Als Cosmo aus dem MRT auf mich zugetorkelt kam, habe ich mich unfassbar gefreut. Er war gesund. Wir hatten wieder etwas gemeinsam überwunden und eine riesengroße Last fiel von meinen Schultern. Ich ließ ihn trotzdem weiter testen und gab ihm Zylkene, die beruhigend wirkend sollten. Auch mit Schüssler Salzen versuchte ich es. Doch all das hat nicht geholfen. Ich erinnere mich gerne an die Nacht, als Deutschland die WM gewann. Ich war bei Doreen und ihrem Freund und wir sahen gemeinsam das Spiel. Sehr erfreut über den Sieg, beschlossen wir im Anschluss noch mal kurz in die Stadt zu fahren und ein Bier zu trinken, Cosmo war natürlich dabei, denn alleine lassen konnte ich ihn ja nicht. In der Innenstadt war die Hölle los und wir befanden uns auf ein Mal mitten in einem Autocorso. Doreen und ich hatten schon gut einen sitzen und ihr Freund musste fahren. Cosmo saß ein bisschen verwirrt auf der Rückbank und wunderte sich, warum er nicht mehr der Einzige war, der schrie.

Ich hatte es geschafft. Ich konnte ein halbwegs normales Leben führen, trotz ANDERSHUND in meinem Leben.

Bevor es einen Aufschrei gibt, ja, ich habe das verantwortet. Der Hund, mitten im Autocorso, ja, war auch laut. Ich hatte den Spaß meines Lebens und Cosmo fand es auch ganz lustig. Wir kamen irgendwann auf die Idee, in der Alster schwimmen zu gehen. Wie, das weiß ich nicht mehr. Da ich nicht mehr ganz nüchtern war, hatte ich Angst, Cosmo mit ins Wasser zu nehmen. Ich dachte, wenn jetzt  irgendwas  passiert, könnte ich vielleicht nicht richtig eingreifen. Das wollte ich nicht riskieren. Er schwamm für sein Leben gerne und auch in diesem Punkt, hat er leider manchmal übertrieben. Doch Doreen hatte die Lösung, sie hatte eine Schwimmweste für Hunde im Auto. Hach, Hundehalterfreunde sind Gold wert.

So zogen wir uns aus und Cosmo die Schwimmweste an und sprangen mitten in der Nacht in die Alster.

Cosmo freute sich wie ein Wahnsinniger und schwamm mit Doreens Freund relativ weit raus, der lachte und ließ uns lautstark wissen, dass Cosmo versuchte, sich an seinem Rücken festzuhalten. Wir lachten uns halbtot. Die Beiden sahen wirklich witzig aus. Cosmo mit seiner Weste, wie er wirklich versuchte, sich an dem armen Mann festzuhalten. Doch die beiden waren Freunde und ich machte mir keine Sekunde lang Sorgen. Es gab und gibt immer wieder Menschen, die sich einfach mit Hunden verstehen. Die keine jahrelange Ausbildung gemacht haben oder viele Erfahrungen sammelten, sie verstehen sich einfach mit den Tieren. Man merkt sofort, dass da eine Basis ist. Ich finde das sehr beruhigend und beeindruckend.

Ich gewöhnte mich an das Leben mit Cosmo.

Alleine bleiben konnte er allerdings immer noch nicht. Und leider neigten sich meine Minusvorräte an Geld dem Ende zu. Ich konnte nicht mehr auf Unterstützung seitens der Familie hoffen, da keiner ein Freund von der Idee war, Cosmo überhaupt zurückzuholen. Sie behielten ja auch recht, Cosmo änderte sich nicht. Es blieb alles schwierig. Meine Mutter ging oft für mich einkaufen, da er nicht alleine bleiben konnte. Nicht mal das konnte ich ohne Hilfe. Noch heute erinnert sie sich daran, dass sie ein Mal mit ihm im Auto warten musste. Er schrie so laut, dass alle glotzten und sie musste bei 30 Grad die Autofenster schließen, weil es ihr so unangenehm war. Cosmo beruhigen? Aussichtslos.

Ich fuhr sogar mal mit meinen Freunden  und Cosmo gemeinsam in den Urlaub. Wir wollten zelten.

Das taten wir öfter, da wir gemeinsam seit Jahren ehrenamtlich zwei Wochen im Jahr ein Zeltlager betreuen.  Also, die anderen schliefen in Zelten und ich mietete mir gemeinsam mit zwei Freunden eine Hütte auf einem Campingplatz. Cosmo kam auch mit. Ich habe schon coole Freunde. Nicht einer war dagegen, dass ich ihn mitnehme. Sie mochten ihn. Lange hatte ich überlegt, ob ich ihn mitnehmen soll. Egal wie nervig und anstrengend das wird, es war mein Hund und mein Leben. Natürlich nahm ich ihn mit. Tagsüber gingen wir in der Umgebung spazieren. Wir liefen an einem See vorbei und Cosmo wollte unbedingt schwimmen. Ich hielt mich für ganz schlau und band die Leine an meiner Hose fest.

Keine fünf Minuten später war meine Hose kaputt und Cosmo im Wasser. Typisch.

