich vereinbarte einen Termin mit der ‚Züchterin‘ und konnte ihn zwei Wochen später abholen. Er war zu dem Zeitpunkt erst 7,5 Wochen alt, viel zu früh für einen Welpen, um sein Zuhause zu verlassen. Doch die ‘Züchterin’ erklärte mir, dass er der Schwächste aus dem Wurf sei und es ihm gut tun würde, jetzt schon auszuziehen. Seine Geschwister würden ihn mobben und er bräuchte mehr Ruhe. Das habe ich mit meinem Wissensstand von damals geglaubt.

So kam der Tag, an dem ich Cosmo abholen konnte. Ich hatte die Wohnung meines Bruders Welpensicher gemacht und alle notwendigen Anschaffungen getätigt. Was sollte schief gehen? Ich hatte doch schon einen Welpen erfolgreich groß gezogen. Mit einem Geschirr und der passenden Leine bewaffnet, machte ich mich gemeinsam mit meinem Bruder auf den Weg in den tiefsten Osten.Am Zielort angekommen, stand ein Haus mit einem recht großen Hof auf dem sich ein Wohnwagen befand. Die Züchterin empfang uns freundlich und erklärte, dass die Welpen im Wohnwagen wären und die Elterntiere im Haus, dort sollten wir aber lieber nicht reingehen, weil sie wohl noch andere Hunde hielt, die nicht so nett waren. Die Tatsache, dass ich die Eltern nicht sehen konnte, interessierte mich zu dem Zeitpunkt eher wenig bzw. gar nicht.

Wir gingen gemeinsam zum Wohnwagen, die Züchterin öffnete die Tür und lauter Welpen sprangen auf uns zu. Nur einer nicht. Cosmo lag auf einer Bank und schlief, er versteckte seine kleine Schnauze unter seinen Pfoten und registrierte kaum, dass wir da waren.Ja, ihr denkt jetzt, dass doch spätestens jetzt alle meine Alarmglocken hätten läuten müssen. Entschuldigt, aber ich fürchtete tagtäglich um mein Leben und war von dieser Situation wenig abgeschreckt.

Mein Glaube an das Gute und an Cosmo war unendlich viel Größer, als jede Vernunft hätte sein können.

Ich setzte mich zu dem kleinen Bündel auf die Bank und er öffnete seine Augen, mein Gott, er war so niedlich. Nach einem kurzen Gespräch und der Übergabe des Impfpasses, schnappte ich mir meinen Welpen und wir machten uns auf den Heimweg. Das erste Mal seit langem, hatte ich andere Dinge als Tod, Hass und Zerstörung im Kopf. Es war einfach wunderbar. Cosmo war übersät mit kleinen Stellen, die wohl den spitzen Zähnen seiner Geschwister geschuldet waren, das dachte ich zumindest. Hierzu später mehr. Als wir das erste Mal anhielten, um für Cosmo eine Pipipause zu machen, fing er fürchterlich an zu schreien, in dem Moment als ich ihn auf den Boden setzte. Und wenn ich schreien sage, dann meine ich schreien. Alle die Cosmo kennen, haben jetzt wahrscheinlich seine Gesänge im Ohr, die uns so oft den letzten Nerv raubten. Und doch vermisse ich sie heute manchmal.

Cosmo-Dobermann-Welpe
Cosmo bei der ersten Pipipause in seinem super gut sitzenden Geschirr

Ich würde nicht sagen, dass ich in dem Moment bemerkte, dass ich ggf. einen Fehler gemacht habe, aber mir war klar, dass hier irgendwas nicht stimmt. Aber was soll’s, ich nahm mir vor in der Welpengruppe nachzufragen, was es damit auf sich hat, es würde schon einen Grund geben. Und sicher auch einen Weg, ihm die Angst oder was auch immer ihn dazu bewegte, zu nehmen.

Wenn ich das so schreibe, muss ich lachen. Wie naiv ich war.

Ich muss sagen, ich bereue nichts, aber glaubt mir, das Geschrei hat er bis zum bitteren Ende nicht abgelegt. Es machte ihn aus.

Zuhause angekommen ging das Szenario als wir aus dem Auto stiegen von vorne los. Ich holte mir sofort Rat in Hundegruppen und rief eine Hundeschule an. Sie sagten, es wäre ganz normal und ich solle doch einfach mal am Sonntag in der Welpengruppe vorbeischneien. Am Abend versuchte ich Cosmo in seiner Box schlafen zu lassen. Eine Stunde lang schrie er mich an, also stellte ich die Box direkt neben mein Bett. Irgendwann hielt ich meine Hand in die Box. Cosmo schrie weiter. Mein Wecker klingelte alle zwei Stunden, zwecks Stubenreinheit. Irgendwann morgens um fünf gab ich auf und Cosmo schlief seelenruhig bei mir im Bett.Jedes Mal wenn ich nachts Gassi ging, musste ich ihn tragen, damit er nicht so laut schrie. Meine Nachbarn mochten mich bis dahin und ich wollte ihnen Cosmo zwar vorstellen, aber nicht so. Ich trug  ihn auf dem Arm und er versteckte seine Schnauze unter meinem Hals, zwischen meinen Haaren.

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Cosmo im Auto auf dem Weg nachhause

Jedes Mal habe ich ihm versprochen, gut auf ihn aufzupassen, so wie er auf mich, wenn er mal groß ist.

Dieser Welpe hatte es tatsächlich geschafft, mich alleine und fast angstfrei aus dem Haus zu treiben.  Und ich habe es nicht mal bemerkt, meine Welt war nicht mehr Schwarz, sie war Cosmo.

Wie unser erster Besuch in der Welpengruppe war und wie mein Umfeld auf Cosmo reagiert hat, erfahrt ihr in der nächsten Story.

Forsetzung folgt.

4 Replies to “Cosmo – wie alles begann

  1. Ich finde es so mutig und bewundernswert,dass du uns so ehrlich und ungeblümt an deinem Leben teilhaben lässt.Man sagt, jeder bekommt dennHund,den man braucht.Ohne Cosmo wärest du nicht dort,wo du heute bist,hättest viele Menschen und Situationen nicht erlebt, bestimmt wärst du schon tot.Vielleicht nicht körperlich ,aber mental.So hat dich des “Wahnsinns fette Beute” dem Wahnsinn entzogen. Und nach jedem Cosmo kommt auch wieder ein Cosmo😉💋Ich freue mich auf die Fortsetzung,auch wenn ich das Ende schon kenne. Aber so ist ja das Leben….das Ende kennen wir alle 😉

    1. Deinen Worten kann ich mich nur anschließen 😊 auch ich kenne Cosmos Geschichte, seine Gesänge und die Nächte, die er bei mir mit im Bett schlafen durfte 😍 ich vermisse ihn…. 😘

  2. Oh wie ich Dich verstehen kann. Deine Angst vor diesem Mann dein Wünsch aus dem Leben zu gehen und Dein Wünsch einen Beschützer auf vier Pfoten zu haben. Hab ich auch durch. Und deshalb find ich klasse das Du dieser armen Hundeschnautze ein neues Leben schenktest denn er hätte es nicht allein geschafft. Und so war es Fügung des Schiksals das ihr euch fandet

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