Gerade erst hatte ich Cloé gehen lassen. Auf die Frage, ob ich mir jetzt einen zweiten Hund anschaffen würde, kam meine Standardantwort.

Der richtige Hund wird mich schon finden. Warten wir mal ab.

Natürlich kam diese Frage recht schnell auf, da es für Ilva nicht so optimal wäre, als Einzelhund zu leben. Doch trotzdem hätte ich mich nicht aktiv auf die Suche begeben. Aber wie das immer so ist, am Ende kommt alles, wie es kommen muss.

Eines Abends blickte ich auf mein Handy, ein guter Freund schrieb mir. Wir waren für den nächsten Tag verabredet und er kündigte an, dass er etwas ‚Schicksal‘ im Gepäck hätte. Ich war schockiert und rechnete mit dem Schlimmsten. Was war wohl geschehen? Ich machte mir viele Gedanken, malte mir diverse Szenarien aus und hoffte, dass es nicht allzu schlimm wäre. Dass ich gar nicht weiter nachfragen muss wusste ich, da er es mir schon geschrieben hätte, wenn es sich nicht um etwas handeln würde, was man besser von Angesicht zu Angesicht bespricht.

Ich ging abends schlafen und dachte noch lange über das ‚Schicksal‘ nach und was es wohl sein könnte. Er fügte allerdings noch hinzu, dass nichts Schlimmes passiert sei. Immerhin.

Nie im Leben wäre ich auf das gekommen, was er mir zu sagen hatte. Nie.

Der nächste Tag brach an und ich konnte unser Treffen kaum abwarten. Ich war ziemlich aufgeregt und versuchte es mir nicht anmerken zu lassen, aber guten Freunden kann man nichts vor machen.

Wir sprachen kurz über dies und das, schnappten uns einen Kaffee und setzten uns dann hin. Am liebsten wäre ich direkt auf ihn zugesprungen, wie ein acht Wochen alter Welpe und hätte gefragt, was denn jetzt das ‚Schicksal‘ wäre. Aber ich bin kein Welpe, sondern zumindest auf dem Papier erwachsen. Also habe ich mich zurückgehalten.

‚Bist du bereit? ‘, fragte er mich. ‚ JaaaAAaaaA? ‘, entgegnete ich.

Und dann kam ein Moment, den ich wohl nie vergessen werde.

‚Elena, was würdest du sagen, wenn ich einen Hund bei uns hätte, einen Dobermann, der den Namen Cosmo trägt, 18 Monate alt ist und aus Kroatien kommt? ‘.

Bevor ich antworten konnte, liefen mir bereits die Tränen übers Gesicht. In meinem Kopf war der Ausnahmezustand ausgebrochen. Das kann doch nicht sein. Ein Mal mehr glich mein Leben einer Sendung von Verstehen Sie Spaß? und ich wusste gar nicht was ich sagen sollte. Ich war überrannt von meinen Gefühlen.

Er sagte, dass er schon länger dort sei und er mir vorher noch nichts erzählt hätte, da Cloé noch da war und es nicht in Frage gekommen wäre. Das stimmt. Doch als Cloé starb, ergab das Ganze auf ein Mal Sinn.

Wir unterhielten uns über diesen Cosmo, er erzählte, warum er abgegeben wurde und wie er so wäre.

Ich sagte, dass ich mir die Sache durch den Kopf gehen lassen muss, es sacken lassen. Ja, ich weiß. Alle die mitlesen denken sich jetzt, dass die Sache doch schon Glasklar ist.

Ich war wirklich überfordert, ich starrte in der Nacht noch lange in den Himmel. Einerseits war ich total glücklich und auf der anderen Seite kamen auch alte Gefühle hoch, die nicht so schön waren. Vieles war in der Vergangenheit mit meinem Cosmo schief gegangen. Doch die Vergangenheit hat mich geprägt und mich wertvolle Dinge gelehrt, ich kann auf meine Erfahrung zurückblicken.

Ob Cloé das gewusst hat? Hatte sie vielleicht sogar ihre kleinen Pfoten im Spiel?

Wie nicht anders zu erwarten, beschloss ich, Cosmo kennen zu lernen.

Ich fühlte mich ein wenig wie eine arme Irre. Ob die Leute mich direkt einweisen, wenn ich erzähle, dass ich ins Tierheim fahre um Cosmo zu besuchen? Jetzt dreht sie völlig frei, armes Mädchen. Aber so war es halt.

Der Tag meines Besuches rückte immer näher und ich war total aufgeregt. Ich wusste natürlich, dass kein Mensch dieser Erde in die Luft springen wird, wenn ich erzähle, dass ich mit dem Gedanken spiele, mir wieder einen Dobermann ins Haus zu holen. Und dann auch noch einen, der einen Maulkorb trägt. Man meint, mit den Jahren würden sich die Leute an mich gewöhnen, doch es ist immer wieder eine Mischung aus Neugier und Ablehnung, wenn ich mit Ereignissen dieser Art, die in meinem Leben so passieren, rausrücke. Ich wollte ihn erst mal kennen lernen und erzählte nicht vielen von der Geschichte.