In der Nacht band ich Cosmo an meinem Bett fest, damit er nicht während ich schlief, zu den anderen laufen konnte.  Einer meiner Freunde musste jedoch nachts zur Toilette und verließ das Haus. Als er wieder rein wollte, knurrte Cosmo ihn an. Und er ging wieder raus. Er versuchte mich anzurufen, aber ich schlafe leider wie ein Stein. Vor Allem, wenn Cosmo neben mir liegt. Lag. So musste der arme Mann im Auto schlafen, weil er sich nicht mehr getraut hatte, hereinzukommen. Er war nicht mal wirklich sauer auf mich und ich hatte ein schrecklich schlechtes Gewissen. Auf der Rückfahrt sollte Cosmo in seiner neuen Box im Kofferraum sitzen. Er hatte immer ein Problem mit Geschwindigkeiten. Manchmal, wenn wir aus Autos stiegen, griff er danach die Autoreifen an. Tja, ich sag ja, er war anders.

Als wir auf der Autobahn waren, biss Cosmo sich aus seiner Box und sprang direkt aus dem Kofferraum auf die Rückbank. Ich hatte nun meinen fast 35 Kilo schweren Hund auf dem Schoß.

Nach dem ersten Schreck verfielen alle Insassen des Autos in lautes Gelächter.  Alle kannten Cosmo. Ich kannte ihn. Und es war irgendwie normal. Wir hielten kurze Zeit später an und ich beförderte ihn wieder in den Kofferraum, diesmal band ich ihn allerdings doppelt fest und wir fuhren sicher nachhause. Was ich alles von diesem Hund gelernt habe, meine Güte. Zuhause ist Cosmo nachts manchmal aufgestanden und gegen Wände gelaufen. Manchmal schrie er auch einfach aus dem Nichts los.  In all der Zeit, hatte ich trotz allem, tolle Menschen um mich herum, die mich unterstützt haben. Ich danke euch allen. Bis heute und für immer, ihr wisst gar nicht, was ihr damit für mich und Cosmo getan habt. Ihr habt mehr als einen Stein bei mir im Brett. Eher einen Felsen.

Eines Tages war es dann soweit, mein Vater  kam auf mich zu und sagte, dass er einen tollen Job für mich hätte, in einer Eventagentur. Ich hatte kein Geld mehr. Und ich wusste, dass ich nicht einfach sagen könnte, dass ich das nicht machen möchte.

Ich bin ausgebildete Veranstaltungskauffrau. Die Chefin der Agentur hatte selber Hunde und ich hoffte, dass ich meine Hunde vielleicht mitbringen durfte.

Irgendwie. Auch wenn ich bis heute der festen Überzeugung bin, das Luft und Liebe fast alles im Leben sind, braucht man auch Geld. Vor Allem, wenn man Hunde hat. Ich stellte mich dort vor und erzählte von meinen Hunden und das Cosmo etwas anders wäre. Ich bekam den Job. Doch ich konnte Cosmo nicht von Anfang an mitnehmen, meine Chefin war sehr verständnisvoll und sagte, dass ich vielleicht nach einer guten Einarbeitungszeit in ein Büro ziehen könnte, am Ende des Gebäudes und ihn dort in einer Box mitnehmen könnte. Ich hatte zwar noch keinen Plan, wie ich das anstellen sollte, aber ich wollte eine Lösung finden. Ich suchte nach einer Einrichtung, die Cosmo betreuen würde, während ich arbeitete. Einen so verhaltensauffälligen Hund in Hamburg unterzubringen, war schier unmöglich. Es gab den ein oder anderen, der ihn kennen lernen wollte, doch die Betreuungen lagen alle außerhalb Hamburgs und ich hätte es nicht geschafft, ihn jeden Tag hinzubringen und wieder abzuholen.

Ich stand schon wieder vor einer ziemlich miesen Entscheidung. Vom Regen in die Traufe.

Gemeinsam mit Gülay suchte ich nach einer Möglichkeit, ihn irgendwo unterzubringen. Keiner wollte ihn aufnehmen. Doch dann gab es einen ziemlich tollen Menschen, der ein Tierheim leitete. Er wollte Cosmo kennen lernen und so fuhr ich dort hin. Ich fühlte mich immer noch wie die Versagerin der Nation, wenn ich Menschen in diesem Zusammenhang traf. Doch der Tierheimleiter war anders, als die Menschen zuvor. Er verstand mich, ohne mich zu verurteilen und erklärte sich bereit, Cosmo aufzunehmen. Nach wie vor stand Cosmo im Vordergrund und ich beschloss ihn dort abzugeben. Sollten sich während der Zeit seines Aufenthaltes Menschen finden, die zu ihm passten und ihm ein besseres Zuhause bieten könnten, dann hätte ich das Schicksal so genommen. Für mich war es ein kleiner Untergang, aber ich wusste nicht mehr weiter. Und außerdem war ich davon überzeugt, dass sich unsere Wege wieder kreuzen werden. Ich dachte immer noch, dass das Ende gut wird.

Ich musste Cosmo wieder abgeben.

 

Und das ist jetzt das Ende der Geschichte? Nein.

Wie es weitergeht, erfahrt ihr nächsten Sonntag in der letzten Geschichte von Cosmo.

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