Ich war so aufgeregt als ich ins Tierheim fuhr. Das letzte Mal als ich da war, war der Anlass nicht so schön. Ich fragte mich, wie Ilva ihn wohl finden würde und was er zu mir sagt.

Ilva war letztendlich diejenige, die das Urteil ebenso fällen würde, wie ich.

Als ich im Tierheim ankam, konnte ich es kaum abwarten. Ich versuchte die Ruhe zu bewahren und zündete mir erst mal eine Zigarette an. Bleib ruhig Elena, dachte ich mir. Wir gingen gemeinsam zu dem Raum, in dem dieser besagte Hund saß. Dieser Cosmo.

‚Bist du bereit? ‘, fragte mich der Tierheimleiter.
Ich nickte.
Und dann kam Cosmo.

Das Kalb schritt fröhlich aus seinem Zimmer heraus. Ich kann nicht sagen, dass ich in den Moment irgendwelche spirituellen Erleuchtungen erfahren hätte, aber da war eine gewisse Ruhe. So ein Gefühl das man hat, wenn man irgendwo ankommt. Wenn man einen alten Freund wieder trifft oder eine gewohnte Umgebung nach langem wieder sieht. Vielleicht lag es einfach daran, dass es der selbe Ort war, an dem ich ‚meinen‘ Cosmo zum letzten Mal sah. Ich weiß es nicht. Aber es fühlte sich auf Anhieb richtig an.

Der neue Cosmo setzte sich vor mich und steckte seinen riesengroßen Kopf, mit den winzigen Ohren, zwischen meine Knie. Ich kraulte seinen Kopf und war einfach zufrieden.

Ilva wartete brav im Auto.

Wir setzten ihm seinen Maulkorb auf, leinten ihn an und machten uns auf den Weg zum Auto. Der nächste super aufregende Moment stand bevor. Cosmo zog an der Leine wie ein LKW, der es sehr eilig hat. Ich musste schmunzeln und dachte mir: das wird witzig. Er ist wirklich nicht gerade klein und hat ziemlich viel Kraft. Aber da ich meine Hunde im besten Fall nicht mit vollem Körpereinsatz im Griff haben möchte, spielte es keine Rolle.

Ich liebte und liebe Dobermänner. Manchmal rauben sie dir den letzten Nerv und ihre Zähne tun weh, aber sie sind so unfassbar witzig und halten einen immer auf Trab.

Als wir vor dem Auto standen, ließ ich den Ilvinator raus. Beide Hunde waren mit einem Maulkorb gesichert, somit konnte ich ganz gelassen an die Sache ran gehen. Außerdem war ich nicht alleine. Ich sah sofort in Ilvas Blick, dass sie überlegte, zu Satan zu mutieren, doch dafür blieb keine Zeit. Cosmo sprang direkt auf sie zu und forderte sie zum Spielen auf. Ilva findet das richtig Klasse, eigentlich möchte sie ja auch lieber spielen, als jedes Mal wieder auf’s Neue Resident Evil zu spielen. Und so dauerte es nur wenige  Sekunden, bis die Beiden am liebsten über das Feld gefetzt wären.

Wolfshund und Dobermann

Außerdem ist Cosmo ein intakter Rüde und hatte somit Boyfriendpotential.

An dem Tag schien die Sonne, es war total schön draußen. Ich schnappte mir die beiden Hunde und drehte eine Runde um das Tierheim.

Andere Menschen gehen im Fitnessstudio pumpen, ich gehe Gassi. Ich liebe neue Herausforderungen.

Nachdem es langsam schummrig wurde und ich leider nur mit dem Orientierungssinn einer Schmeißfliege ausgestattet bin, machte ich mich langsam auf den Rückweg.

Zurück am Tierheim brachte ich Ilva wieder ins Auto und Buri in sein Zimmer.

Folgendes gehört nicht zur Geschichte, aber ich durfte Babyziegen kennen lernen. Ich habe noch nie so niedliche Tierbabies gesehen und bin bis heute ganz entzückt. Wenn ich mal genug Platz habe, dann möchte ich Ziegen haben. Ja, ich mag sie auch noch, wenn sie groß sind.

Außerdem möchte ich an der Stelle betonen, dass ich noch nie ein schöneres Tierheim gesehen habe. Jedes Mal bin ich von der Sauberkeit beeindruckt. Alles ist so ordentlich und es ist schöner, als so manche Tierpension. Man fühlt sich eher wie auf einer ‘my little farm’ und nicht, wie in einem Tierheim.

Aber zurück zu Cosmo. Irgendwie überkam mich ein Gefühl der Ruhe. Es war alles einfach in Ordnung. Es ging nicht darum, wie ich es schaffe, mit zwei Hunden der Gewichtklasse spazieren zu gehen oder wie der Alltag sonst zu gestalten wäre, sondern um mein Gefühl. Natürlich wollte ich die eine oder andere Nacht darüber schlafen.

Ich überlegte wie meine Zukunft wohl  aussehen würde und hatte ein Bild vor Augen. In diesem Bild war ein Dobermann.
Mein Bauchgefühl lächelte und nickte mir zu:‘ Natürlich‘.

Mal im Ernst, was auch sonst? Jahre später bekam ich jetzt irgendwie die Chance, Cosmo doch wieder abzuholen. Als hätte ich einen alten Bekannten wiedergetroffen. Ich sag’s euch, ich suche die Hunde nicht, sie finden mich immer wieder.

Da ich es nicht mit mir vereinbaren konnte, einen Hund zu haben, der Cosmo heißt, beschloss ich ihm einen neuen Namen zu geben.

Ivan, Kevin, Tiny, Pinki oder Nero, in meinem Kopf schwirrte einiges umher.

Ich beschloss mir einige Inspirationen aus dem Internet zu holen und fand den Namen ‚Buri‘.

Buri. Er wird Buri heißen.

Er ist der Urvater der nordischen Götter. Wenn man der Geschichte glaubt, wurde er von einer heiligen Kuh aus dem Eis herausgeschleckt.

Im Ersten Moment fand ich es einfach nur witzig und freute mich, einen Namen gefunden zu haben.

Zwei Tage später dachte ich an Cosmo. Ich dachte an den Traum, in dem er starb. Er sprang einfach ins Meer, ich lief so schnell, doch das Meer fror zu. Er war im Eis verschwunden. Und jetzt kommt Buri. Aus dem Eis.

Mein Leben ist manchmal sonderbar.

Nicht, dass mich hier jemand falsch versteht. Ich glaube keineswegs, dass Cosmo in Buri reinkarniert ist oder sonst was. Buri ist Buri. Aber ich freue mich, dass ich ihn gefunden habe.

Dobermann Buri

Er ist ein typischer Dobermann. Hochspulen ist kein guter Plan und geklärte Fronten sind wichtig. Ich habe ihn gerne im Arm, aber nicht zwangsweise seine Zähne.

Vor ein paar Tagen war es dann endlich soweit. Ich fuhr ins Tierheim um ihn abzuholen.

Dobermann

Ich habe Cosmo aus dem Tierheim abgeholt. Cosmo, der jetzt Buri heißt und das neuste Mitglied meiner kleinen Chaosgang ist. Ich habe eine Menge vor. An der Leine laufen ist nicht sein größtes Hobby. Dafür hört er ganz wunderbar auf Kommandos, kann alleine bleiben und jagt nicht alles und jeden, außer Katzen. Aber das ist ok, wer macht das nicht?

Dobermann
Fotografie: Linda Thomann @art0fme

Ich fühle mich ein bisschen, als hätte ich zwei Dampfwalzen an der Leine, die eine wichtige Mission erfüllen wollen und es eilig haben. Eine davon scheint nebenbei noch Auftragsmörderin zu sein und der andere legt ab und zu mal Vollbremsungen ein und trampelt mir andauernd vor/auf die Füße.

Mein erstes Ziel ist es, die beiden mit weniger Aufwand an der Leine zu führen. Da ich nun mal jeden Tag mit den beiden raus muss, hat es für mich jetzt oberste Priorität.Leinenführigkeit ist ein Thema, um das man sich gerne herumschlängelt, ich zumindest. Solange es so funktioniert, dass ich die Lage im Griff habe, war es für mich immer okay.

Doch jetzt weht ein anderer Wind. Ich muss  zunächst an mir arbeiten, meine Strategie verbessern und kontinuierlich trainieren. Keine Ausnahmen, kein: ‚ach, komm, wat soll’s‘, mehr.

Buri wird im März zwei Jahre alt und ist in einem sehr spannenden Alter. Ich freue mich so für Ilva, das sie jetzt einen Freund hat, immerhin eine hier(ha-ha). Sie passen wunderbar zusammen. Es ist schön, frischen Wind im Haus zu haben und ich freue mich, dass er da ist. Gestern legte er seinen Kopf auf meinen Schoß und atmete tief aus. Mir kamen die Tränen, vor Freude. Es sind manchmal die kleinen Dinge im Leben, die schlappe vierzig Kilo wiegen.

Tja , das ist die Geschichte von Buri.

Ich halte euch natürlich auf dem Laufenden und berichte wie immer, von allen schönen und weniger schönen Dingen.

Doberman is back in the house! Herzlich Willkommen, Buri!
Dobermann
Fotografie: Linda Thomann @art0fme

7 Replies to “Er gehört zu mir – wie mein Name an der Tür

  1. Hallo Elena, ich freue mich immer neue Artikel von deinem Blog zu lesen.. wie aus der Seele geschrieben.. ich wohne in Italien und habe auch 3 “Andershunde” .. meine erste “Andershuendin” war eine Rottweilerdame namens Petra. Als sie mit 10 Jahren verstorben ist, hat sich durch eine Freundin die eine fb Post gelesen hat, Petra 2 aus Albanien angekuendigt! Selber Name und selbe Rasse!

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